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Stolpersteine für den ehemaligen Rabbiner der Westend-Synagoge, Georg Salzberger und seine Familie vor dem Haus in der Eschersheimer Landstrasse 67.
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Stolpersteine für den ehemaligen Rabbiner der Westend-Synagoge, Georg Salzberger und seine Familie vor dem Haus in der Eschersheimer Landstrasse 67.

Frankfurt

Neue Stolpersteine für Frankfurt

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Der Künstler Gunter Demnig hat neue Stolpersteine verlegt - unter anderem zur Erinnerung an den Rabbiner Georg Salzberger und seine Familie. Für dessen jüngste Tochter Isca, die heute 98 Jahre alt ist, erfüllt sich damit ein großer Wunsch.

In der Sonne glänzen die Messingtafeln, die seit kurzem vor dem Haus der Eschersheimer Landstraße 67 an die Familie Salzberger erinnern. Dort haben die Eltern Natalie Charlotte und Georg mit ihren drei Töchtern gewohnt. Zur Enthüllung der Stolpersteine haben sich am Sonntagmittag etwa 35 Menschen auf dem Gehweg vor den zehn mal zehn Zentimeter großen Betonquadern versammelt, die mit den Messingtafeln an der Oberseite in das Trottoir eingelassen sind. Mit den Stolpersteinen soll der Opfer des nationalsozialistischen Terrors gedacht werden.

Gemeinsam mit der „Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main“, die am Samstag und Sonntag an mehr als einem Dutzend weiteren Orten Gedenktafeln enthüllt, hat Till Lieberz-Groß die Stolpersteine an der Eschersheimer Landstraße initiiert. Die 72-Jährige hat nicht nur die Patenschaft für einen der Stolpersteine übernommen. Sie hat auch über die Geschichte der Familie recherchiert, die von den Nazis ausgewiesen wurde und nach London emigrieren musste.

Lieberz-Groß berichtet den Anwesenden, dass Georg Salzberger bis 1938 als Rabbiner in der Westend-Synagoge gewirkt und daneben im Frankfurter Philanthropin gelehrt habe. „Er war sehr aktiv auf vielen Feldern“, sagt sie. Aus diesem Grund ist an diesem Tag auch der Rabbiner Julien Chaim Soussan gekommen, der ein Gebet spricht und das Engagement für die Stolpersteine als „unterstützenswerte Initiative“ würdigt. „Es sind Menschen aus unserer Mitte genommen worden, die Teil dieser Gesellschaft sein sollten“, sagt der 53-Jährige. Weiter trägt Lieberz-Groß aus den Biografien der Töchter vor. Über die Mutter könne sie nur wenig berichten: „Sie hat sicher sehr viel geleistet, aber wie das in diesen Tagen so war, stand sie weniger im Mittelpunkt.“ 1938 sei der Vater ins Konzentrationslager Dachau deportiert worden und im April 1939 mit seiner Frau und zweien der Töchter ausgewiesen worden. In London, wo die Familie Zuflucht fand, trafen sie wieder auf die älteste Tochter Lore Shulamit, die bereits dort lebte.

Stolpersteine

Am 26. und 27. Juni 2021 sind in Frankfurt 33 neue Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig enthüllt worden. Neben der Innenstadt wurden durch den seit 2003 aktiven Verein „Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main“ in Sachsenhausen, im Nord-, Ost- und Westend sowie erstmals in Oberrad weitere in den Boden eingelassene Betonquader mit Messingtafeln verlegt, auf denen biografische Daten von Opfern des NS-Regimes an deren früheren Wohnorten zu lesen sind.

Im gesamten Stadtgebiet gibt es damit 1548 dieser Gedenktafeln. 1700 sollen es im weiteren Verlauf des Jahres werden. Weitere Infos: www.stolpersteine-frankfurt.de.

Auf folgender Internetseite der Stadt gibt es eine interaktive Karte mit allen Frankfurter Stolpersteinen und ausführliche Biografien der Opfer: https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtgeschichte/stolpersteine. cd

Lieberz-Groß hat schon häufiger die Biografien der Betroffenen aufgearbeitet, Stolperstein-Patenschaften und die Kosten für die Verlegung übernommen. Sie sagt: „Ich kann nicht wiedergutmachen, was passiert ist, aber ich kann die Verantwortung an jüngere Generationen weitergeben, dass so etwas nicht mehr passiert“. Üblicherweise forscht sie im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden über die in der NS-Zeit verfolgten bzw. ermordeten Menschen. Im Fall der Salzbergers konnte sie mit der jüngsten Tochter Isca sprechen, die als gelernte Krankenschwester und spätere Psychotherapeutin mittlerweile 98-jährig in London lebe. „Sie wünschte sich ganz dringlich Stolpersteine für ihre Familie und ihr Wunsch geht heute in Erfüllung“, sagt sie. Auch dank Micaela Lippert Vieira, die in der Eschersheimer Landstraße 67 wohnt und bereits einen Stolperstein für Gabriel Löb initiiert hat, dessen Name neben dem der Salzbergers einbetoniert ist. Lippert Vieira habe ein Buch von Georg Salzberger gelesen, in dem von seinem Wohnhaus die Rede gewesen sei. „Es muss ja das Haus sein, in dem ich lebe, wo er gelebt hat.“ So seien ihre ersten Gedanken gewesen.

Damals habe sie gleichzeitig Freude und Trauer verspürt und den Kontakt zu Hartmut Schmidt und Claudia Michel von der Frankfurter Stolperstein-Initiative gesucht. Durch seine Bewohnerin hat Hausbesitzer Martin Koffler von der Stolperstein-Verlegung erfahren und die Patenschaft für die mittlere Tochter Ruth übernommen. Er sagt: „Es ist mir ein Bedürfnis und es ist das Mindeste, was ich tun kann, um dem Vergessen vorzubeugen.“

Hartmut Schmidt, Vorsitzender der Frankfurter Stolperstein-Initiative, berichtet, dass erstmals durch seine Initiative an diesem Tag in der Hanauer Landstraße 314 – 326 auch eine „Stolperschwelle“ enthüllt werde. „Hunderte von Zwangsarbeitern haben auf dem Riesenareal der Firma Messer gelebt“, berichtet er. Deshalb ist auf der Gedenktafel des ehemaligen Firmengeländes der Name „Messer & Co. GmbH“ sowie die Zahl der Frauen und Männer eingraviert, die größtenteils aus Russland und Frankreich sowie aus den Niederlanden, Litauen, dem heutigen Belarus, Belgien, Italien und Bulgarien kamen und zwischen 1941 und 1945 Zwangsarbeit leisten mussten. Für den französischen Zwangsarbeiter Raymond Petitjean, der 1944 zum Tode verurteilt wurde, ist außerdem ein Stolperstein verlegt worden.

Für einen weiteren Zwangsarbeiter aus den Niederlanden, Cornelius van der Raaf, der aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas verfolgt wurde, ist am Opernplatz 14 eine Gedenktafel im Boden eingelassen. Van der Raaf musste als Bühnenarbeiter und Kulissenschieber bei der Oper Zwangsarbeit verrichten und wohnte zeitweise im Kulissenhaus am Opernplatz.

In der Seeheimer Straße 19 wurden erstmals in Oberrad Stolpersteine vor zahlreichen Anwesenden enthüllt und zwar in Gedenken an den Frankfurter Philosophen Theodor W. Adorno und seine Familie. Von 1914 bis 1934, bis zu seiner Flucht nach England und später in die USA, hat Adorno dort gelebt.

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