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Natalie Becker: „Frankfurt braucht ein grünes Stadtoberhaupt“

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Von: Georg Leppert

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Natalie Becker führt die Geschäfte der Frankfurter Grünen.
Natalie Becker führt die Geschäfte der Frankfurter Grünen. © Renate Hoyer

Die neue Geschäftsführerin der Grünen, Natalie Becker, spricht im FR-Interview über die gestiegene Mitgliederzahl, die Tücken von Onlineformaten und die nächste OB-Wahl.

Vor wenigen Tagen hat Natalie Becker ihr Amt als Geschäftsführerin der Frankfurter Grünen angetreten. Die 34-Jährige will neue Strukturen schaffen, um auf die stark gestiegene Zahl der Parteimitglieder zu reagieren.

Frau Becker, die Frankfurter Grünen haben derzeit 1800 Mitglieder, die Partei wächst rasant. Wie wollen Sie auf diese Entwicklung reagieren?

Wir wollen alle Mitglieder einbinden. Und das geht mit Präsenzveranstaltungen, die jetzt zum Glück bald wieder möglich sind, wesentlich besser als bei reinen Onlineformaten. Wir werden ein Sommerfest feiern und deutlicher auf unsere Arbeitsgemeinschaften hinweisen. Wer sich aktiv einbringen möchte, soll dazu auch Gelegenheit bekommen.

Bei den Kreismitgliederversammlungen rund um die Kommunalwahl kam es zu einigen Abstimmungen mit überraschendem Ausgang – etwa zur Liste der Kandidierenden oder zum Wahlprogramm. Viele neue Mitglieder hatten die Ideen des Vorstands über den Haufen geworfen. Ist das System, das alle Mitglieder über sämtliche Fragen in der Partei abstimmen können, noch zeitgemäß?

Diese Form der Basisdemokratie ist elementar für uns Grüne. Daran werden wir nichts ändern. Es ist gut, dass die Mitglieder das letzte Wort haben. Da kommt es auch schon mal zu vermeintlichen Überraschungen. Das hatte zuletzt auch mit dem OnlineFormat zu tun, bei dem Zwischengespräche kaum möglich sind. Wir hoffen sehr, dass wir unsere Mitgliederversammlungen künftig wieder im gewohnten Format anbieten können.

Zur Person

Natalie Becker hat das Amt der Kreisgeschäftsführerin von Daniela Cappelluti übernommen, die sechs Jahre lang Geschäftsführerin war und mittlerweile in der Kämmerei arbeitet.

Die 34-Jährige war zuletzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Fulda im Fachbereich Oecotrophologie tätig. Dem Vorstand der Grünen gehörte sie als Beisitzerin an. Diesen Posten hat Becker nun aufgegeben. geo

Im Kommunalwahlkampf und während der Koalitionsverhandlungen kam wieder die Diskussion über die beiden Lager bei den Grünen auf. Die idealistisch sehr links eingestellten Mitglieder, die oft erst seit kurzem in der Partei sind, und die etablierten und erfahrenen Grünen, die sich auch eine Zusammenarbeit mit der CDU vorstellen können. Nehmen Sie diesen Streit wahr?

Ich würde nicht von Streit sprechen. Natürlich stelle ich fest, dass es bei uns die von Ihnen beschriebenen Strömungen gibt. Zwischen den Gruppen wird diskutiert, da geht es um die Ausrichtung der Partei. Aber das schadet uns nicht. Solche Gespräche bringen die Partei weiter.

Die Grünen sind nun bei vier Wahlen in Folge stärkste Kraft in Frankfurt geworden. Wie verändert dieser Erfolg die Partei?

Wir müssen uns breiter aufstellen. Wir haben nicht einfach mal eine Wahl gewonnen, sondern haben unsere Position als die Partei mit dem besten Wahlergebnis in Frankfurt gefestigt. Das ist schön, es heißt aber auch: Wir werden nicht nur für den Klimaschutz gewählt. Wir müssen auf allen Politikfeldern stark sein und unsere Lösungen in allen Bereichen stärker in der Öffentlichkeit zeigen. Das klingt leicht, aber trotz der Mitgliederentwicklung sind wir verglichen mit CDU und SPD noch eine kleine Partei.

Die Grünen im Römer fordern den Rücktritt von Oberbürgermeister Peter Feldmann, sollte die Korruptionsanklage gegen ihn zugelassen werden. Sind die Grünen auf eine Neuwahl vorbereitet?

Sie werden von mir jetzt keinen Namen hören, welchen Kandidaten oder welche Kandidatin wir ins Rennen schicken. Aber natürlich gibt es im Hintergrund dazu Gespräche. Wir wären auch für eine kurzfristig anberaumte Neuwahl so gut aufgestellt, dass wir gewinnen können. Frankfurt braucht ein grünes Stadtoberhaupt.

Interview: Georg Leppert

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