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Diese grüne Route ist nur eine von 220 im Kletterzentrum.

Sektion Frankfurt

Nervenkitzel in luftiger Höhe

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Der Alpenverein lädt am Tag der Offenen Tür zum Klettern ein.

Die kleine Martha hängt 15 Meter hoch in der Wand, blickt nach unten und strahlt. Die Neunjährige hat die schwere Wand mit Überhang problemlos gemeistert. Nicht zum ersten Mal, wie sie wenig später, wieder auf dem Boden des Kletterzentrums verrät. Am Seil gesichert hat sie Anna Gießel. „Martha ist eines unserer kommenden Talente“, ist sich die Chefin der Kletterjugend im Deutschen Alpenverein, Sektion Frankfurt, sicher.

Die kommenden Talente haben beim Tag der offenen Tür in der Kletterhalle an der Homburger Landstraße viel Platz, denn es ist wenig los, wie auch der Betriebsleiter der Kletterhalle, Olaf Starke, einräumt: „Für die Kletterhalle ist das Wetter zu gut.“ Zum Glück hat die Sektion auch einen Außenbereich. So lässt sich an diesem Samstag auch an der frischen Luft Sport treiben. Etwa beim Kistenklettern. „Dabei steht der Spaß und das Körpergefühl im Vordergrund“, so Starke. Die Cracks schaffen es, 23 Getränkekisten übereinanderzustapeln, bevor ihr Türmchen einstürzt. Auch bei dem Spaßparcours ist der eigene Nachwuchs fast unter sich.

Wobei das ja auch nicht wenige Kinder sind. Die Sektion Frankfurt hat unter ihren gut 10 000 Mitgliedern 640 Junioren im Alter von 18 bis 24 und 1638 Kinder. Gerade die jüngsten Mitglieder sind in ihrer Begeisterung für den koordinativen Sport kaum zu bremsen. „Manche würden jeden Tag klettern“, weiß Trainerin Gießel. Doch da sind die Eltern und die Schulaufgaben davor. Drei bis vier Mal pro Woche hält Gießel für das richtige Maß. Doch echte Kletter-Freaks können ja auch im Klassenzimmer tätig werden, wie das „Tischbouldern“ im Außengelände beweist. Einmal unter dem Schreibtisch durch ohne den Boden zu berühren. Das geht wahlweise längs oder quer, was vom Nachwuchs bevorzugt wird. Die kleine Hanna schafft das Hangeln einmal um die Schreibtischplatte in neun Sekunden.

Das Kistenklettern (l.) war bei dem schönen Wetter besonders beliebt.

Schnell zu sein gilt es auch auf der Speed-Route im Innenbereich. Eine genormte Strecke von 15 Metern gilt es, möglichst schnell zu absolvieren. Die Disziplin ist ab dem kommenden Jahr in Tokio sogar olympisch. Die Cracks der Sektion, wie etwa Jan Hojer, schaffen die vertikale Strecke an die Decke in gut sieben Sekunden. Viele der genormtem olympischen Speedrouten gibt es nicht, weswegen die Kletterer teilweise bis aus Aschaffenburg anreisen.

Doch Zeit ist nicht alles beim Klettern, das wird vor allem im Schulungsbereich deutlich, in dem sich an diesem Tag die Paraclimber tummeln und trotz ihrer Handicaps sehr viel Freude haben. Mit dabei ist auch Tim Schaffrinna. Der 23-Jährige klettert seit seiner Kindheit mit großem Ehrgeiz und hat auch bei den hessischen Landesmeisterschaften viele Erfolge errungen. Bis er im Frühjahr 2018 eine Hirnblutung erlitt und halbseitig gelähmt war. Für den Maintaler, der gerne Skitouren macht und klettert, ein herber Schlag. Schaffrinna erinnert sich noch, was er sich unmittelbar nach dem Unglück fragte: „Wenn es jetzt einen Notausschalter fürs Leben gäbe, würdest du den drücken?“ Doch Aufgeben ist nicht und nachdem die Ärzte ihm Mut machten, arbeitete Schaffrinna in der Reha mit der gleichen Motivation wie beim Klettern, das ihm dabei auch noch hilft. Schaffrinna ist jetzt schon so gut, dass er Mitte Juli bei den Weltmeisterschaften im Paraclimbing in Frankreich antreten darf. Bei den normalen Wettkämpfern wäre die Wahrscheinlichkeit für diese Chance laut Schaffrinna „sehr nahe an Null“ gewesen.

Gänzlich verwaist ist an diesem Tag der Boulderbereich der Sektion Frankfurt. Das ungesicherte Klettern bis Absprunghöhe steht bei der Sektion nicht so hoch im Kurs, die Konkurrenz mit der Boulderworld auf der anderen Seite der Homburger Landstraße ist ohnehin groß. Auch die kleine Nachwuchshoffnung Martha ist anfangs gebouldert. Doch das Klettern in großer Höhe mache ihr mehr Spaß. „Hier hat man auch Angst, das gefällt mir“, sagt die Neunjährige. Dabei zeige sie genau diese Angst nicht, versichert Trainerin Gießel. Sah auch nicht so aus, in 15 Metern Höhe.

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