Kevin Heiko Reinhold (hinten) und seine Mitstreiter geben dem Kiosk „Kayo“ in der Rebstöcker Straße einen neuen Anstrich.
+
Kevin Heiko Reinhold (hinten) und seine Mitstreiter geben dem Kiosk „Kayo“ in der Rebstöcker Straße einen neuen Anstrich.

Nazis in Frankfurt

Nazisymbole überstrichen

Jugendliche der Bildungswerkstatt des Internationalen Bunds überstreichen Nazisymbole am Kiosk „Kayo“. Von der Aktion erhoffen sich die Verantwortlichen auch eine gute Wirkung auf die Bildung der Jugendlichen.

Von Timur Tinç

Mit kräftigen Zügen schiebt Kevin Heiko Reinhold die Streichrolle auf und ab. Der 19-Jährige steht am Montagmorgen mit mehreren Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Bildungswerkstatt des Internationalen Bunds (IB) vor dem Kiosk Kayo in der Rebstöcker Straße und streicht die Außenwand in einem knalligen orange.

Vor fünf Monaten waren Hakenkreuze und antimuslimische Parolen an die Wand des Kiosk geschmiert worden. „Dagegen wollten wir ein Zeichen setzen. „Wir wollen keine Nazisymbole in der Nachbarschaft“, sagt Sozialarbeiter Timo Gaßmann, denn das IB-Büro befindet sich nur unweit des Kiosks. Gesagt getan: Schon einen Tag nach dem Vorfall im Januar hatten Jugendliche die Hakenkreuze mit weißer Farbe überstrichen. Bis sie jetzt den kompletten Kiosk streichen konnten, musste der IB auf die Zustimmung vom Liegenschaftsamt, denen das Gelände gehört und des Stadtplanungsamts warten.

„Geniale Idee“

In der Zwischenzeit waren die Jugendlichen kreativ, haben Entwürfe gezeichnet, wie die Wände gestaltet werden könnten: Am Ende fiel die Wahl auf eine schwarze Skyliners, in gleicher Farbe und großen Lettern der Name der Stadt sowie in weiß: zwei Hände, die ein Herz umschließen und einen Lebensmittelkorb.

„Das ist fantastisch, eine geniale Idee“, findet Kioskbesitzer Kayahan Kök, den alle nur „Kayo“ nennen. Für ihn war es ein absoluter Schock, als er die Hakenkreuze an seinem Kiosk gesehen hat. „Da geht einem, einiges durch den Kopf“, sagt Kök. Passiert sei nach dem Vorfall aber nichts mehr. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten die Jugendlichen des IB schon viel früher mit Streichen anfangen können. „Das wird für das Umfeld eine schöne Wirkung haben“, glaubt Kök.

Eine gute Wirkung erhofft sich Timo Gaßmann von der Aktion auch für die Bildung der Jugendlichen. „Wir haben mehrere Themeneinheiten zur Nazizeit gemacht“, berichtet der Sozialarbeiter. Dafür waren sie zu Führungen auf dem anliegenden Teves-Gelände und den Adlerwerken. Zuvor hat der Internationale Bund auch an der Aktion im Gallusviertel: „Kein Platz für Rassismus“ mitgemacht.“ Von den 20 Jugendlichen, die für das Streich-Projekt vorgesehen waren, sind am Montag nur noch die Hälfte da. „Die anderen haben mittlerweile eine Ausbildung erhalten oder machen ein Praktikum“, sagt Gaßmann.

Kevin Heiko Reinhold findet es gut, sich mit der Nazi-Zeit zu befassen. „Ich kann einfach nicht verstehen, warum die so etwas machen“, sagt der 19-Jährige, der mal ein Praktikum bei einem Maler gemacht hat. Vor allem für den Besitzer seien solche Schmierereien ziemlich schlimm. „Die Leute können ja sonst was von ihm denken.“ Damit erst niemand auf falsche Gedanken kommt, nimmt Reinhold den Streichroller wieder in die Hand und schiebt ihn kräftig rauf und runter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare