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In Porto gibt es die Seilbahn schon.

Verkehr

Nahverkehr in Frankfurt geht in die Luft

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Flugtaxen und Seilbahnen für Rhein-Main. Eine Utopie, die schon bald Wirklichkeit werden soll.

Flugtaxen, Seilbahnen. Beide Ideen wurden anfangs belächelt. Und auch jetzt können sich nur wenige vorstellen, dass der Nahverkehr in Rhein-Main auch in die Luft gehen könnte. Dabei sind die Vorbereitungen im vollen Gange.

„Per Lufttaxi zur Messe“ titelte die Frankfurter Rundschau Mitte Februar. „Fraport will den Verkehr am Boden mit elektrischen Zweisitzern entlasten.“ Science Fiction? Utopie? Nichts da. „In fünf bis zehn Jahren wollen wir in den Regelbetrieb gehen“, sagte Unternehmenssprecherin Yi-Chun Sandy Chen. Fluggäste sollen sich nicht mehr per Droschke durch den Straßenverkehr quälen müssen oder gar mit Otto Normalbürger die S-Bahn teilen. Sie steigen direkt am Airport um in einen autonom fliegenden Zweisitzer, der sie flott, sauber und bequem in die City bringt. Elektrisch, geräuschlos, sauber.

Die Drohne als Beitrag zur Entlastung des Straßenverkehrs. So verkauft Flughafenbetreiberin Fraport das europaweit einmalige Vorhaben, das sie mit der in Bruchsal ansässige Firma Volocopter realisieren will. Das Luftfahrt-Start-up rühmt sich, 2011 den weltweit ersten rein elektrischen Multikopter gestartet zu haben. 2016 erteilte ihm die deutsche Luftfahrtbehörde eine vorläufige Verkehrszulassung für einen Zweisitzer-Volocopter.

Den ersten autonomen Flug eines unbemannten Flugtaxis unternahmen die Baden-Württemberger dann 2017 in Zusammenarbeit mit der Straßen- und Transportbehörde Dubai. Am Frankfurt Airport soll nun an einem „Volocopter Port“ die Fluggastabfertigung sowie die Anbindung an bestehende Verkehrsmittel untersucht werden, heißt es. Das Luftverkehrsdrehkreuz mit mehr als 69,5 Millionen Fluggästen im vergangenen Jahr biete „ideale Rahmenbedingungen“ für die Kooperation.

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Auch die Seilbahn nimmt Fahrt auf. Erst jüngst beschloss der Landtag, mögliche Projekte aus einem 100-Millionen-Euro-Topf des Landes zu fördern. Erste Pilotstrecken werden bereits ausgelotet. Im Hochtaunuskreis von Schmitten über den Feldberg zur Hohemark in Oberursel könne eine Seilbahn entstehen, hatte der Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), Knut Ringat, vor wenigen Monaten gesagt. Inzwischen ist eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Begehrlichkeiten gibt es auch anderorts. Etwa im Wetteraukreis, wo die Niddertalbahn, die zwischen Bad Vilbel und Glauburg fährt, chronisch überlastet ist. Eine Machbarkeitsstudie ergab, dass eine Seilbahn technisch machbar, doch wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Im Süden der Region ist eine Seilbahnverbindung von Groß-Zimmern nach Darmstadt in der Diskussion, findet aber derzeit auch nicht ausreichend Anhänger.

Alle Experten sind sich allerdings einig, dass das Verkehrsmittel nicht Projekte verdrängen darf, die die großen Kapazitätsprobleme auf der Schiene lösen können. Der Ausbau des Bahnnetzes dürfe nicht vernachlässigt werden. Die Seilbahn eigne sich lediglich als Ergänzung.

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