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Einer schafft, und 18 gucken zu: Die Humboldtpinguine sind da, sechs kommen noch.

Zoo Frankfurt

Neue Pinguine im Zoo Frankfurt

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Adieu Eselspinguine, hallo Humboldtpinguine: Im Frankfurter Zoo zieht eine neue Frackträger-Art ein, erst mal nur provisorisch.

Da stehen sie nun auf dem Felsen und gucken. Hüpfen ins Wasser, rasen hin und her, watscheln wieder auf den Felsen, gucken und fragen: Was ’n hier los?

Vorige Woche war im Wuppertaler Zoo was los: Da zogen zehn Eselspinguine ein. Frankfurter Eselspinguine, um genau zu sein. Und zack – hatte Wuppertal plötzlich insgesamt 72 der schwarz-weißen Frackträger. So soll das natürlich nicht bleiben, es handelt sich um eine Zwischenlösung. Denn die Frankfurter mussten dringend raus. Hier standen nämlich schon die Nachmieter vor der Tür: 19 Humboldt-Pinguine. Aber weil ihr neues Zuhause noch nicht fertig ist, das große Bauprojekt im Zoo, brauchten sie eine Übergangsbude. Frankfurter kennen das: Wohnraum ist umkämpft, selbst wenn man sehr elegant gekleidet daherkommt.

Die Eselspinguine also mussten raus – nach 61 Jahren! – und die Humboldt-Pinguine rein. Sie wohnen zunächst im Exotarium. Am Freitagnachmittag stehen sie herum, gucken und empfangen die Weltpresse zum ersten Kennenlernen. Hübsche Kerlchen, ähnliche Größe wie die Eselskollegen, bisschen schüchtern noch. Einer kackt beim Vorbeischwimmen eine Wolke ins Wasser. Die anderen beobachten die Männer, die den Sichtschutz an zwei der drei Scheiben entfernen und die Fenster putzen. Das macht einen ganz schönen Radau. Mal lieber in der Ecke versammeln.

„Man fasst sie schnell ins Herz“, sagt Ina Hartwig (SPD), Dezernentin für Kultur und Wissenschaft. „Dass die ersten Tiere jetzt hier in Frankfurt sind, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis die Anlage fertiggestellt ist“, macht sie Tieren und Menschen Mut. Die Eröffnung ist für das kommende Frühjahr geplant. „Ich freue mich schon sehr auf den Moment, an dem wir sie der Öffentlichkeit übergeben können.“

Ursprünglich andere Planung

Geplant war das ganz anders. Ursprünglich sollte die Anlage viel früher fertig sein – passend zur Ankunft der ersten 19 Bewohner, von langer Flosse vorbereitet. Aber dann kam von überallher Wasser in die Baustelle gelaufen. Kunststück: Sie liegt teilweise auf dem Gebiet des großen Zooweihers. Nun hieß es: Wohin mit den sieben Humboldt-Pinguinen aus Landau, vier aus Schwerin, acht aus dem Naturzoo Rheine und weiteren sechs, die im Januar aus dem französischen Beauval anreisen? Ins Exotarium also. Aber da sollen sie nur kurz bleiben. Die Anlage war ja schon für die zehn Eselspinguine nicht gerade Luxus; da werden ihre 25 Nachmieter auch nicht Hurra schreien.

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„Sobald das sogenannte Abtrenngebäude auf der neuen Anlage fertiggestellt ist, werden die Tiere dort einziehen und bleiben, bis alle Bauarbeiten abgeschlossen sind“, erklärt Stefan Stadler, der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des Zoos. Besucher sind dann erst mal außen vor; Hauptsache, die Pinguine haben genug Platz und Zugang zu einem Wasserbecken. Nur zum Eingewöhnen natürlich, ehe es endlich auf die große Anlage im Freien geht. „Das Paradies steht ihnen noch bevor“, sagt Ina Hartwig. Sie kündigt den Neubau als Meilenstein an. Die alte Anlage im Exotarium verkörpere „ein ganz anderes Zoomodell, von dem wir uns verabschieden“. Die Pinguine stehen hinter ihr stramm und lauschen. „Sie sind Vorboten einer neuen Zeit“, sagt Stadler. Da stehen sie noch ein bisschen strammer. Man hat ihnen eine Planke ans Ufer gelegt. Nanu? Hüpfen die nicht ganz easy rein ins Wasser? Schon, sagt Kurator Johannes Köhler. Aber nicht raus. Mögen die Eselspinguine stets lustig mit Anlauf ans Ufer geflutscht sein – so etwas ist die Sache der Humboldts nicht.

In der Natur gilt ihr Bestand als gefährdet. Sie brüten am Pazifik in Peru und Chile – also nicht in der Eiseskälte wie ihre Kollegen am Südpol. Das ist auch der Grund, der die Lateinamerikaner nach Frankfurt führt: Der Zoo besann sich und modifizierte die ursprüngliche Planung. Ein großes Haus für kälteliebende Subantarktis-Tiere dauerhaft zu kühlen, wie seinerzeit vorgesehen, hätte jeden Klimaschutz durchkreuzt. Die neuen Frankfurter Pinguine kommen mit dem Wetter im Ostend gut zurecht. Im Frühling vermutlich noch besser.

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