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Meisterfeier in der Paulskirche: Schornsteinfeger-Meisterin Alina Schulz und Fleischermeister Marcel Winhuysen.

Frankfurt

195 neue Handwerksmeister in der Frankfurter Paulskirche geehrt

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Insgesamt 13 sogenannte Gewerke haben Zuwachs an Jungmeisterinnen und -meistern erhalten.

Alina Schulz strahlt über das ganze Gesicht. Die frisch gebackene Schornsteinfegermeisterin ist eine von 195 Frauen und Männern, die am Samstagnachmittag in der Paulskirche ihre Meisterbriefe von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main überreicht bekommen. Bäcker, Elektrotechniker, Frisöre, Heizungsbauer, Maßschneider, Schuhmacher oder Zweiradmechaniker: Insgesamt 13 sogenannte Gewerke haben Zuwachs an Jungmeisterinnen und -meistern erhalten.

Einige sind in Berufskleidung gekommen, so wie Alina Schulz als eine von zwei Frauen unter sieben Schornsteinfegermeistern. Sie trägt zur schwarzen Uniform mit Goldknöpfen namens „Koller“ einen Zylinder und hat ihren Mann mitgebracht. Der ist ebenfalls Schornsteinfeger. Das Paar hat sich während ihrer Lehre in Ulm kennengelernt, wo er gerade seinen Meister machte.

„Ein wenig stolz bin ich schon, dass ich es trotz Familie geschafft habe“, sagt die 30-Jährige. Zweieinhalb Jahre dauerte ihre Ausbildung zur Meisterin in Teilzeit. Wegen ihrer kleinen Kinder hatte sich die Schwäbin aus Kornwestheim, in der Nähe von Ludwigsburg, für die Teilzeitvariante auf der Fachschule in Frankfurt entschieden. In Ulm, was deutlich näher an ihrem Wohnort liegt, hätte Schulz nur in Vollzeit Meisterin werden können.

Blockweise drückte sie dagegen im Gutleut, jeweils vier Wochen getrennt von der Familie, die Schulbank und fegte dazwischen, wie üblich, drei bis vier Monate Kornwestheimer Schornsteine.

„Das war sehr zeitaufwendig“

„Das war sehr zeitaufwendig“, sagt Schulz. Denn sie bekam auch „Hausaufgaben“ aus Frankfurt mit auf den Weg. So hieß es: Vormittags von halb acht bis 14 Uhr arbeiten, nachmittags Tochter (4) und Sohn (7) von der Schule oder Kita abholen und zum Taekwondo-Kampfsport-Training bringen, was übrigens Mutter und Kinder betreiben. Erst abends setzte sich Schulz hinter die Bücher und paukte Betriebswirtschaftslehre oder Baustoffkunde.

„Wir brauchen ausgebildete Fachleute mit beruflicher Erfahrung“, sagt Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und erinnert die Meister in seiner Ansprache an „Ihr Versprechen, dass Sie in der Zukunft ausbilden werden“. Birgitta Wolff, Präsidentin der Frankfurter Goethe-Uni, bezeichnet das Versprechen zur Ausbildung als „unglaublich große, aber auch schöne Verantwortung“.

Beide wünschen sich eine stärkere Kooperation zwischen beruflicher und akademischer Bildung, etwa durch einen „Campus für berufliche Bildung, um die 130 Berufe des Handwerks zukunftsfähig aufzustellen“, sagt Ehinger. Und er rät, das Schulfach Werken wieder einzuführen.

Insgesamt 760 erfolgreiche Meisterprüfungen hat die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main im vergangenen Jahr abgenommen. Mit fast zwei Dritteln bilden die Fleischer am Samstag die größte Gruppe an neuen Handwerksmeistern. Sie sind mit ihren roten Fleischerblusen in der Paulskirche sofort zu erkennen.

Meister  in Vollzeit abgelegt

Auch Marcel Winhuysen trägt eine solche Jacke. Der 44-Jährige hat seinen Meister auf der Weiterstädter Fachschule der Handwerkskammer in Vollzeit abgelegt. Nach zwölf Wochen ganztägigen Unterrichts hat er es im vergangenen Frühjahr geschafft. „Sehr anstrengend“, sei es gewesen, berichtet Winhuysen, der aus Weeze am Niederrhein kommt und in einem Lebensmittelgroßhandel arbeitet. „Ich bin über 20 Jahre aus der Schule raus gewesen“, sagt er. Disziplin sei sein Rezept für den erfolgreichen Abschluss gewesen, fügt er hinzu. „Aus dem Berufsleben heraus sich wieder hinzusetzen und zu lernen“, das sei die größte Herausforderung für angehende Meister, sagt auch die Ausbilderin Gaby Konermann. Lange Schultage von 7.45 Uhr bis 17.30 Uhr seien die Regel, berichtet sie.

Für Marcel Winhuysen hätten sich die Strapazen gelohnt, sagt er. Aufgrund seiner beruflichen Weiterbildung werde er künftig vier Betriebe leiten. „Demnächst werde ich 300 Angestellte unter mir haben.“

Schornsteinfegerin Alina Schulz ist aktuell noch bei ihrem Mann angestellt. Mit dem Meisterbrief in der Tasche möchte sich Schulz künftig selbstständig machen.

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