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Willy Praml.

Gastbeitrag

Frankfurt: Ein neues, freies Theater der Zukunft

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Der 78-jährige Theatermacher und Regisseur Willy Praml plädiert dafür, die Naxoshalle zur Spielstätte freier Gruppen auszubauen.

Ein Theater für die Zukunft Eine Stadt bemüht sich um Lösungen Frankfurt und seine freien Theatergruppen brauchen „Ein Haus für die freie Szene“, war eine kürzlich zu lesende, aktuelle Schlagzeile.

Diese Forderung taucht regelmäßig auf, wenn’s ums Geld geht – wie aktuell Ende August anlässlich der Bekanntgabe der Förderbescheide für das kommende Jahr durch die Stadt. In der legitimen Debatte um die nachhaltige Finanzierung der prekarisierten Theaterszene geht es immer wieder auch um die Frage, an welchem Ort ein Projekt wie das geforderte Haus realisiert werden könnte.

Seit einigen Jahren arbeiten mehrere freie Gruppen im Theater in der Naxoshalle an einem zukunftsfähigen Modell zeitgenössischer Theaterarbeit, das heterogene Ästhetiken und Arbeitsweisen verbindet.

Mit absehbaren Investitionen ließe sich der Spielbetrieb so erweitern, dass noch weitere Gruppen eingeladen werden können, an diesem Modell teilzuhaben. Es braucht nicht viel mehr als eine Entscheidung der Kulturpolitik.

Ein Plädoyer für ein neues, freies Theater der Zukunft. Das Industriedenkmal Naxoshalle war schon immer ein begehrter Spielort.

Als vor gut zehn Jahren die Diskussion aufkam, dass es eine fehlende Basisförderung für Theater der nachwachsenden Künstlergenerationen gäbe, kam es zu Debatten, die anfangs unter dem Label Generationenkampf ausgetragen wurden – die Alteingesessenen gegen eine neue, rebellische Avantgarde.

Verstärkt wurde diese Deutung durch eine im Jahr 2012 im Auftrag des städtischen Kulturamts durchgeführte Evaluation der Freien Theaterszene in Frankfurt, welche forderte, vernachlässigten Formen der Darstellenden Künste (die seither unter dem Begriff „Postdramatisches Theater“ firmieren) gesellschaftlichen Raum zu geben.

Die damit einhergehende Kritik an den zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Inhalten und Formen des freien Theaterschaffens in der Stadt brachte die Leitung des Theater Willy Praml mit ihrer Spielstätte auf den Plan, die Probe aufs Exempel zu machen. Das Ziel war, die vermeintlichen Gegensätze zwischen den Kulturschaffenden fruchtbar zu machen und sich diese Auseinandersetzung ins Haus zu holen.

Diskussionen mit jüngeren Theaterschaffenden und Studierenden der Darstellenden Künste in unserer Region führten zu dem Ergebnis, neben dem Theater Willy Praml, das sich in der Auseinandersetzung mit klassischen Mythen, Stoffen und Texten unserer Kultur- und Geistesgeschichte übte, Produktionen mit anderen Inhalten und Formen aufzunehmen.

Ausbaufähig

Eine erste Antwort auf diese Problemkonstellation waren Kooperationsabsprachen mit dem Künstlerlabel ID_Frankfurt, die sich im Sommer 2013 unter dem Titel „Implantieren auf Naxos. Ein Produktionsfestival der zeitgenössischen Darstellenden Künste“ realisierten.

Ab dem Jahr 2014 kam dann die Kooperation mit Absolventen und Absolventinnen der Hessischen Theaterakademie zustande, die unter dem Label studioNaxos anfingen, die Spielstätte in der Naxoshalle für eigene Theatervorhaben zu nutzen.

Aus diesem Anfangsimpuls hat sich seither eine florierende Zusammenarbeit entwickelt, die nun schon im fünften Jahr – neben neuen, zeitgenössischen Formen von Theater – auch Strukturen gemeinsamen Produzierens, Verwaltens und Organisierens hervorgebracht hat. So hat sich in den letzten Jahren eine Form der generationenübergreifenden und künstlerisch vielfältigen Theaterarbeit ergeben, die modellhaft das schon tut, was der Ruf nach einem „Haus für die freie Szene“ fordert:

Literaturtheater und Performance, Avantgarde und Klassiker, Tanz und Konzerte, Newcomer und Etablierte: Seit dem Jahr 2014 bestreitet das Gründungstheater Theater Willy Praml zusammen mit dem studioNaxos den Spielplan der Naxoshalle als eine Spielstätte mit einem großen und einem kleinen Haus, als Kulturzentrum mit Kino, mit einer Konzertreihe, mit ergänzenden kulturellen und künstlerischen Veranstaltungsformaten und über 150 Spielterminen pro Jahr. 

In den letzten Jahren haben wir eine Expertise darin entwickelt, den Tendenzen zeitgenössischer Theaterproduktion gerecht zu werden, nämlich die sehr unterschiedlichen Anforderungen verschiedener, sich partikularisierender Ästhetiken und Zuschauergruppen unter einen Hut und auch miteinander ins Gespräch zu bekommen.

Entstanden ist ein Mehrgenerationenhaus, das seinen Theaterschaffenden nicht nur eine professionelle Produktionsweise auf Augenhöhe bietet, sondern sie auch dazu auffordert, die ästhetischen Gegensätze auszuhalten und nicht sie der Politik zur Auflösung anzutragen.

Die Kapazitäten dieses Theaters in der Naxoshalle als Produktionshaus sind ausbaufähig.

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