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Neue Leute kennenlernen

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Von: Judith Köneke

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Im Frankfurter Salon trifft sich die Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen Einsamkeit“. Christoph Boeckheler
Im Frankfurter Salon trifft sich die Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen Einsamkeit“. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Bürgerinitiative will Einsamkeit thematisieren und Menschen mit unterschiedlichen Aktionen aus der Isolation holen

Einsamkeit kann jeden treffen. Nicht nur Alleinstehende oder Senior:innen, sondern Menschen jeden Alters, da sind sich die Mitglieder der Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen Einsamkeit - für eine solidarische Gesellschaft“ einig. Tormiuk J. zum Beispiel ist 43 Jahre alt und erzählt, dass in seinem Alter die meisten Freunde Familie und Kinder haben. „Wenn man das nicht erfüllt, gehört man oft nicht mehr dazu.“ Die Pandemie habe es noch schwerer gemacht, Freundschaften zu pflegen oder neue aufzubauen. Er hat sich der Initiative angeschlossen, weil er etwas gegen seine eigene Einsamkeit und die von anderen tun will.

Vor einem halben Jahr hat sich die Initiative gegründet, um das Thema und die gesellschaftlichen Folgen zu thematisieren. Seitdem sind rund 40 Interessierte und Unterstützer:innen im Alter von 35 bis 75 Jahren zusammengekommen. Alle Aktiven arbeiten ehrenamtlich mit. Im Café Frankfurter Salon stellen sie am Montag vor, was sie bereits auf die Beine gestellt haben. Einige der Ideen sind schon umgesetzt: Jeden Dienstag von 17.30 bis 20 Uhr gibt es im Frankfurter Salon in der Braubachstraße 32 einen „Komm-Allein-Abend“.

Bei den Treffen wolle man mit Menschen ins Gespräch kommen und Interessierte mit Organisationen vernetzen, sagt Viola P.. Schön wäre auch, wenn die dann von dem Angebot in anderen Stadtteilen und im Umland berichten. Die 37-Jährige ist vor einem Jahr nach Frankfurt gezogen. Gerade mit Home-Office, einem stressigen Job und als Single sei es schwierig, neue Leute kennenzulernen. Viele hätten in ihrem Alter einen festen Freundeskreis.

Darüber hinaus hat die Initiative ein Kontakttelefon eingerichtet, für diejenigen, die erstmal reden und nicht gleich vorbeikommen wollen. „Wir sind jedoch keine Seelsorge, sondern bieten Vernetzung an“, sagt Beate Zwermann. Die 57-Jährige kennt Einsamkeit aus vielen Phasen ihres Lebens, sei es nach der Trennung von ihrem Ex-Mann oder als erfolgreiche Unternehmerin mit Kind. In der Bürgerinitiative mache sie mit, weil sie es geschafft habe, die Einsamkeit zu überwinden, und jetzt ihr Wissen weitergeben will.

Noch in der Planung ist die Idee, dass man an Bänken im Stadtgebiet Schilder anbringt mit dem Slogan „Babbel nett“, auch hier geht es darum, Leute zusammenzubringen.

„Die Politik muss handeln“, sagt Turgut Yüksel, Landtagsabgeordneter der SPD und einer der Gründer der Initiative. Einsamkeit sei ein Tabuthema, mit dem die wenigsten offen umgingen. Die Pandemie habe das Problem noch verstärkt. Man wolle die Menschen im Rhein-Main-Gebiet ermutigen, sich zu ihrer Einsamkeit zu bekennen, um anderen Mut zu machen. „Wir verstehen uns als Vernetzerinnen und Vernetzer.“

Ein Team der Aktionsgruppe will Lebensläufe von Menschen dokumentieren, die über Phasen sprechen möchten, in denen sie einsam waren. Die Profile sollen schriftlich und als Video festgehalten und publiziert werden. Auch auf der Facebook-Seite der Initiative sollen sie veröffentlicht werden. Damit wolle man die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren, sagt Rosie von Knebel. Sie hat vor zwei Jahren ihren Mann und während der fünfjährigen Pflegezeit vorher viele soziale Kontakte verloren. Danach kam die Einsamkeit. Mit der Initiative will sie die nun bekämpfen.

Wer bei der Initiative mitmachen will, kann an turgut.yueksel@gmail.com oder zwermann@xsp-frankfurt.de schreiben. Das Kontakttelefon ist montags von 19.30 bis 22 Uhr unter der Nummer 0176 640 442 91 erreichbar.

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