Großdemonstration bei der IAA im September 2019. 
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Großdemonstration bei der IAA im September 2019. 

IAA

Neue Messe, alter Standort?

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Wirtschaftsdezernent Markus Frank kämpft für den Verbleib der IAA in Frankfurt.

Noch vor zehn Jahren hätte niemand die Fragen, um die es in diesem Text geht, überhaupt gestellt. Damals schien es um die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) keine Diskussionen zu geben. Selbstverständlich fand das riesige Branchentreffen alle zwei Jahre in Frankfurt statt, selbstverständlich kamen alle Autohersteller, die etwas auf sich hielten, selbstverständlich war der Besucherandrang groß – und wer einmal in den Ferrari steigen wollte, musste lange anstehen. Ach so: Und auf den Gängen vor den Hallen saßen die Jugendlichen und tauschten Autonadeln.

Markus Frank wird sich heute in diese Zeit zurückwünschen. Denn nichts ist mehr klar in Sachen IAA. Nicht das Konzept und vor allem nicht der Standort. 2021 könnte die Messe erstmals seit 1951 nicht in Frankfurt aufschlagen. Wirtschaftsdezernent Frank ist dafür zuständig, diese vor allem in CDU-Kreisen als Schreckensszenario gesehene Entwicklung abzuwenden. Dafür ist Frank in diesen Tagen oft in Berlin beim Verband der Automobilindustrie (VDA), der die Messe ausrichtet. Und er twittert viel. Nach jedem Treffen bedankt er sich über die sozialen Netzwerk artig bei den VDA-Geschäftsführern. Subtext: Wir wollen eure Messe, wir kämpfen um euch, auch wenn unser Oberbürgermeister etwas anderes erzählt.

Denn nicht wenige in Politik und Wirtschaft sagen, dass es Peter Feldmann (SPD) war, der das Fass zum Überlaufen brachte und die sicherlich ohnehin schon vorhandenen Überlegungen für einen Standortwechsel der Messe befeuerte. Feldmann und die IAA, das war nie eine Liebesbeziehung, vermutlich fehlte dem SPD-Politiker einfach der Glamour, der den Autobossen wichtig ist. Voriges Jahr wurde er dann gar nicht mehr eingeladen. Eine Rede hatte er dennoch vorbereitet, und die erschien dann in der FR. Darin ging Feldmann hart mit der Autoindustrie ins Gericht und erklärte, Frankfurt brauche keine weiteren SUV-Modelle. Die Ausführungen passten perfekt in die Zeit. Während der Messe demonstrierten Tausende für die Mobiliätswende, zeitweise blockierten sie die Messeeingänge. Die Autobosse waren ganz und gar nicht amüsiert, zumal diese IAA ohnehin geprägt war von Absagen zahlreicher ausländischer Hersteller.

Nun soll ein neues Konzept der Messe wieder Schwung verleihen. Die Zeiten, in denen man(n) sich in Hallen einfach nur Autos anguckte, sollen vorbei sein. Die Messe werde sich zur Stadt hin öffnen, heißt es. Konkret könnte das etwa bedeuten, dass autonomes Fahren in den Straßen Frankfurts demonstriert wird.

Oder eben in den Straßen einer anderen Stadt, denn sieben Bewerber wollen die nächste IAA ausrichten. Neben Frankfurt sind das Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Stuttgart und München. Am 23. und 24. Januar dürfte eine Vorentscheidung fallen, dann sollen die Bewerber ihre Angebote vorlegen. Anschließend, so heißt es, werde der VDA nur noch mit zwei Städten verhandeln und sich bis zum Sommer entscheiden.

Klingt, als würde Markus Frank in nächster Zeit noch einige Tweets verschicken.

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