So könnte die künftige Bebauung des früheren Neckermann-Geländes von der Hanauer Landstraße aus aussehen.
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So könnte die künftige Bebauung des früheren Neckermann-Geländes von der Hanauer Landstraße aus aussehen.

Rechenzentren

Neckermann-Gelände wird Datenumschlagplatz

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Das frühere Areal des Frankfurter Versandhändlers Neckermann wird ein Campus für Rechenzentren. Das Unternehmen Interxion investiert mehr als eine Milliarde Euro.

Der zentrale Teil des früheren Neckermann-Areals wird sich in den kommenden Jahren zu einem Digitalpark entwickeln. Das Unternehmen Interxion, das das Teilgrundstück im Februar erwarb, will mehr als eine Milliarde Euro investieren, um im früheren Hauptgebäude des Versandhändlers und in Neubauten auf zusammen 90 000 Quadratmetern Fläche Rechenzentren mit einer Kapazität von 180 Megawatt zu errichten.

Die Arbeiten sollen nach einem Zeitplan, den der Rechenzentrenbetreiber am Donnerstag auf dem Areal im Osten Frankfurts präsentierte, Anfang kommenden Jahres beginnen und könnten Ende 2028 abgeschlossen werden. Der neue Campus Fechenheim liegt nur etwa einen Kilometer von den 15 Rechenzentren entfernt, die das inzwischen zur Digital-Realty-Gruppe zählende Unternehmen bereits im Ostend betreibt. So viele Menschen wie zu Neckermann-Zeiten werden nicht mehr auf dem Areal arbeiten. Mehr als 100 Arbeitsplätze allein im technischen Bereich werden es, wie Jens Prautzsch, der Geschäftsführer von Interxion Deutschland, sagte, aber schon sein.

Das Areal Das frühere Neckermann-Gelände an der Hanauer Landstraße im Osten Frankfurt ist gut 24 Hektar groß. Interxion hat im Februar eine 10,7 Hektar große Teilfläche erworben. Der andere Teil gehört einer Tochter der türkischen Sinpas Holding. Der Versandhändler Neckermann zog Anfang der 1960er Jahre auf das Gelände, dessen von Egon Eiermann entworfenes 256 Meter langes und 62 Meter breites Hauptgebäude heute denkmalgeschützt ist. Das Aus für das Unternehmen im Jahr 2012 kostete mehr als 2000 Menschen ihren Job. Inzwischen haben sich auf dem Areal, das zeitweise als Flüchtlingsunterkunft diente, unter anderem der Logistiker DB Schenker und das Computerspieleunternehmen Crytek angesiedelt. cm Die Stadt Frankfurt und Interxion haben sich bereits auf mögliche Lösungen für den Umgang mit den von Egon Eiermann gestalteten denkmalgeschützten Gebäuden im Areal verständigt. Die Fassade des früheren Hauptgebäudes soll samt der Erschließungstürme und anderer großer Teile der Gebäudestruktur erhalten bleiben. Auch das Kesselhaus, das Pförtnerhaus und die frühere Personalkontrolle werden nach den vor Journalisten vorgestellten Plänen nicht abgerissen.

Die nach ersten Entwürfen L-förmigen Neubauten sollen, von der Hanauer Landstraße aus gesehen, hinter dem zum Teil noch vermieteten langgestreckten Hauptgebäude entstehen. Prautzsch versprach, dass insbesondere die Fassaden, die von der Hanauer Landstraße und von der Hugo-Junkers-Straße aus zu sehen sein werden, architektonisch ansprechend würden. Interxion will nur Strom aus erneuerbaren Energien verwenden und die Abwärme der Rechenzentren nutzen.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) lobte die Pläne als Glücksfall. Nach Jahren des weitgehenden Stillstands auf dem Areal gebe es nun einen Nutzer, der adäquat mit dem Denkmalschutz umgehen wolle. Die Investition stärke zudem den Digitalstandort weiter. Die riesigen Kapazitäten der Rechenzentren in der Stadt seien angesichts der fortschreitenden Digitalisierung ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

Josef äußerte die Hoffnung, dass auf dem Campus Möglichkeiten für Start-ups entstünden. Im Gespräch ist zudem die Einrichtung eines kleinen Internetmuseums.

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