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Bei der Ernte in Peru.

Schokolade

Frankfurter Schokoladenfirma wird für Nachhaltigkeit geehrt

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Die Frankfurter Schokoladenfirma Perú Puro wird für Nachhaltigkeit geehrt und steht im Finale der Schoko-WM.

Gut möglich, dass Frankfurt nach Jürgen Grabowski, Betty Heidler, Michael Groß und Co. demnächst zu weiteren Weltmeisterehren kommt: Bei den International Chocolate Awards, der „Weltmeisterschaft der Schokoladen“, ist das Frankfurter Unternehmen Perú Puro gleich in zwei Kategorien bis ins Finale vorgedrungen. Und für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis sind die Schokolademacher vom Main ebenfalls nominiert.

Die Freude ist groß. „So etwas gibt einem natürlich Glaubwürdigkeit“, sagt Arno Wielgoss, der Perú Puro seit vier Jahren gemeinsam mit Frauke Fischer führt. Seine Familie gründete die Firma schon 2000.

„Das Unternehmen bezieht den Kakao direkt von 45 Kleinbauern in Perú und lässt ihn zu hochwertigen Produkten verarbeiten“, schreibt die Jury des Nachhaltigkeitspreises in ihrer Begründung, warum sie die Firma aus dem Nordend unter 800 Bewerbern in die Top 30 wählte: „Für Perú Puro sind die Kleinbauern von Beginn an Partner auf Augenhöhe.“ Weil die Frankfurter gemeinsam mit dem Verein „Frederic Hilfe für Peru“ auch in die Aus- und Weiterbildung der Kleinbauern investiere, trügen die Kleinbauern mit dem erworbenen Wissen aktiv zum Schutz des umliegenden Regenwaldes bei. Auch an der Gründung einer Frauenkooperative vor Ort habe sich Perú Puro maßgeblich beteiligt; erstmals seien darin Frauenrechte institutionalisiert vertreten.

Die Biologin Fischer und der Biologe und Agrarökologe Wielgoss sind folglich nicht nur am Produkt interessiert. „Als Tropenbiologen mit jahrelanger Arbeitserfahrung in Afrika, Asien und Lateinamerika haben wir gesehen, was Regenwaldzerstörung und Armut bedeuten“, betonen sie, wenn’s um die Motivation geht: „Wir wollen nicht nur reden, sondern etwas dagegen machen!“

Also sind sie bei der Kakaoproduktion in Peru jedes Jahr persönlich mit dabei, von der Pflanze über die Bohne bis zum Rösten und Mahlen, kümmern sich um faire Bedingungen für die Bauern und beste Qualität des fertigen Produkts, das sie „besser als bio“ nennen, weil sie selbst strengere Maßstäbe anlegten, als es die Bio-Zertifizierung erfordere. Künstliche Dünger sind tabu, die Brandrodung ebenfalls – es seien sogar 100 000 neue Bäume gepflanzt worden.

Dass es am Ende auch noch schmeckt, beweist die Nominierung für die Finalrunde der Schoko-WM. „Ich weiß ja, was wir an Qualität haben“, sagt Wielgoss. „Wir haben unseren Kakao, eine sehr alte Sorte, zu einem der besten Chocolatiers der Welt gebracht.“ Der Familie sei es von Anfang an darum gegangen, ein herausragendes Produkt herzustellen, dass den Wert der Arbeit steigert, die die Bauern verrichten. „Kakao ist normalerweise Massenware. Uns war klar: Wenn wir etwas reißen wollen für den Regenwald, dann klappt das nur, wenn wir uns auf absolutes Spitzenmaß hochschrauben.“

Noch mehr als die WM-Endrunde bedeutet den Frankfurter Schokoladenmachern aber die Nominierung für den Nachhaltigkeitspreis gleich bei der ersten Bewerbung. „Wir sind ein Betrieb mit zwei Personen“, sagt Wielgoss. „Wir hätten gar nicht gedacht, dass wir überhaupt wahrgenommen werden. Und jetzt sind wir schon eines der zehn nachhaltigsten Kleinunternehmen Deutschlands.“ Wie hoch hinaus es noch geht, wird der Herbst zeigen.

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