Peter Feldmann, Oberbürgermeister von Frankfurt am Main, zusammen mit seiner Frau Zübeyde.
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Peter Feldmann und seiner Frau Zübeyde werden erneut Fragen gestellt.

AWO-Affäre

Neue Angaben zu AWO-Affäre

Die Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann soll Gehalt ohne „erkennbare Arbeitsergebnisse“ bekommen haben.

Neue Fragen wirft das Engagement von Zübeyde Temizel bei der AWO Wiesbaden auf. Die damalige Lebenspartnerin und heutige Ehefrau von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte ab Ende 2014 verschiedene Arbeitsverhältnisse beim AWO-Kreisverband Wiesbaden. Dessen stellvertretender Geschäftsführer Franz Betz erklärte, Überprüfungen der Unterlagen hätten ergeben, dass Temizel, seinerzeit noch Studentin der Erziehungswissenschaften und Turkologie, im November 2014 als „Assistentin der Geschäftsführung“ eingestellt worden sei, Teilzeit, 1900 Euro brutto monatlich.

Gleichzeitig sei sie für einen Minijob beim privaten Förderverein des Altenhilfezentrums Robert-Krekel-Haus gelistet gewesen und mit 450 Euro monatlich bezahlt worden. Den Minijob habe sie bis April 2017 gehabt. „Arbeitsergebnisse nicht erkennbar, nicht bekannt“, kommentiert Betz die Tätigkeiten. „Vielleicht hat sie was in Frankfurt gemacht.“ Eine Nachfrage bei der AWO Frankfurt blieb gestern unbeantwortet.

Im Mai 2015 wird die Assistentenposition für Zübeyde Temizel ausgebaut zur Vollzeitstelle, 4300 Euro brutto. Vom 20. August 2015 an hatte sie auch einen Dienstwagen. Den fuhr sie noch, als sie im September 2015 die Leitung der deutsch-türkischen Kindertagesstätte Dostluk in Frankfurt übernahm und dafür vom Frankfurter Kreisverband bezahlt wurde, für den sie nach wie vor tätig ist.

Auch während ihres beruflichen Wirkens in Frankfurt bezog sie weiterhin 450 Euro für den Minijob in Wiesbaden. Bis April 2017, wie Franz Betz bestätigt. Dass es sich bei den Verwendungen in Wiesbaden um Scheinbeschäftigungen gehandelt haben könnte, mag der Geschäftsführer nicht ausschließen: „Man muss wahrscheinlich davon ausgehen.“

Dass der Wiesbadener AWO-Dienstwagen von der in Wiesbaden angestellten Temizel offensichtlich in Frankfurt genutzt wurde, bestätigt Betz nach Rücksprache mit der Fachabteilung. Der Wagen sei mit Frankfurt „hin und her verrechnet“ worden. Für Betz „ein Versuch, Vorgänge zu verschleiern“.

Der Hessische Rundfunk hatte berichtete, dass Zübeyde Temizel das Fahrzeug ursprünglich im September 2016 zurückgeben sollte. Trotz schriftlicher Aufforderung der AWO-Verwaltung habe sie den Ford Focus aber noch bis Ende 2017 genutzt. Wer zu ihren Gunsten darauf Einfluss nahm, soll nach Informationen des Senders Teil der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sein.

Oberbürgermeister Peter Feldmann nahm auf Anfrage dieser Zeitung gestern in gewohnter Weise Stellung: Er habe keinen Einfluss genommen auf den Vertrag seiner Frau, die „Vorgänge bei der AWO“ befänden sich außerhalb seines Einflussbereichs. „Aus moralischen Gründen“ habe seine Frau zu viel gezahltes Gehalt zurückgezahlt.

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