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Neue Bäckerei in Frankfurt verkauft nur Brot aus Sauerteig

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Von: Judith Köneke

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Die Auswahl in der Bäckerei Ouwe im Frankfurter Nordend ist klein, aber bei den Kunden schon sehr beliebt. Zwei Quereinsteiger backen alles selbst, aber ohne Zusatzstoffe.

Frankfurt - Vor dem Laden in der Rohrbachstraße in Frankfurt hat sich am frühen Nachmittag eine kleine Menschenschlange gebildet. Drinnen steht Marius Hörle hinter dem Tresen und Eike Becher in der Backstube, die über ein paar Stufen zu erreichen ist. In einem offenen Holzschrank liegen die Brotlaibe zum Verkauf, in der Auslage Focaccia mit Tomate und süßes Brioche. Das war es dann auch schon. „Mehr könnten wir zu zweit gar nicht produzieren“, sagt Becher.

Im August haben die beiden die Ouwe Bakery eröffnet. Rund fünf verschiedene Sorten Brot gibt es täglich, etwa Weizen, Vollkorn, Roggen oder Dinkel, alle aus Sauerteig. Mal kommen auch Nüsse, Früchte oder Körner in den Teig, alles Bio. Auf jeden Fall keine Zusatzstoffe wie Triebmittel und anderer Schnickschnack, das ist den Inhabern wichtig, es gehe um ehrliches Handwerk.

Quereinsteiger Marius Hörle (l.) und Eike Becher in ihren Räumen in der Rohrbachstraße. Renate Hoyer
Quereinsteiger Marius Hörle (l.) und Eike Becher in ihren Räumen in der Rohrbachstraße. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Neue Bäckerei in Frankfurt: Brot mindestens fünf Tage genießbar

Sauerteig braucht viel Zeit zum Ruhen, darum werden die Brote auch am Vortag zubereitet, erklärt Becher. Der Teig sei herausfordernd, aber das mache die Arbeit spannender. Und den Teig so bekömmlicher. Das Brot halte sich zudem lange, es sei mindestens fünf Tage nach dem Kauf noch gut genießbar. Dann werde es vielleicht hart, aber schimmele nicht, jedenfalls nicht bei der richtigen Aufbewahrung. „Am besten einfach in ein Leintuch wickeln und mit der Schnittfläche auf ein Brett stellen“, ist Bechers Tipp. Rund sechs Euro kostet der Laib.

Info

Die Ouwe Bakery , Rohrbachstraße 53, hat Dienstag bis Freitag von 12 bis 18.30 Uhr und am Samstag von 9 bis 13 Uhr geöffnet, nur Kartenzahlung, www.ouwe.bio

Unter der Woche öffnet Ouwe erst um 12 Uhr die Türen, eher ungewöhnlich für eine Bäckerei. „Das bedeutet, dass wir zwischen sechs und sieben anfangen müssen zu arbeiten“, sagt Becher – aber eben nicht die klassischen Nachtschichten haben. Für die Kunden in Frankfurt ist das scheinbar kein Problem, viele kommen in der Mittagspause, aber auch nachmittags und nach Feierabend. Die Inhaber sind froh, „es wird gut angenommen in der Nachbarschaft“. Viele erzählen, dass sie sich über eine guten Bäckerei in der Nähe freuen. Und hatten die beliebte Bäckerei Kornkammer, die es weiter oben auf der Straße gegeben hatte, vermisst. Das persönliche Feedback, aber auch die Bewertungen auf Google seien voll des Lobes.

Die beiden kennen sich noch aus ihrer Schulzeit in der Wetterau, dem dortigen Dialekt hat die Bäckerei auch ihren Namen zu verdanken. Denn Ouwe heißt übersetzt „Ofen“. Über eine Bäckerausbildung verfügt keiner der Inhaber. Becher hat Physik studiert und Hörle Maschinenbau. Aber über verschiedene gastronomische Stationen und der Liebe zu gutem Essen kam die Idee, denn auch ohne Meisterbrief lässt sich eine Bäckerei eröffnen. Mit einem Antrag auf eine Ausnahmeregelung und einer zweitägigen Prüfung sei das möglich gewesen, sagt Becher, der die Prüfung Anfang des Jahres bestand. Der 30-Jährige hatte sich durch sein Hobby, mit Sauerteig zu backen, und der Arbeit in einer Bäckerei die Fertigkeiten angeeignet.

Innen weich und außen knusprig. Renate Hoyer
Innen weich und außen knusprig. © Renate Hoyer

Neue Bäckerei in Frankfurt: Verkaufshelfer:innen gesucht

Dass sie das Ladenkolal im Frankfurter Nordend bezogen haben, in dem vorher eine Änderungsschneiderei beheimatet war, war Glücksache. Denn es sei gar nicht so einfach, Räume zu finden, in denen ein Industrieofen erlaubt sei, die Abluft sei ein kritischer Punkt, so Becher. Nun suchen die Quereinsteiger jemanden, der ihnen im Verkauf hilft - damit sie noch mehr Brote backen können. Denn es kam schon öfter vor, dass sie ausverkauft waren. (Judith Köneke)

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