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Christof Schenck, Direktor der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, warnt vor dem Aussterben von Arten.

Wissenschaft 

Naturschützer lernen in Frankfurt Management

Die Frankfurt Spring School bildet junge Ökologen aus der ganzen Welt zu Projektleitern aus.

Issah Mulilo arbeitet eigentlich im North Luangwa Nationalpark in Sambia, wo er mit anderen Tierschützern Spitzmaulnashörner und Elefanten vor Wilddieben schützt. Heute ist Issah Mulilo in Frankfurt, als einer von 30 jungen Menschen, die aus mehreren Ländern angereist sind, um an der „Frankfurt Spring School“ teilzunehmen. Diese „Frühlingsschule“ ist ein vierwöchiges Programm an der Goethe-Universität, in dem Naturschützer lernen, wie Projektmanagement funktioniert.

Issah Mulilo freut sich sichtlich auf die kommenden Wochen. Der Naturschützer aus Sambia weiß, was er von der Spring School mitnehmen will. „Wissen“, sagt er, über Projektmanagement, aber auch über Biodiversität. Das Wissen kann er gut gebrauchen, er arbeitet gerade an einem Projekt, das die Elefantenpopulation im North Luangwa analysiert.

Der Wissenschaftler will herausfinden, wie sich die zunehmende Zahl an Elefanten auf die Population der vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashörner auswirkt. Mulilo ist aber nicht der Einzige, der eine konkrete Projektidee umsetzen will. Er und fünf weitere Studenten aus Südamerika, Afrika und Südostasien sind Stipendiaten der Stiftung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Sie alle eint ein Ziel: Sie wollen am Ende der Spring School 50 000 Euro an Projektförderung bekommen. Diese Summe zahlt die KfW-Stiftung an bis zu drei Stipendiaten, die eine besonders überzeugende Projektidee haben.

Der Gedanke hinter der 2017 gegründeten Spring School ist der, jungen Ökologen Inhalte zu bieten, die sich normalerweise nicht auf ihrem Lehrplan finden. Experten aus der ganzen Welt lehren die wissbegierigen Studenten in Seminaren, Workshops und Ausflügen Kernelemente des Projektmanagements. Dennis Hillemann ist einer der Lehrenden: Der Rechtsanwalt von der Unternehmensberatung KPMG bringt den Teilnehmern bei, wie man öffentliches Geld klug einsetzt. Weitere „Professionals“ kommen unter anderem von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und dem Umweltverband WWF. Sie führen die Studenten in Öffentlichkeitsarbeit, Projektplanung und Personalmanagement ein.

Auch was Timothy Babb über sein Projekt erzählt, macht neugierig: Der junge Geograf aus Guyana arbeitet an der Kartografierung des Kaieteur-Nationalparks. Er will Drohnen nutzen, um detailgenaue Karten der Dschungellandschaft, besonders der dortigen Wasserfälle, erstellen zu können. Die Drohnen filmen aber nicht nur die grüne Landschaft; die Fluggeräte werden bereits genutzt, um Kriminellen auf die Schliche zu kommen, die in dem Nationalpark illegal Gold schürfen.

Dass die Spring School für die Organisatoren eine Herzensangelegenheit ist, merkt man. „Danke, dass sie sich um die Zukunft meiner Enkel kümmern“, sagt Studiendekan Ernst Stelzer bei der Einführung. Für ZGF-Direktor Christof Schenck bringt die Spring School mit dem „Conservation Project Manager“ sogar einen Beruf hervor, der im kommenden Jahrzehnt eine zentrale Rolle spielen wird. In Zeiten von Klimawandel und Bevölkerungswachstum brauche man Experten, um diese komplexen Probleme zu lösen, sagte er.

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