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In der kommenden Woche will sich Klose mit der Klinikleitung und Vertretern der Stadt Frankfurt treffen.

Nach TV-Bericht

Neue Beschwerden über Klinikum in Höchst

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Nach der TV-Reportage auf RTL häufen sich negative Berichte auf einem Bewertungsportal im Internet. Nun schaltet sich das Sozialministerium ein.

Nach dem RTL-Bericht über massive Missstände in der Psychiatrie des Klinikums Höchst erhöht die Politik den Druck auf die Klinikleitung. „Wenn die Vorwürfe sich bestätigen sollten, besteht erheblicher Handlungsbedarf“, sagte der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden. „Ich kann Ihnen versichern, dass wir rückhaltlos aufklären werden“, sagte der Minister und forderte „vollumfänglichen Zugang zu den Akten“. In der kommenden Woche will sich Klose mit der Klinikleitung und Vertretern der Stadt Frankfurt treffen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Yanki Pürsün, forderte die Landesregierung auf, die Zustände in der Psychiatrie zu überprüfen. Die Fernsehreportage habe „erschreckende und tief erschütternde Zustände gezeigt“.

Der rund 20-minütige Beitrag in der Fernsehsendung „Akte Wallraff“ hatte am Montagabend für Aufsehen gesorgt. Eine Reporterin hatte sich – getarnt als Praktikantin – mit versteckter Kamera tagelang in der Akutstation der Psychiatrie umgesehen. Unter anderem zeigte sie die Fixierung eines Mannes, der einer Pflegerin Medikamente aus der Hand geschlagen hatte. Laut dem Bericht blieb der Patient mehrere Tage ans Bett gefesselt. Eine gesetzlich vorgesehene 1:1-Betreuung gab es laut RTL nicht.

Zu sehen ist zudem eine Visite, bei der sich das Klinikpersonal auf dem Flur mit den Patienten unterhält, wobei die Gespräche oft nur einige Sekunden dauern. Die Station sei überbelegt, es gebe zu wenig Personal, viele der psychisch kranken Menschen litten unter Beschäftigungslosigkeit, heißt es in dem Bericht. Gezeigt wird unter anderem eine ältere Frau, die depressiv ist. Sie wirkt völlig eingeschüchtert weil sie das Zimmer mit einer Patientin teilen muss, die ständig schreit. Außerdem beklagt die Reporterin Hygienemängel auf der Station.

Die Klinikleitung hatte die „stark verkürzte und aus den individuellen Zusammenhängen sowie Krankheitsbildern gerissene Berichterstattung über die Arbeit auf der geschützten psychiatrischen Station“ bereits am Dienstag zurückgewiesen. Sie versprach Aufklärung, wobei sie auch externen Gutachtern offen gegenüber sei.

RTL-Reporter abgewiesen

Seit der Ausstrahlung der RTL-Sendung häufen sich auf dem Internetportal „Klinikbewertungen“ negative Berichte über die Psychiatrie in Höchst. Ein ehemaliger Patient schreibt von Gewalt gegenüber den Kranken, Diagnosen würden im Flur besprochen, er habe im hellen Flur schlafen müssen. Die Freundin eines Patienten berichtet von einem Besuch auf Station: „Einmal rannte eine mutmaßlich psychotische Patientin mit einem Bett, in dem eine um Hilfe schreiende ältere Dame lag, über den Flur und rammte das Bett gegen eine Wand. Mehrmals waren Wände mit Kot beschmiert, und im Stationsflur gingen Patienten Zigarette rauchend umher.“

Unterdessen berichtet RTL auf seiner Internetseite, ein Fernsehteam habe am Dienstag die Pressekonferenz zur Bilanz des Klinikverbundes Frankfurt-Main-Taunus in Höchst besuchen wollen, um nach Konsequenzen aus dem Bericht zu fragen. Die Journalisten seien aber abgewiesen worden. RTL habe sich zu der Pressekonferenz nicht angemeldet und sei deshalb von einem Mitarbeiter des Klinikums zurückgewiesen worden, sagte Petra Fleischer, die Sprecherin des Krankenhauses, auf FR-Anfrage. Sie selbst habe nicht einschreiten können, da sie zu dem Zeitpunkt bereits im Raum saß, in dem die Pressekonferenz abgehalten wurde. Im Anschluss habe sie den Reportern die Pressematerialien des Klinikums ausgehändigt.

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