Der neugewählte Präsident der Goethe-Uni Enrico Schleiff, Professor für Molekulare Zellbiologie der Pflanzen
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Der neugewählte Präsident der Goethe-Uni Enrico Schleiff, Professor für Molekulare Zellbiologie der Pflanzen

Personalie

Neue Präsident für Frankfurter Goethe-Universität

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Der Biologe Enrico Schleiff setzt sich überraschend gegen Amtsinhaberin Birgitta Wolff durch. Zahlreiche Senatorinnen und Senatoren boykottieren die Wahl und stimmen mit „Ungültig“.

Überraschung an der Frankfurter Goethe-Universität: Der Senat von Hessens größter Hochschule hat den Biologen Enrico Schleiff am Mittwoch zum Präsidenten gewählt. Der 48-Jährige tritt das Amt zum 1. Januar an. Die bisherige Präsidentin Birgitta Wolff hatte ihre Kandidatur nach dem zweiten Wahlgang zurückgezogen.

Der Abstimmung vorangegangen waren heftige Diskussionen über das Verfahren. Der Hochschulrat hatte von ursprünglich vier Kandidatinnen und Kandidaten nur Wolff und Schleiff zugelassen – nicht aber den Frankfurter Psychologieprofessor Holger Horz und den externen Kandidaten Jan Palmowski von der University of Warwick. Vor allem Horz hatte als aussichtsreicher Bewerber gegolten. Teile des 34-köpfigen Senats kritisierten dieses Verfahren als undemokratisch und riefen zu einem Boykott der Wahl auf.

Das Amt

Der Präsident wird für sechs Jahre gewählt.Gemeinsam mit den Vizepräsidenten schließt er die Zielvereinbarungen mit dem Land ab, weist die Budgets zu, stellt die Wirtschaftsplanung auf und stimmt den Strukturplänen der Fachbereiche zu. Daran beteiligt sind stets die Dekaninnen und Dekane. Rechenschaft ablegen muss der Präsident gegenüber dem Senat der Universität, der ihn ja auch gewählt hat. Jährlich muss er dem Gremium einen Bericht über die Geschäftsführung erstatten. geo

Daran beteiligten sich dann tatsächlich zahlreiche Mitglieder. Im ersten Wahlgang gab es 14, im zweiten immer noch 13 ungültige Stimmen. Schleiff lag bei beiden Abstimmungen deutlich vor Wolff, doch die nötige Mehrheit von 18 Stimmen schien nicht in Sicht. Aus Sorge um das „Gesamtwohl der Universität“ zog Wolff ihre Kandidatur zurück. Die Gefahr, dass die Hochschule über längere Zeit führungslos geblieben wäre, erschien der Präsidentin zu groß. Im dritten Wahlgang erreichte Schleiff die denkbar knappeste Mehrheit von 18 Stimmen.

Der Vorsitzende des Hochschulrats, Matthias Kleiner, verteidigte nach der Wahl das Verfahren. Das System der Gewaltenteilung, bei der der Hochschulrat die Kandidaten zulässt, sei richtig. Bei der Wahl hätte er sich „weniger Geisterfahrer“ gewünscht. Schleiff sprach trotz der knappen Mehrheit von einem „konstruktiven Ergebnis“. Er erinnerte daran, dass Wolff vor sechs Jahren auch nur mit 18 Stimmen gewählt worden sei und die Universität sehr erfolgreich geführt habe. Den Weg der vergangenen Jahre wolle er fortsetzen und dabei Präsident der gesamten Universität sein. Einige Senatorinnen und Senatoren werde er in den nächsten Monaten erst von sich überzeugen müssen, räumte er ein.

Schleiff ist seit 2007 Professor für Molekulare Zellbiologie der Pflanzen an der Goethe-Universität. Von 2012 bis 2018 war er Vizepräsident der Hochschule. Im Gespräch mit Journalisten sprach er sich für eine Allianz der Universität mit Forschungseinrichtungen in Frankfurt aus. Zudem wünschte er sich einen Ausbau der Internationalität in der Lehre. Erstrebenswert wären etwa Partnerschaften mit Hochschulen in Afrika und Asien.

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