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Eine Stadt verändert ihr Gesicht.

Neue Altstadt Frankfurt

Neue Altstadt: eng und wuselig

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Wo noch vor wenigen Jahren das Technische Rathaus stand, ein brutaler riesiger Klotz, sind engste Gassen entstanden. Die neue Altstadt wird eng und wuselig.

Viel ist dieser Tage nicht zu sehen von der neuen Altstadt. Fast versteckt haben sich die kleinen, aber hohen Häuschen, die auf dem nur fußballfeldgroßen Areal zwischen Dom, Römer, Schirn und Braubachstraße entstehen, hinter Gerüsten. Nach und nach verschwindet Beton hinter aufgesetzten Sandsteinfassaden. Dutzende Handwerker und Bauarbeiter sind am Werk.

Längst zu erkennen ist trotzdem, wie stark die 35 Rekonstruktionen und an die Altstadt erinnernden Neubauten mit ihren steilen Dächern die Frankfurter Innenstadt verändern, ja prägen werden. Wo noch vor wenigen Jahren das Technische Rathaus stand, ein brutalistischer, riesiger Klotz, sind engste Gassen entstanden. Bis auf 1,40 Meter drängt sich die Bebauung in den Obergeschossen der Neugasse zusammen. Die Bewohner werden sich, wie vor dem Zweiten Weltkrieg, über das Sträßchen hinweg die Hand geben können.

Gar nicht so weit weg von der vierspurigen Betonschneise Berliner Straße und der das Stadtbild prägenden Skyline entsteht ein kleines Viertel, das so gar nicht dem modernen, aber auch kalten Image entspricht, das Frankfurt nach dem Zweiten Weltkrieg für Jahrzehnte hatte. Kleinteilig wird es sein, im Sommer schattig, im Winter dunkel. Wuselig dürfte es zugehen in den engen Gassen, laut könnte es sein. Zumindest tagsüber, wenn all die Touristengruppen, die schon jetzt nach Frankfurt kommen, das neue alte Zentrum der Kaiserstadt begutachten und fotografieren werden, auf dem Krönungsweg vom Römer zum Dom flanieren, auf dem neuen Hühnermarkt Kaffee trinken, vielleicht einen Abstecher ins Struwwelpetermuseum machen.

„Retro“ ist die neue Altstadt ohne Zweifel. Das Wort lässt auch Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der Dom-Römer-Gesellschaft, die das Megaprojekt stemmt, fallen. An ein Disneyland, den Hessenpark oder Rothenburg ob der Tauber wird sie aber nicht erinnern.

Allzu niedlich, gar kitschig wirkt bisher nichts. Nicht nur die Schirn und der U-Bahn-Eingang vor dem Kunstverein werden verhindern, dass sich Besucher in einer mittelalterlichen Stadt wähnen. Auch bei der Auswahl der Geschäfte und Lokale will die Dom-Römer-Gesellschaft umsichtig sein, nicht nur den Geschmack asiatischer Touristen, die jetzt schon in immer größerer Zahl in Frankfurt shoppen, bedienen. Noch laufen die Gespräche. Eine Apotheke aber wird es, so Guntersdorf, sicher geben, Galerien, ein Literaturcafé, kleine Lebensmittelläden. Die Nachfrage sei groß: Schuster, Stühlemacher, Juweliere wollten in die neue Altstadt.

Ein städtischer Hinterhof sei das Areal zu Zeiten des Technischen Rathauses und des damals noch offen liegenden archäologischen Gartens gewesen, sagt Guntersdorf. Kein Besucher habe kapiert, dass das die Mitte von Frankfurt ist. Dabei habe doch die Entwicklung der Stadt genau dort begonnen. Frankfurt sei auf dem Weg gewesen, eine Neureichenstadt zu werden, mit einer im internationalen Vergleich mittelmäßigen Hochhauskulisse. Nun besinne sie sich – wie viele andere – auf ihre Wurzeln.

In welchem Maß die neue Bebauung, besonders das Stadthaus am Markt, an den Kaiserdom heranrückt, war durchaus umstritten. Langsam aber wird sichtbar, wie stark St. Bartholomäus davon profitiert, wieder, wie bis 1944, von Gebäuden umrahmt zu sein. Schon jetzt bieten sich ganz neue Blicke auf den Dom. Nicht zuletzt als Fotomotiv. Und auch vom Dom aus gibt’s neue Perspektiven. Statt auf Beton fällt der Blick auf eine spitzgiebelige Dachlandschaft.

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