Kontra „Bad Banks“ in der Paulskirche

Ort von nationalem Rang

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Darf die Serie „Bad Banks“ in der Paulskirche gezeigt werden? Sollte man sogar über einen Umzug des Stadtparlaments in das Gebäude reden? Auf keinen Fall. Ein Kommentar.

Die Historiker sind sich nicht ganz einig darüber, wie viele gewählte Abgeordnete 1848 in der Frankfurter Paulskirche aus ganz Deutschland zur ersten Nationalversammlung zusammenkamen. Die Zahlen in der Literatur schwanken zwischen 799 und 830. Klar waren aber von Anfang an der nationale Rang und die nationale Bedeutung dieses Gebäudes.

172 Jahre später droht diese Erinnerung zu verschwimmen. Nur so lässt sich die jüngste Entwicklung rund um die Paulskirche erklären. Da ist zum einen der Vorstoß des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD), das Stadtparlament möge doch künftig in dem Gebäude tagen. Die Paulskirche ist aber tatsächlich kein Ort für Kommunalpolitik.

Es wären umfassende Umbauten nötig, um 93 Stadtverordnete einschließlich eines zahlenmäßig geringen Publikums auf einer Fläche unterzubringen, die heute 960 Sitzplätze umfasst. Aber das ist nicht das Entscheidende. Die Paulskirche sollte der Ort für die Anlässe bleiben,mit denen sich Frankfurt auf nationaler Ebene zu Wort meldet. Wie etwa mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, des Goethepreises und des Adorno-Preises und anderer Auszeichnungen von nationaler Bedeutung. Zu nennen ist hier auch der Festakt aus Anlass des Jahrestages der Deutschen Einheit, der immer wieder über Frankfurt hinaus ausstrahlt.

Die Paulskirche sollte kein Ort für ausgesprochen parteipolitische Veranstaltungen und Auseinandersetzungen sein. Und fragwürdig ist es auch, die Premiere der Fernsehserie „Bad Banks“ in den Bau zu verlegen. Da hilft es auch nichts, dass die durchaus sehenswerte erste Staffel mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden ist.

Nein, in der gegenwärtigen Entwicklung rund um die Paulskirche gehen schlicht die Maßstäbe verloren. Das ist umso bedauernswerter, als Oberbürgermeister Feldmann und die Römer-Koalition den Ort doch gleichzeitig als nationales Symbol für Meinungsfreiheit und Toleranz aufwerten wollen. Das passt alles nicht zusammen.

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