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Der Flügelaltar wurde dem Dom 1578 von Johannes Latomus gestiftet.

Museen in Frankfurt

Neuer Glanz im Dommuseum

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Die Ausstellung im Kreuzgang des Frankfurter Kaiserdoms ist wiedereröffnet. Nach dem Umbau gibt es einen frischen Blick auf die historischen Schätze.

Direkt an der Kasse des Dommuseums in Frankfurt wird der Besucher von einem Engel empfangen. Der sitzt nicht etwa in Gestalt eines freundlichen Mitarbeiters hinter dem Tresen, sondern hängt an der Wand im Eingangsbereich. Dort begrüßt die Figur aus dem 19. Jahrhundert die Gäste und weist den Weg in die weitere Ausstellung.

Nach einem halben Jahr Umbauzeit ist das Dommuseum wieder für die Öffentlichkeit begehbar. Wer es schon vor der Bauphase kannte, wird nicht nur vom Begrüßungsengel überrascht. Fast alle Exponate haben einen neuen Platz im Kreuzgang des Kaiserdoms bekommen. Und auch die Räumlichkeiten selbst haben sich verändert. „Wir haben die Räume von Einbauten befreit und die Technik erneuert“, erklärt Museumsleiterin Bettina Schmitt. Alle Vitrinen sind neu und nun in Dunkelblau gehalten. Besonderes Augenmerk wurde auch auf die Lichtinstallation gelegt, die die ausgestellten Objekte nun deutlich besser in Szene setzt.

Durch das Entfernen der Einbauten, ist sogar eine Tür samt darüber gelegenem Fenster wieder zum Vorschein gekommen. Außerdem wurden Wände, Decke und Fußboden renoviert. Die Historie des Ortes wird dem Besucher beim Betrachten der ausgestellten Werke Stück für Stück bewusst. Eines der ersten Exponate ist das Modell des Kaiserdoms. Es zeigt den Dom um 1942 herum. Bei der Bombardierung zwei Jahre später, wurde das dargestellte Erscheinungsbild des echten Doms zum Teil zerstört. Aber selbst das Modell zeigt nicht den ursprünglichen Dom aus dem 16. Jahrhundert. Dieser war nach einem Brand 1867 stark zerstört und beim Wiederaufbau merklich verändert worden.

Wenige Schritte vom Modell entfernt, sind die ältesten Fundstücke der Ausstellung zu sehen: Grabbeigaben, die unter dem Dom gefunden wurden. Das Grab zweier Kinder wird auf die Zeit um 700 terminiert. Die neue Darstellung des Fundes zeigt einen gemalten Umriss eines Mädchens. Die beigelegten Ringe, Armreifen, Ketten, Gürtel sowie die weiteren Objekte, wie Kamm oder Messer, liegen an den Stellen, wo sie im Grab gefunden worden sind.

Ein Aschehaufen an der Seite deutet auf das zweite Kind hin. Es wurde anders als das Mädchen zunächst auf einem Bärenfell verbrannt, bevor es beerdigt wurde – eine altgermanische Form der Bestattung, die damals noch in Skandinavien praktiziert wurde. „Die beiden Familien müssen eine enge Verbindung zueinander gehabt haben, da beide Kinder trotz verschiedener Riten im selben Grab bestattet wurden“, sagt Bettina Schmitt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Schau liegt auf Kaiserwahl und Kaiserkrönung. Die Vitrine, die sich diesen Themen widmet, ist interaktiv. Es lassen sich ein Türchen, mehrere Schubladen und auch Schieber mit Bildern öffnen und bewegen. „Man muss sich einfach trauen“, rät die Leiterin den Besuchern. Gerade in der Anfangszeit sind die Mitarbeiter angehalten, den Gästen diese Funktionen zu zeigen.

Die Ausstellung beinhaltet noch weitere wertvolle Schmuckstücke mit oftmals komplexen und interessanten Hintergrundgeschichten. Etwa das Kreuzreliquiar des Siegfried zum Paradies. Um 1370 war der Reichsschultheiß der reichste und mächtigste Mann in Frankfurt. Das kostbare Kreuz vermachte sein Sohn dem Liebfrauenstift – allerdings nicht ohne Gegenleistung. Er verlangte, dass täglich am Morgen die große Glocke dreimal läuten sowie fünf Vigilien und Messen pro Jahr abgehalten werden sollten. Ein anderes Beispiel ist der Schlosser-Ornat. Diese drei Gewänder sind aus importiertem florentinischem Brokatsamt gefertigt, wurden mit niederländischen Besätzen bestickt und schließlich um 1475 in Köln gefertigt. 1842 wurden sie vom Frankfurter Rat Fritz Schlosser erworben, der sie später dem Dom schenkte.

Neu sind für viele Besucher zwei Türen eines liturgischen Schranks aus dem 14. Jahrhundert. Die beiden roten Türflügel wurden jüngst restauriert und waren danach auf einer Leihausstellung. Ursprünglich verschlossen sie im Dom eine Nische an der Nordwand. Vermutlich wurden dort heilige Öle aufbewahrt. Eine Tür zeigt Maria, die andere Jesus – beide waren nur sichtbar, wenn der Schrank geöffnet war. „Solche Schränke sind nur selten erhalten“, zeigt sich Bettina Schmitt erfreut.

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