Anne-Frank-Tag

Neue Perspektive statt Titel

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Frankfurt gedenkt Anne Frank mit Gesprächen und einer Ehrung. Eine Diskussion geht der Frage nach, ob die Verschwörungstherien auf den „Hygienedemos“ antisemitisch sind.

Es geht uns nicht um einen Titel für Anne Frank“, sagte Stefan Söhngen, Vorsitzender der Montagsgesellschaft am Montagabend. Weil sie wegen der Statuten der Stadt Frankfurt nicht posthum Ehrenbürgerin werden kann, will die Gesellschaft sie dennoch als „Legende der Montagsgesellschaft“ ehren. Zu der Diskussion anlässlich des Anne-Frank-Tags waren unter anderem der Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler, die Direktorin des Jüdischen Museums Mirjam Wenzel und Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank geladen.

Meron Mendel wies darauf hin, dass eine Ehrung von Anne Frank als Ehrenbürgerin, wie sie Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) vor einigen Jahren vorgeschlagen hatte, „ein schönes Symbol“ sei, aber bald verpuffe. Mit dem Anne-Frank-Tag, der jährlich stattfindet, habe man hingegen etwas ins Leben gerufen, das „jedes Jahr eine andere Perspektive findet, die Person Anne Frank zu beleuchten und jungen Menschen näher zu bringen“, sagte Mendel.

Seit dem Jahr 2017 erinnern die Stadt Frankfurt und die Bildungsstätte Anne Frank an ihrem Geburtstag, dem 12. Juni, an die berühmte Frankfurterin. In diesem Jahr findet er wegen der Corona-Pandemie an zwei Tagen komplett online statt. Es gibt Diskussionen, Vorträge und Webinare für Schulklassen.

Mirjam Wenzel wies auf den zunehmenden Antisemitismus hin. „Es finden Verschiebungen statt, die sich darin zeigen, dass eine neue Präsenz von Hassrede sich Bahn bricht.“ Der heutige Antisemitismus äußere sich auch in einer neuen Beliebtheit von tradierten Verschwörungsmythen.

In einer weiteren Diskussion ging es um die Frage, inwiefern die sogenannten „Hygienedemos“ gegen die Corona-Maßnahmen und die dort verbreiteten Verschwörungstheorien antisemitisch sind. Demonstrierende trugen dort beispielsweise gelbe Sterne mit der Aufschrift „ungeimpft“. Indem nichtjüdische Deutsche diese Sterne trügen, relativierten sie das Leid der Shoah, sagte Tom Uhlig, Psychologe und Bildungsreferent bei der Bildungsstätte Anne Frank. Die betreffenden Verschwörungstheorien seien strukturell antisemitisch.

Allerdings, so gab Michael Butter, Literatur- und Kulturwissenschaftler zu bedenken, seien nicht alle Menschen, die auf Demos von Verschwörungstheoretikern gehen, antisemitisch. „Es gibt antisemitische Verschwörungstheorien, es gibt solche im Graubereich, aber es gibt auch Leute, die gerade auf der Straße sind, die an Verschwörungstheorien glauben, die nicht antisemitisch sind.“ Er warnte davor, alle in einen Topf zu werfen. Dann würden die Menschen blind für den Antisemitismus, der tatsächlich auf den Demos zu sehen ist.

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