Frankfurt-Nordend

Naturfreunde bangen um geschützte Kastanie an Glauburgstraße

Nordend Der Baum soll für einen Neubau am Oeder Weg gestutzt werden. Die Arbeiten werde die Kastanie nicht überleben, sagen die Nachbarn.

Die Kastanie im Hinterhof der Glauburgstraße 86-88 ist alt und groß. Fast 30 Meter hoch ragt sie in die Höhe. Jahrelang verdeckten nur einige Garagen und ein flacher Bau eines Kfz-Sachverständigenbüros den Riesen. Doch in naher Zukunft soll ein viergeschossiger Neubau die Baulücke schließen. Die Eigentümer des Baums, der auf dem Grundstück Oeder Weg 122 steht, sorgen sich. Sie befürchten, dass die unter Baumschutz stehende Kastanie durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen wird und haben bei der Bauaufsicht und der Unteren Naturschutzbehörde Alarm geschlagen. Am Mittwoch wurden die ersten Äste zurückgeschnitten.

„Wir haben Angst, dass der Baum verletzt wird und abstirbt“, sagt Anwohnerin Aleksandra Feiner. Denn die Bauaufsicht hat für das geplante Mehrfamilienhaus mit 14 Wohnungen an der Glauburgstraße bereits eine Baugenehmigung erteilt. Der Erhalt der Kastanie auf dem Nachbargrundstück Oeder Weg war dafür Voraussetzung. Die Untere Naturschutzbehörde wurde an dem Genehmigungsverfahren beteiligt und hat ihre Zustimmung erteilt. Zum Schutz der Kastanie wurden mehrere Auflagen aufgenommen, sagt Martin Müller vom Umweltamt. „Wir möchten sie so gut es geht erhalten.“

So dürfe die Tiefgarage nicht in der ursprünglich geplanten Größe errichtet werden. Rund um die Wurzeln werde der Boden entsiegelt. Auch musste der Bauherr zwei Gutachten erstellen lassen. Darin heißt es, dass der Baum aufgrund der guten Vitalität und seiner Größe den nötigen Rückschnitt verkrafte, sofern eine fachkundige Durchführung gewährleistet wird.

Besitzer fühlen sich enteignet

Das sehen die Eigentümer des Baums anders. Einerseits widersprächen sich die Expertisen, sagt Feiner. Auch werde der Fokus auf die Wurzel gelegt und der Schaden an der Krone bagatellisiert. Sie hat mit den anderen vier Parteien ihres Hauses ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. In diesem wird dargelegt, dass die Kastanie enorm beschädigt wird, wenn die Äste – wie vom Sachverständigen des Bauherrn gefordert –, geschnitten werden. Um den Baum zu erhalten, sei vielmehr ein jahrelanges, behutsames Rückschneiden bei gleichzeitiger natürlicher Düngung nötig.

Feiner und die anderen Eigentümer fühlten sich wie enteignet, sagt sie. Sie hätten keine Handhabe, den Bau zu verhindern. „Und wenn die Kastanie abstirbt, haben wir die Haftung.“ Nach Ansicht der Bewohner des Oeder Wegs 122 hätte das Bauprojekt in seiner geplanten Dimension nicht genehmigt werden dürfen. Einerseits hätte der Bauherr den benachbarten Baum deutlich kleiner dargestellt, als er tatsächlich sei. Auch werde mehr gebaut, als eigentlich zulässig sei.

Bauherr ist die Delom GmbH, die auch den Glauburgbunker abreißen will und dort einen Neubau plant. Auf Anfrage der FR wollte sich der Projektentwickler nicht mehr zu dem Vorgang äußern. Der Eigentümer, Dominic Reinemer, hatte jedoch im März auf Anfrage mitgeteilt, dass die Kastanie „auf jeden Fall erhalten bleiben soll“ und der Neubau um den Baum herum gebaut werde.

Im Internet wird unter www.baustelle-glauburg86.de über die Planung informiert. Der Abriss erfolgte im Oktober. Wann es mit den Bauarbeiten losgehen soll, steht dort nicht. Die Fertigstellung sei für Ende 2021 geplant.

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