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Das Gymnasium Nord wird gut angenommen.

Bildung

Neue Gymnasien werden beliebter

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Das Adorno-Gymnasium hat erstmals  hohe  Anmeldezahlen. Der Stadtelternbeirat warnt vor einem Engpass an Gesamt- und Realschulen.

Jahr für Jahr musste Mathias Koepsell nur über Zuweisungen reden. Über Kinder, die seine Schule nicht freiwillig besuchen wollen. In diesem Jahr ist alles anders, läuft der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule für den Leiter des 2015 gegründeten Adorno-Gymnasiums rund. Denn er kann erstmals mehr als eine Handvoll Familien aufweisen, die sein Gymnasium freiwillig gewählt haben. 81 Erstwünsche, 56 Zweitwünsche – das gab es noch nie und „das ist schon ganz schön“, sagt Koepsell.

Bisher wurde das Gymnasium in Höchst von Eltern meist wegen der Lage geschmäht. Doch im Sommer wird es auf den Campus Westend ziehen und hat damit bei Familien an Attraktivität gewonnen. Auch wenn manche die Schule noch ein wenig aus „Angst“ gewählt hätten, erzählt eine Mutter im Nordend. Angst keinen Platz an einem der traditionellen Gymnasien in der Umgebung zu bekommen, die immer viele Kinder abweisen müssen. In diese „Lotterie“ hätten sich manche nicht hineinbegeben wollen, sagt die Mutter. „Am Adorno sah die Chance besser aus und es soll ja eine gute Schule sein.“

73 Zuweisungen hat es an das Gymnasium dennoch gegeben. „Aber wenn man das mal mit den renommierten Gymnasien in der Umgebung vergleicht, dann wären wir mit einem Schlag voll gewesen“, sagt Koepsell. Denn diese Gymnasien haben in der Regel vier Parallelklassen mit 120 Schülern, das Adorno wird mit sieben Parallelklassen und 210 Schülern ins nächste fünfte Schuljahr gehen.

In diesem Jahr konnten 530 Schülerinnen und Schüler nicht auf eine ihrer gewünschten weiterführenden Schulen wechseln. Das sind fast zehn Prozent der Schüler im Übergang. Sie wurden einer Schule mit freien Plätzen zugewiesen. Etwa KGS Niederrad, Römerhof-Gymnasium, Liebigschule, Otto-Hahn-Schule. Im Gymnasialbereich geht es dabei um 256 Kinder, etwa 100 weniger als im vergangenen Jahr – aber da war das Adorno auch noch nicht so beliebt. Das sieht man auch im Staatlichen Schulamt so. Tendenz sei, dass neue Schulen, die in den vergangenen Jahren noch nicht so etabliert waren, nun stärker angewählt werden, sagt Amtsleiterin Evelin Spyra. Das gilt auch fürs 2016 eröffnete Gymnasium Nord: Es hat erstmals gar keine Zuweisungen erhalten.

Zufrieden ist Stadtelternbeirat Eckhard Gathof dennoch nicht. „Es ist immer noch eine große Anzahl, die im Gymnasialbereich zugewiesen wird“, sagt er. In Sachsenhausen hätten die Kinder mit Zuweisung ein ganzes Gymnasium füllen können. „Und bei den integrierten Gesamtschulen und Haupt- und Realschulen wurde sogar mehr als früher zugewiesen.“ Der Stadtelternbeirat warne seit Jahren davor, dass es in diesen Schulformen eng werde.

Bei Stadtelternbeirat und Staatlichem Schulamt haben Eltern angerufen und über lange Schulwege geklagt: von Sachsenhausen nach Hausen oder ins Westend. Vom Nordend bis zum Römerhof in Bockenheim. Eltern lassen sich auch an Schulen auf Wartelisten setzen, um darüber noch einen Platz zu bekommen. Da tue sich auch in den Ferien immer noch etwas, sagt Spyra. Am Adorno-Gymnasium erst mal nicht. Koepsell führt eine Warteliste, er will am Ende der ersten Schulwoche mögliche freie Plätze „unter Aufsicht auslosen“ lassen.

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