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An der privaten Karl-Popper-Schule für Hochbegabte in Niederrad steht individuelles und forschendes Arbeiten im Mittelpunkt.

Privatschulen in Frankfurt

Neue Privatschule in Frankfurt: Lernen ohne Angst

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Die Karl-Popper-Schule in Niederrad fördert Hochbegabte, die an Regelschulen ihr Potenzial nicht entfalten können - und dort deshalb scheiterten.

Einen Intelligenztest müssen alle Schülerinnen und Schüler machen. Zwar ist kein bestimmter IQ Voraussetzung, um an der Karl-Popper-Schule aufgenommen zu werden, eine Gymnasialempfehlung reicht. Aber für Schulleiter und Psychologe Thomas Eckerle ist ein IQ-Test ein „sinnvolles Werkzeug, um herauszufinden, wo die spezifischen Begabungen liegen“. So könnten Lehrern Hinweise gegeben werden, welche Art der Herausforderung ein Schüler brauche.

Und darum geht es in der Karl-Popper-Schule, die im Sommer in Niederrad eröffnet hat. Das Gymnasium ist eine von 24 allgemeinbildenden Privatschulen in Frankfurt und möchte vor allem begabte Kinder und Jugendliche fördern. Individuelles und forschendes Arbeiten steht dabei im Mittelpunkt. Und so ist der 350 Quadratmeter große Gruppenraum an der Lyoner Straße auch für den Leiter das Herzstück der Schule. Denn dort wird gearbeitet und geforscht. Knapp 20 Schüler der fünften und sechsten Klasse sind an diesem Tag gerade am Arbeiten. Es ist ruhig – und das ist gar nicht so selbstverständlich bei der Zusammensetzung der Schülerschaft. „In der ersten Schulwoche sah das anders aus“, sagt Eckerle. „Jetzt springt keiner mehr über Tische.“

Altersgemischte Gruppen

Denn die Hälfte der Kinder ist zwar sehr begabt, war in der Regelschule aber auffällig. ADHS, Schulverweigerung, Schulangst, Mobbing – manche standen vor dem Schulverweis oder der Nichtversetzung. An der Karl-Popper-Schule sollen auch die Schüler das Abitur anstreben können, die trotz Begabung aus der Regelschule herausfallen. Weil sie dort etwa keine Herausforderungen erfahren. „Hochbegabung ist ein Potenzial, nicht eine Leistung“, sagt Eckerle. „Sie ist Teil der Persönlichkeit.“ Laufe etwas in der Persönlichkeitsentwicklung schief, dann werde die Entfaltung der Hochbegabung verhindert. Um das Potenzial der Kinder fördern zu können, geht es an der Karl-Popper-Schule daher auch um die Entwicklung der Persönlichkeit. Wobei die Schule nicht nur verhaltensauffällige Schüler nimmt, sie will auch präventiv wirken: Damit Hochbegabte gar nicht erst eine Störung entwickeln.

Die Karl-Popper-Schule mit dem Trägerverein KPS liegt in der Lyoner Straße 34 im Stadtteil Niederrad.

Unterricht und Projekte finden von 9 bis 16 Uhr statt, Betreuung gibt es von 7.30 bis 16.30 Uhr.

Die Fächer Sport, Musik und Kunst werden in der fünften und sechsten Klasse auf Englisch, in der siebten und achten auf Französisch und in der neunten und zehnten auf Spanisch unterrichtet. Projekte am Nachmittag werden etwa der Schulgarten und eine Schiedsrichterausbildung sein.

Die Beiträge sind nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt. Sie liegen zwischen 350 und 1100 Euro im Monat, Essen, Betreuung und Materialien inbegriffen. Sponsoren werden gesucht, um Stipendien ausloben zu können. sabu

Weitere Infos: https://k-p-schule.de

An der Privatschule lernen immer zwei Jahrgänge wie etwa fünfte und sechste Klasse gemeinsam. Eine Jahrgangsgruppe kann in zwei oder drei Jahren durchlaufen werden. „Das gibt die Möglichkeit zu reifen“, sagt Eckerle. Später könne so auch ein Auslandsjahr eingelegt werden, „ohne dass sich alle Seiten verbiegen müssen“.

Der Unterricht läuft in drei Phasen ab. Zunächst gibt es im Stufenraum Instruktionen. „Klassischer Frontalunterricht“, sagt Eckerle. Ein Thema, das sich am Lehrplan orientiert, wird in maximal einer halben Stunde vorgetragen. Schüler hören zu, schreiben mit. Im Großraum geht es dann ans individuelle Arbeiten. Jedes Kind hat sein eigenes Tablet, Wissen soll nun vertieft werden, es gibt Transferfragen. Jeder arbeitet in seinem Tempo. Schließlich werden dann in der dritten Unterrichtsphase Forschungsfragen gestellt. „Wir sprechen die Eigenmotivation an“, sagt Eckerle. „Die Schüler sollen Themen kritisch hinterfragen.“

In Zweier- oder Dreiergruppen wird geforscht. Lehrer sind dabei Begleiter. „Wenn Aufgaben und Ansprache stimmen“, sagt Eckerle, „dann ist Motivation kein Problem.“ Bis zu sieben Lehrer sind gleichzeitig im Raum. Mathe- und Physiklehrer Uwe Steeger hat sein Berufsleben am staatlichen Gymnasium verbracht. Jetzt ist er pensioniert, und es hat ihn „gereizt, mit Kindern individuell zu arbeiten“, wie er sagt. Mit 30 sei das schwierig. Jetzt sind es nur 20.

Noten werden bis zur neunten Klasse an der Schule keine gegeben, sondern Leistungsbeurteilungen. Eckerle spricht von sanktionsfreier Schule. Schlechte Noten, Elternbriefe, Strafarbeiten gibt es nicht. Es werden Zielvereinbarungen mit Schülern und Eltern getroffen, regelmäßige Gespräche finden statt. „Und wenn die Schüler aus der Schule nachmittags rausgehen, dann ist Schule erledigt“, sagt Eckerle. „Damit Familien nicht mehr unter Schule leiden müssen.“

Noch stehen in dem Großraum ganz einfache Tische. Aber das Mobiliar ist noch nicht angekommen. Sitzsäcke, Montessori-Teppich, verschiebbare Arbeitsplätze. Die Fünft- und Sechstklässler machen gerade Pause. Manche sind zum Toben draußen, einige sitzen grübelnd zusammen vor einem Kreuzworträtsel. „Das ist ein guter Trick zum Üben der Rechtschreibung“, sagt Eckerle. Es seien viele rechtschreibschwache Schüler an der Schule. „Die Kreuzworträtsel werden mit viel Leidenschaft angegangen – aber ein Kreuzworträtsel verzeiht keine Rechtschreibfehler.“

In einem ehemaligen Bürogebäude ist die Schule untergebracht. Bisher besuchen etwa 50 Schüler aus Frankfurt und Umgebung die Schule, eine Oberstufe wird noch beantragt. Auf bis zu 225 Schüler kann die Schule wachsen. Eckerle erwartet, dass im Laufe des Schuljahres die Zahl auf 80 ansteigen wird. „Wir haben wöchentlich zwei bis drei Anfragen“, sagt er. „Wir eröffnen einfach andere Antworten, als es das Regelschulsystem kann.“ Und für Wettbewerbe und Mathe-Olympiaden hat die Schule auch schon ungefragt Anmeldungen zugeschickt bekommen. „Da haben welche herausgefunden, dass wir viele schlaue Schüler haben.“

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