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Der Stoff fällt, das Schild ist enthüllt.

Jüdisches Museum

Wer war Bertha Pappenheim?

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Der neue Platz am Jüdischen Museum erinnert an Bertha Pappenheim - die Frankfurter Frauenrechtlerin und berühmte „Patientin Anna O.“

Als die Idee aufkam, den neuen Platz am Jüdischen Museum nach Bertha Pappenheim zu benennen, sei er gleich Feuer und Flamme gewesen, sagt Ortsvorsteher Oliver Strank. Zu viele Straßen und Plätze seien nach weißen Männern benannt, zu wenige nach Frauen, gar jüdischen Frauen. Ein Signal zur Stärkung der Frauen und wider den Antisemitismus sei die Benennung. Auch wenn Bertha Pappenheim ihrerzeit im Westend gelebt habe und schon ein Weg auf dem Riedberg nach ihr benannt sei.

Kundig führte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) durch die Biografie der gebürtigen Wienerin (1859-1936), die in Neu-Isenburg starb und Zeit ihres Lebens für die Frauenrechte kämpfte. In Frankfurt, wohin sie mit ihrer Mutter gezogen war, arbeitet sie im Mädchenwaisenhaus des Israelitischen Frauenvereins und übernahm 1895 die Leitung.

Zu dieser Zeit gründete sich in Frankfurt der Allgemeine Deutsche Frauenverein, und Pappenheim war dabei. Später wurde sie erste Vorsitzende des Jüdischen Frauenbunds. In Neu-Isenburg gründete sie ein Mädchenwohnheim.

Dabei, betonte Hartwig, setzte sich Pappenheim gegen den Menschenhandel ein, bei dem junge Frauen aus Osteuropa nach Deutschland verschleppt wurden, wo sie sich prostituierten. Dies erinnere stark an die Situation heute. Der Bertha-Pappenheim-Platz nahe dem Frankfurter Bahnhofsviertel finde damit eine weitere Berechtigung.

Bertha Pappenheim ist auch bekannt als die Patientin Anna O., die sich beim Psychoanalytiker Josef Breuer in Therapie begeben hatte. Josef Breuer und Sigmund Freud publizierten den Fall Anna O. in den Studien über Hysterie. Dieser „talking cure“, bei dem sich durch Reden eine Heilung einstellen könne, sei bahnbrechend in der Entwicklung der Psychoanalyse gewesen, sagte Hartwig.

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