Fluechtlingsunterkunft04_08
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In der Wiener Straße 138–140 ziehen in der nächsten Woche geflüchtete Familien ein.

Geflüchtete

Aus Bonames nach Oberrad: Umzug in neue Unterkunft für Geflüchtete

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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In Oberrad öffnet eine neue Unterkunft für Geflüchtete. Auch sechs Familien aus Bonames werden dort einziehen.

  • In der Wiener Straße in Oberrad finden 23 Familien eine Bleibe
  • Die Wohnungen sind ausgelegt für sechs bis neun Personen
  • Insgesamt leben 4600 Geflüchtete in Not- oder Übergangsunterkünften

Fast an der Stadtgrenze zu Offenbach öffnet eine neue Unterkunft für Geflüchtete. Die Zimmer sind zwar noch nicht komplett ausgestattet, es fehlen teilweise die Küche oder Hängeschränke, doch bereits in der nächsten Woche sollen die ersten Familien in die neue Unterkunft in die Wiener Straße in Oberrad einziehen können.

Platz gibt es dort für 23 Familien und zwei alleinerziehende Frauen sowie 72 Kinder in 26 Wohnungen. Die Wohnungen sind 59 bis 95 Quadratmeter groß und ausgelegt für sechs bis neun Personen. Die Kosten belaufen sich auf rund neun Millionen Euro, sagte Katrin Wenzel von der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement. Allerdings handelt es hierbei nur um die Kosten für den Bau und die Planung. Es fehlen die Kosten für die Inneneinrichtung der Wohnungen.

Zu wenige Wohnungen in Frankfurt

„Ich wurde in den letzten Tagen oft gefragt, warum Frankfurt eine neue Unterkunft bekommt“, sagte Horst Dörr, Leiter der Stabsstelle Unterbringungsmanagement und Flüchtlinge. Und er erklärte, dass es noch immer 4600 Geflüchtete gebe, die in Not- oder Übergangsunterkünften lebten. „Die Hälfte von ihnen hat ein Bleiberecht, aber sie finden keine Wohnung.“ Nur 320 Wohnungen habe man seit Mitte 2016 vermitteln können. Hinzu kämen 515 geflüchtete Menschen, die in Hotels wohnen. „Und wenn wir noch 1100 Obdachlose in Frankfurt dazunehmen, die auch in Hotels wohnen, dann kommen wir zusätzlich auf 1615 Menschen, die eine Wohnung suchen.“ Bei den hiesigen Verhältnissen auf dem Wohnungsmarkt klingt das nach einer Herkulesaufgabe.

Glück also für die Auserwählten, die in die neue Unterkunft ziehen können. Von Luxus kann hierbei sicher nicht die Rede sein. So zieht beispielsweise eine neunköpfige Familie in eine Vier-Zimmer-Wohnung mit 95 Quadratmetern. „Das ist um Längen besser als in der Unterkunft am alten Flughafen Kalbach-Bonames“, sagte Peter Hovermann, Geschäftsführer des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten.

Auch wenn eine 95 Quadratmeter große Wohnung zunächst groß wirke, sagte Holger Volz, Bereichsleiter beim Frankfurter Verein, „wenn dann sieben Kinder und die Eltern am Esstisch sitzen, dann wird es eng“.

Nicht jede Familie hat Anspruch auf die begehrten Wohnungen

Zum Vergleich: In Bonames lebten neunköpfige Familien auf 53 Quadratmetern. Immerhin sechs Familien aus Bonames werden nun nach Oberrad umziehen. Doch nicht jede Familie hatte einen Anspruch auf die begehrten Wohnungen. Auch wenn die Leute auf Stockbetten wie in einem Hostel schlafen, ist die Ausstattung modern. So gibt es WLAN, die Wohnungen sind gut isoliert und haben Balkone. Für die Auswahl der Familien war entscheidend, dass sie im Integrationsprozess weit fortgeschritten sind, sagte Volz.

Ein bedeutender Faktor war etwa, wie lange die Familien schon in Frankfurt lebten. „Wir haben dazu auch Daten von einem Monitoring, das wir alle zwei Jahre erheben“, sagte er. Dadurch konnten sie sehen, wie hoch die Beteiligung der Familien im Sozialleben ist, in welche Schule die Kinder gehen, und ob sie auch hingehen, ob die Leute arbeiten und wenn ja, welcher Arbeit sie nachgehen.

Hovermann erzählte von einer Frau, die in der Unterkunft in Bonames wohnt: „Sie sagte, dass sie schlecht schläft, aber dringend den Schlaf bräuchte, weil sie im Heilig-Geist-Hospital im Schichtdienst arbeitet.“ (Stefan Simon)

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