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Blick in den U-Bahn-Tunnel, der nun schon bis zum Güterplatz reicht. 

Verkehr

Neuer U-Bahn-Tunnel in Frankfurt: Luft im Tunnel riecht nach Beton

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241 Meter hat sich die Bohrmaschine im Europaviertel voran gegraben - jetzt ist Boxenstopp.

Lokführer Hartmut Pfennig steuert den Dieselzug auf schmalen Gleisen aus dem im Bau befindlichen U-Bahn-Tunnel im Europaviertel heraus. Drei Loren mit Frankfurter Ton, einer grauen Masse, die sich gut kneten lässt, zieht er hinter sich her. Die Räder des Zuges kreischen. Der Schall ist bis zur Tunnelbohrmaschine zu hören.

241 Meter hat sich die Maschine, die 580 Tonnen wiegt und 80 Meter lang ist, seit Ende August von der Europa-Allee bis zum Güterplatz durch den Boden gegraben. Jetzt ist Pause. Pilot Lars Hoffmann zündet sich im Steuerzentrum der Maschine, einer engen Kabine, eine selbst gedrehte Zigarette an. Auf den Bildschirmen kann er beobachten, was in der Maschine passiert.

U-Bahn-Bau: Mit mehr als 1300 PS in die Erde

Baustelle besichtigen: Dies ist möglich nach schriftlicher Anmeldung an

besichtigung@sbev-frankfurt.de, jeweils mittwochs, 17, Uhr. Gruppenbesichtigungen donnerstags, 15 Uhr. Führungen etwa 1,5 Stunden, nicht barrierefrei. Nächste freie Termine im Januar.

„Gerade ist Pitstop“, sagt Ingo Kühn, technischer Geschäftsführer der Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft (SBEV). Nachdem die Bohrmaschine an sieben Tagen in der Woche jeweils fünf bis sieben Meter zurückgelegt hat, wird sie nun gewartet. Verschlissene Teile am Schneidrad werden ausgetauscht. Das Schneidrad ist sozusagen das Maul der Maschine. Mit mehr als 1300 PS frisst es sich in die Erde hinein.

Ein Förderband in der Maschine schüttet die Erde auf Loren, welche eine Lok abholt und in die Startbaugrube an der Europa-Allee transportiert. Dort wuchtet ein Kran die Loren aus 18 Metern Tiefe zur Baustelle hinauf. Eine Verwertungsfirma holt die Erde ab. Der Weg zur Tunnelbohrmaschine führt über einen Holzsteg, der durch ein Geländer gesichert ist. Arbeitskleidung ist Pflicht. Die Luft im Tunnel riecht nach Beton. Ständig wird Abluft hinaus-, frische Luft hineingepumpt. Um die Röhre zu errichten, schiebt die Tunnelbohrmaschine sechs tonnenschwere Betonfertigteile, sogenannte Tübbinge, ineinander. Sechs Tübbinge ergeben einen Ring. Ring für Ring entsteht eine Röhre.

U-Bahn-Bau: 2024 sollen die ersten Züge der U5 fahren

Derzeit wird die Südröhre gebaut, erklärt Ingo Kühn, ab dem Frühjahr die Nordröhre, beide schließen bis Ende 2020 an den U-Bahn-Tunnel am Platz der Republik an. Für die unterirdische Station Güterplatz wird eine Grube ausgehoben und mit Schlitzwänden abgedichtet. An zwei Seiten sind die Wände aus Kunststoff - hier bohrt sich die Maschine einfach hindurch.

Im Laufe des Jahres 2024 sollen die ersten Züge fahren, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Halten werden sie dann an den neuen Stationen Güterplatz, Emser Brücke, Europagarten und Wohnpark. „Die U5 bindet das Europaviertel ideal an“, sagt er. Zum geplanten Wohngebiet Am Römerhof soll die U-Bahn um zwei Stationen verlängert werden. Grundsätzlich sei auch ein Ausbau nach Höchst möglich. Die nächste Aufgabe für die Projektbaugesellschaft: der Bau der U-Bahn von Bockenheim nach Ginnheim. Dafür bleibe die SBEV über das Jahr 2024 hinaus bestehen.

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