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Die Fritz-Kissel-Siedlung in Sachsenhausen. 

Kissel-Siedlung in Sachsenhausen

Nassauische Heimstätte: „Wir werden die Mieten nicht erhöhen“

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Die Nassauische Heimstätte stockt die Kissel-Siedlung in Sachsenhausen auf. Monika Fontaine-Kretschmer und Constantin Westphal erläutern die Baupläne.

Monika Fontaine-Kretschmer (56) und Constantin Westphal (54) sind Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt. Mit Thomas Hain bilden sie die Unternehmensspitze.

Fontaine-Kretschmer ist Diplom- Geografin. Sie arbeitet seit 1991 bei der Nassauischen Heimstätte, seit 2016 als Mitglied der Geschäftsführung. Westphal, Bankkaufmann und Jurist gehört seit 2013 der Geschäftsführung an.

Frau Fontaine-Kretschmer, Herr Westphal, die Nassauische Heimstätte will Häuserzeilen in der Fritz-Kissel-Siedlung in Sachsenhausen aufstocken. Welches Potenzial für zusätzliche Wohnungen bietet sich dort?
Monika Fontaine-Kretschmer:72 Wohnungen könnten auf unseren Gebäuden entstehen. Es gibt noch andere Wohnungsunternehmen in der Nähe, die ebenfalls aufstocken wollen…

Sie meinen die Vonovia…
Fontaine-Kretschmer: Ja, wir werden dort mit Vonovia zusammenarbeiten, die nach unserer Kenntnis 48 neue Wohnungen schaffen kann. Grundsätzlich wollen wir unsere Häuserzeilen jeweils um eine Etage aufstocken, lediglich bei den fünf Punkthäusern könnte es aufgrund der vorhandenen Dachgeschosssituation gelingen, dass es am Ende sogar zwei Etagen werden.

Die Nassauische Heimstätte mit Sitz in Frankfurt zählt mit rund 60 000 Wohnungen an rund 140 Standorten zu den größten deutschen Wohnungsunternehmen. Sie gehört mehrheitlich dem Land Hessen.

Gab es auch die Idee, alle Wohngebäude um zwei Geschosse aufzustocken, wie es die Wohnungsgesellschaft ABG an der Platensiedlung in Ginnheim tut?
Constantin Westphal:Nein, das war von Anfang an nicht unser Ansatz. Auch weil das Ensemble geschützt ist. Wenn wir je ein Stockwerk aufsetzen und sich das in die Typologie der Gebäude und der Siedlung einfügt, hat der Denkmalschutz nichts dagegen. Das haben wir geklärt.

Setzen Sie auf Holzmodule?
Fontaine-Kretschmer:Ja, wir analysieren gerade die Preise. Wir haben vor, die Arbeiten nächstes Jahr zu beginnen und bis 2021 alles abgeschlossen zu haben.

Was wird aus den großen Grünflächen zwischen den Häuserzeilen?
Westphal:Sie werden nicht bebaut. Die Grünflächen mit den großen Bäumen gehören zum Charakter der Siedlung. Einzelne Bereiche zwischen den Häusern werden allerdings als Stellplätze genutzt werden. Wir werden zudem in Leichtbauweise ein Parkhaus errichten.

Wieso ist das nötig? Die Stadt ist doch mittlerweile großzügiger bei den Stellplatzauflagen, wenn nur aufgestockt wird.
Westphal:Das ist sie. Klar ist: Wir werden nicht für jede Wohnung einen Stellplatz errichten müssen. Wir hoffen, die Anzahl der Plätze noch ein wenig herunterhandeln zu können. In Nähe der Siedlung sind schließlich zwei S-Bahn-Stationen und drei Straßenbahnhaltestellen. Viel besser angebunden geht es nicht.

Sind Mietergärten ein Thema?
Westphal:Bislang nicht. Der Charakter der Siedlung mit den großen zusammenhängenden Grünflächen sollte so bewahrt werden.

Was tun Sie, um die Belastung der Bestandsmieter gering zu halten?
Fontaine-Kretschmer:Mit den vorgefertigten Elementen versuchen wir, die Bauzeit deutlich zu verkürzen. Es wird zudem wenig Material gelagert, es gibt also auch weniger Baustellenverkehr. Wir werden außerdem eine Informationsmöglichkeit vor Ort für unsere Mieter einrichten.

Monika Fontaine-Kretschmer und Constantin Westphal zeigen Pläne zur Aufstockung der Kissel-Siedlung in Frankfurt-Sachsenhausen.

Nachverdichtung löst Ängste aus. Es wird voller, lauter, viele werden befürchten, dass die Mieten steigen könnten.
Westphal:Diese Angst können wir ihnen nehmen. Wir werden die Mieten nicht erhöhen. Wir schaffen zudem keine Luxuswohnungen, sondern ganz normale Wohnungen für Familien. Bisher gibt es in der Siedlung lediglich Grundrisse mit 40 und 65 Quadratmetern. Die Mieter dort sind im Schnitt eher älter. Wir haben aber viele Familien, die wachsen und etwas größeres, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen, suchen. Wir erweitern unser Angebot an Wohnungsgrößen.

Die Mieten für die freifinanzierten Wohnungen orientieren sich am Mietspiegel

Was werden die neuen Wohnungen kosten?
Westphal:30 Prozent entstehen als geförderter Wohnungsbau. Auch damit tragen wir zur Mischung bei. In der Kissel-Siedlung ist der Anteil geförderten Wohnraums, anders als in der Heimat-Siedlung direkt gegenüber, in der es nur Sozialwohnungen gibt, bisher sehr gering. Die Mieten für die freifinanzierten Wohnungen orientieren sich am Mietspiegel.

Könnten Sie dort nicht auch frei finanziert günstig bauen? Kaltmieten von zehn Euro pro Quadratmeter anstreben? Es fallen ja keine Grundstückskosten an.
Westphal:Wir streben immer günstiges Bauen an. Wir müssen aber kostendeckend arbeiten.
Fontaine-Kretschmer:Man muss ganz klar sagen: Dachaufstockungen sind an sich schon nicht die preiswerteste Form des Neubaus. Nun spüren wir aber auch noch eine enorme Preisentwicklung. In ganz Deutschland ist die Aufstockung inzwischen ein Thema. Die Anbieter werden überrannt – und müssen nicht günstig sein, um zum Zuge zu kommen. Wir bauen zudem energetisch sehr hochwertige Wohnungen, was für die Mieter den positiven Effekt niedriger Nebenkosten hat.

Inwiefern ist, was Sie in der Kissel-Siedlung planen, in anderen Frankfurter Siedlungen möglich?
Fontaine-Kretschmer:Es gibt immer wieder neue Herausforderungen, eine solche Maßnahme ist nicht zwangsläufig eine Blaupause für andere Projekte. Wir schauen uns jede Siedlung genau an, besonders intensiv, wenn ohnehin eine Modernisierung ansteht. Was lässt die Statik zu? Wie sind die Bebauungspläne? Was hat die Stadt für das Areal vor? Auch das Thema Stellplätze ist jedes Mal zu klären.

Nach Abriss und Neubau wird sich die Wohnfläche mehr als verdoppeln

Die Nassauische Heimstätte will ihren Bestand von etwa 60 000 auf 75 000 Wohnungen erhöhen. Welche Rolle spielt dabei die Nachverdichtung von Siedlungen?
Fontaine-Kretschmer:Sie wird hier in Frankfurt quantitativ nicht die entscheidende Rolle spielen. Es geht bei der Nachverdichtung eher darum, punktuell sozialverträgliche neue Quartierslösungen zu finden. Die 15 000 zusätzlichen Wohnungen werden wir in erster Linie durch Neubau und Ankauf schaffen.
Westphal:Im Wirtschaftsplan für die kommenden Jahre gehen wir von 320 neuen Wohnungen durch Aufstockung aus. Dazu kommen aber 2700 Wohnungen, die durch Ergänzungsbauten oder Abriss und Neubau von Wohnungen entstehen. Große Projekte haben wir etwa in Darmstadt, Wiesbaden und Hanau vor.

Lesen Sie hier, welche Probleme eine Nachverdichtung mit sich bringt

Werden Sie auch in Frankfurter Siedlungen Bestandshäuser durch Neubauten ersetzen?
Westphal:Nein, aktuell nicht.
Fontaine-Kretschmer:In Kelsterbach haben wir das getan. Dort handelte es sich aber um Schlichtwohnungen mit schlechter Bausubstanz. Nach Abriss und Neubau wird sich die Wohnfläche mehr als verdoppeln. Eine Nachverdichtung, die auch für andere Siedlungen Modell sein könnte, haben wir an der Vatterstraße am Frankfurter Riederwald ausprobiert. Dort haben wir acht Satelliten mit jeweils vier Wohnungen zwischen die Häuserzeilen gesetzt, haben in Kombination mit einer Modernisierung Kosten optimiert und können die Neubauwohnungen nun für 8,60 Euro pro Quadratmeter vermieten.

Das Frankfurter Planungsdezernat geht davon aus, dass es in Siedlungen wie denen der Nassauischen Heimstätte oder der ABG ein Potenzial für 7000 neue Wohnungen gibt. Ist das zu hochgegriffen?
Fontaine-Kretschmer:Nein, das erscheint mir eine vernünftige Bestandsanalyse. Wenn man genauer hinschaut, zerplatzen aber einige Vorhaben. Zum Beispiel wegen des oft geschützten Baumbestands in den Siedlungen oder weil es Probleme mit Rettungswegen und den Feuerwehrzufahrten gibt.

Interview: Christoph Manus

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