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Neue Professur in Frankfurt: Über drei Millionen Euro im Kampf gegen die Viren

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Von: Kathrin Rosendorff

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Virologin Sandra Ciesek sagt, die Pandemie sei noch nicht vorbei.
Virologin Sandra Ciesek sagt, die Pandemie sei noch nicht vorbei. © ROLF OESER

Das Land Hessen und die Willy-Robert-Pitzer-Stiftung unterstützen in den kommenden zehn Jahren die Virusforschung. Die Gelder fließen hauptsächlich in eine neue Professur an Sandra Cieseks Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine tolle Kandidatin, einen tollen Kandidaten finden werden, der uns bei der Bekämpfung von zukünftigen Pandemien unterstützen wird“, sagt Ciesek.

Sandra Ciesek ist mit dem Rad auf den Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität gekommen, um bei der Unterzeichnung dabei zu sein. Unweit der bekannten Virologin, die auch an der Uni lehrt und über Twitter und Podcast verständlich über Corona aufklärt, sitzen am Donnerstag im Senatssaal unter anderem Unipräsident Enrico Schleiff und Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne). Schleiff und Helmut Häuser, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung, unterschreiben die Vereinbarung zur Finanzierung der „Willy Robert Pitzer Stiftungsprofessur für Molekulare Virologie humanpathogener RNA-Viren“.

Für diese Professur sowie Labor-und Personalkosten stellt das Land Hessen für die ersten fünf Jahre 1,4 Millionen Euro über die Förderlinie „LOEWE-Spitzen-Professur“ bereit, die im vergangenen Jahr Sandra Cieseks Institut für Medizinische Virologie zugesprochen wurde. Die Stiftung unterstützt im Anschluss die neue Professur für weitere fünf Jahre mit 1,75 Millionen Euro. Bewerbungsschluss ist der 13. Juli.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine tolle Kandidatin, einen tollen Kandidaten finden werden, der uns bei der Bekämpfung von zukünftigen Pandemien unterstützen wird“, sagt Ciesek. Sie betont: „Virologie galt bis 2019 als kleines, unbedeutendes Fach: Ich habe das immer mit großer Sorge beobachtet. Denn Pandemien gibt es leider regelmäßig“, so die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie der Uniklinik. Meist würden sie durch Zoonosen ausgelöst, also Infektionskrankheiten, die wechselseitig zwischen Tier und Mensch übertragen werden. „Und am häufigsten werden diese durch RNA-Viren verursacht. Um Beispiele zu nennen: Influenza, Schweinegrippe oder auch SARS.“ Um so glücklicher ist die 44-Jährige über die neue Stelle an ihrem Institut für Medizinische Virologie: „Die Professur hat das Ziel, neuartige medikamentöse Angriffspunkte für antivirale Therapien zu entwickeln. Der Schwerpunkt soll auf Coronaviren liegen. Aber auch auf anderen humanpathogenen Viren wie zum Beispiel HIV.“ Das Ganze sei ein langjähriger Prozess.

„Um so besser man ein Virus kennt, wie es sich in der Zelle vermehrt, um so eher kann man es auch besiegen“, erklärt Ciesek. Die Gefahr der Pandemien werde in Zukunft stark ansteigen: „Deshalb ist es wichtig, sich darauf vorzubereiten.“

Wissenschaftsministerin Dorn sagt, dass die Forschung und Aufklärung der Bevölkerung „der beste Impfstoff gegen die gesellschaftliche Spaltung“ sei.

Ciesek betont, dass Frankfurt es zusammen mit Gießen und Marburg geschafft habe, dass Hessen das einzige Bundesland sei, dass drei weltweit anerkannte virologische Institute habe. Diese drei Virologien haben jetzt unter Federführung von Gießen einen neuen LOEWE-Schwerpunkt namens „CoroPan“ etabliert, um ihre wissenschaftliche Leistung in der Pandemie fortzusetzen.

Und wie schätzt Ciesek den Herbst ein? „Die Pandemie ist leider nicht vorbei. Ich bin da immer der Spaßverderber. Wir sind extrem davon abhängig, welche Variante vorherrschen wird.“ Wenn die Variante mild bleibe wie Omikron, erwarte sie zwar einen Anstieg der Infektionen, so dass viele Menschen bei der Arbeit ausfielen, es aber auf den Intensivstationen nicht zu einer Überlastung kommen werde. „Wenn aber eine Variante kommt, die pathogener ist beziehungsweise einen kompletten Immune Escape hat, das heißt der Impfstoff würde nicht mehr wirken, dann ist die Situation eine ganz andere, und man muss schauen wie man reagiert.“ Wahrscheinlich zwei Jahre oder länger werde es noch dauern, bis es zu einer ruhigeren Phase komme.

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