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Unter Wasser wird aus dem an Land etwas plump watschelnden Pinguin ein gewandter Schwimmer.

Bauprojekt

Neue Heimat für 25 Pinguine in Frankfurt

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Die Anlage im Frankfurter Zoo wurde nach zweieinhalb Jahren Bauzeit eröffnet.

Ein Glücksrad ohne Nieten, das wäre schön. Doch bei der Lotterie in der Pinguin-Anlage des Frankfurter Zoos, die am Montag nach zweieinhalb Jahren Bauzeit eröffnet wurde, gibt es verdammt viele schlechte Felder, auf denen man landen kann. Die Besucher sollen sich vorstellen, sie seien Pinguine, und dann am Rad drehen. Auf den bösen Feldern steht etwa: „Du verfängst dich im Plastikmüll. Keine Chance, dich ohne Hilfe daraus zu befreien. Du stirbst.“ Auf einem anderen Feld ist die Rede von einem Tanker, der Öl ablässt. Der Kraftstoff verfängt sich in den Federn des Pinguins: „Du stirbst, da du nicht mehr jagen kannst.“ Schwere Kost.

Entworfen hat das Glücksrad die pädagogische Abteilung des Zoos. „Wir wollten die Realität abbilden“, sagt deren Leiterin Martina Winkler. Und die Wirklichkeit sehe eben so aus, dass nur ein Drittel der Humboldt-Pinguine überhaupt das Erwachsenenalter erreicht. Entsprechend niedrig ist bei der Lotterie des Lebens in der neuen Anlage die Quote der Felder, auf denen dem Pinguin ein schönes, langes Leben vorhergesagt wird.

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Die Politiker, die zur Eröffnung der 2000 Quadratmeter großen Anlage gekommen sind, haben keine Zeit, sich mit dem Glücksrad zu beschäftigen. Sie müssen Reden halten, in denen sie über ihre Kinder sprechen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) etwa erwähnt, dass sich seine Tochter seit langem auf diesen Tag freue. Und Baudezernent Jan Schneider (CDU) sollte nach dem Willen seiner Kinder zum Rednerpult watscheln. Nach Ansicht der Kinder sähe das dann endlich einmal witzig aus. Den Beweis bleibt Schneider schuldig.

1960 Quadratmeter misst die Anlage, die sich direkt neben dem Domizil der Robben befindet. Den 25 Pinguinen steht ein Becken mit einem Volumen von 435 Kubikmetern zur Verfügung. An der tiefsten Stelle ist es drei Meter tief.

190 Quadratmeter sind mit Sand und Kies bedeckt. Der Zoo spricht deshalb von einem Pinguin-Strand. Das Gelände ist mit 19 Bäumen und zehn großen Sträuchern bepflanzt.

Rund 800 000 Menschen besuchen jährlich den Frankfurter Zoo. Er ist damit die größte Kultureinrichtung in der Stadt. geo

Feldmann prophezeit, die Pinguin-Anlage werde „ein Besuchermagnet wie der Borgori-Wald“. Das ist eine mutige Aussage, ebenso gut könnte Eintracht-Vorstand Fredi Bobic über einen neuen Stürmer sagen, er werde einschlagen wie Luka Jovic.

Aber die Anlage für die „schwarz-weißen Frack- und Sympathieträger“, wie Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) die Pinguine nennt, ist in der Tat sehr schön geworden. Genau genommen hätte sie „schöner nicht werden können“, sagt Manfred Niekisch, der Zoodirektor a. D., unter dessen Regie das Gelände geplant wurde. In der höhlenartigen Konstruktion tauchten die Besucher ein in den Lebensraum der Tiere, erklärt Niekisch, der zur Feier des Tages eine rote Pinguin-Krawatte trägt, im Gespräch mit der FR. Die Entwicklung des Zoos beobachte er sehr genau, aber Ratschläge wolle er seinem Nachfolger Miguel Casares nicht geben, zumal das auch unfair wäre. „Ich habe die goldenen Zeiten erlebt“, sagt Niekisch und erinnert daran, dass die früherere Oberbürgermeisterin Petra Roth und ihr Kulturdezernent Felix Semmelroth (beide CDU) dem Zoo 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hatten. Ein Viertel der Summe wurde nun für die neue Anlage aufgewendet.

25 Pinguine haben in Frankfurt ihr neues Zuhause gefunden, und „sie werden sich hoffentlich bald vermehren“, wie Ina Hartwig sagt. Zu diesem Zweck gibt es in der Anlage 28 Nisthöhlen. Die Tiere kommen auch mit wärmeren Temperaturen klar – anders als ihre Vorgänger, die Eselspinguine, die im Exotarium in einer gekühlten Anlage leben mussten. Insofern trage der Neubau auch dazu bei, den Energieverbrauch im Zoo zu reduzieren, wie Niekisch erklärt. Am Montag werden die Tiere erst einmal öffentlichkeitswirksam gefüttert. Den geladenen Gästen gefällt es, und auch der Graureiher, der sich ins Gehege eingeschlichen hat, hält sich zurück und macht den Pinguinen das Essen nicht streitig.

Zoo-Direktor Casares begrüßt vor allem die vielen Kinder, die ins „größte Klassenzimmer Frankfurts“ (Ina Hartwig) gekommen sind. Unter ihnen sind die Schüler einer sechsten Klasse der Humboldt-Schule in Rüsselsheim. Sie ist – ebenso wie die Frankfurter Rundschau – Patin eines Pinguins.

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