Das zerstörte Goethehaus nach dem Krieg: Aufräumen bedeutet nicht unbedingt aufarbeiten, dabei helfen Initiativen.
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Das zerstörte Goethehaus nach dem Krieg: Aufräumen bedeutet nicht unbedingt aufarbeiten, dabei helfen Initiativen.

Initiative

Gebündelt gegen das Verdrängen

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Frankfurter Geschichtsinitiativen schließen sich zu Netzwerk für Erinnerungskultur zusammen. Das Bündnis will auch dem Wiedererstarken rechter Gruppen entgegentreten.

Viele Frankfurter Geschichtsinitiativen kämpfen zum Teil schon seit Jahrzehnten gegen das Vergessen, erinnern an die Shoah oder arbeiten die Folgen der NS-Zeit auf. Nun haben sich mehr als ein Dutzend von ihnen zum Frankfurter Netzwerk für Erinnerungskultur zusammengeschlossen, um gemeinsam mehr zu erreichen. Das Bündnis will dem Wiedererstarken rechter Gruppen, die durch Corona noch einmal einen Schub erhalten haben, entgegentreten. „Wir möchte ein offenes Netzwerk sein, das die konkrete Auseinandersetzung befördert“, sagte Daniela Kalscheuer, Sprecherin des Netzwerks und Studienleiterin in der Katholischen Akademie Rabanus Maurus bei der Vorstellung des Netzwerks am Mittwoch.

Zwar werde sich in den Schulen kritisch mit den Geschehnissen auseinandergesetzt, aber die Themen kämen nicht richtig in den Familien an, sagte Kalscheuer. Doch gerade die Familien seien es, in denen eine ergebnisoffene Aufarbeitung nötig wäre.

Veranstaltung

Die Veranstaltung „War da was? Frankfurt im Nationalsozialismus“ am Freitag, 30., und Samstag, 31. Oktober, im Haus am Dom ist ausgebucht. Sie wird auch per Livestream (www.youtube.com/hausamdom) übertragen.

Los geht es am Freitag um 18 Uhr, am Samstag beginnen die Beiträge um 10 Uhr. Informationen zum Programm unter hausamdom-frankfurt.de

Neben der „Initiative 9. November“ oder „Stolpersteine“ beteiligt sich auch das Forschungsprojekt Jüdische Pflegegeschichte. Seit den 80ern forscht es zum Selbstbild der gehorsamen Schwester, die immer als Opfer galt und die eigene Täterschaft, etwa an der Euthanasie, vertuschte. „Wir versprechen uns von dem neuen Netzwerk, eine größere Breite von Personen zu erreichen“, sagte Mitglied Eva-Maria Ulmer.

„Das Opfergedenken hat in Frankfurt eine lange Tradition, aber es gibt Defizite, und die liegen ganz eindeutig in der Täterforschung“, erläuterte Kulturhistoriker Alfons Maria Arns.

Gemeinsam will das neue Netzwerk einen „Knowledge-Pool“, in dem Informationen zum Thema zusammengeführt werden, und einen Internetauftritt erstellen, aber auch Erfahrungen austauschen. Aber genauso gehe es darum, für diejenigen erreichbar zu sein, die zu Erinnerung, Täterforschung, und neuen rechten Themen forschen oder kritisch publizieren möchten.

Geplant sind auch jährlich stattfindende Symposien, auf denen die Arbeit der Initiativen sichtbar werden soll. Den Anfang macht die Veranstaltung am Wochenende im Haus am Dom.

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