Auch am Hauptbahnhof ist weit und breit keine Straßenbahn in Sicht.
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Auch am Hauptbahnhof ist weit und breit keine Straßenbahn in Sicht.

Warnstreik in Frankfurt

Menschenleere Haltestellen: Wie Fahrgäste auf den Streik reagierten

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Wegen des Streiks im Nahverkehr fuhren Straßen- und U-Bahnen in Frankfurt heute nicht. Manche Fahrgäste sind vom Streik überrascht.

  • In ganz Frankfurt standen am Dienstag die U-Bahnen und Straßenbahnen still.
  • Nicht jeder war auf den Streik vorbereitet, einige haben es trotz Ankündigung mit der U-Bahn versucht.
  • Viele reagieren auf den Warnstreik genervt, andere sehen es eher gelassen.

Frankfurt - Die U-Bahnsteige im Frankfurter Hauptbahnhof sind am frühen Dienstagmorgen auffällig leer. Dort, wo sonst die U4 und U5 die Menschen vom Bahnhofsviertel nach Preungesheim oder Enkheim bringen, herrscht heute Stille. Nur das Surren der Rolltreppen ist zu hören. Die Anzeigetafeln am Gleis weisen darauf hin, dass kein Zug kommen wird. Durch den bundesweiten Streik des Nahverkehrs fährt in der Mainmetropole an diesem Tag weder eine Straßenbahn noch eine U-Bahn.

Streik im Frankfurter Nahverkehr: Nicht alle sind vorbereitet

Nur wenige Minuten später finden sich am Ende des Bahnsteigs aber plötzlich doch ein Dutzend Leute ein. „Im Internet steht, dass jetzt gleich eine U-Bahn kommt“, sagt eine 20-jährige Frau auf Nachfrage. Sie sei aus Bensheim gekommen und müsse weiter zur Schule nach Bornheim. „Ich wusste gestern schon von dem Streik, aber da hier steht, dass die U-Bahn kommt, wollte ich es probieren“, erzählt sie und zeigt auf ihr Handy. Alternativ könne sie zwar die S-Bahn und den Bus nehmen, aber das werde eben entsprechend länger dauern. Stressen lassen werde sie sich von der Situation heute aber nicht, durch ihre täglichen Fahrten sei sie viel gewohnt.

Das sieht ein 19-Jähriger, der in der Nähe steht, etwas anders. „Das nervt mich“, sagt er unumwunden. Er müsse zur Konstablerwache und von da dann zur Schule. Die S-Bahn wäre seine Alternative, aber noch hat er etwas Zeit bis zum Stundenbeginn. Auch er, so stellt sich heraus, hofft auf die im Internet angekündigte ominöse Bahn, die bald kommen soll.

Doch die Menschen warten vergeblich auf den Zug. Eine Passantin kommt vorbei und ruft allen zu, dass heute keine U-Bahn fahre. Vielleicht war das der Impuls auf den viele gewartet haben, die Ansammlung löst sich auf und die Menschen gehen zur S-Bahn oder zum Ausgang. Manche zücken ihr Handy, um zu telefonieren oder eine Ausweichmöglichkeit zu suchen.

Weiter oben im Freien sieht die Straßenbahnhaltestelle am Hauptbahnhof genau so verwaist aus wie die U-Bahn-Gleise. Die zahlreichen Menschen, die sonst das Bild prägen, fehlen heute. Ein Mann und eine Frau von der Verkehrsgesellschaft VGF stehen allerdings am Bahnsteig. Sie werden hin und wieder von Reisenden angesprochen, die verzweifelt nach den Straßenbahnen suchen.

Warnstreik in Frankfurt: Straßenbahn und U-Bahn blieben heute stehen

Eine junge Frau schaut auf ihr Handy und scheint auch nicht so recht weiter zu wissen. „Ich muss eigentlich zur Arbeit an die Uniklinik, aber die Bahn fährt nicht.“ Die 28-Jährige aus Dietzenbach hatte zwar vom Streik gehört. „Aber ich dachte nicht, dass es heute ist und wusste auch nicht, dass die Straßenbahn betroffen ist.“ Wie sie nun zur Arbeit kommen soll, wisse sie nicht. „Wenn ich eine Alternative hätte, hätte ich Verständnis für den Streik. Aber so bin ich gerade ziemlich sauer.“

Weiter geht es zum Willy-Brandt-Platz. Auch dort ist die Straßenbahnhaltestelle bemerkenswert leer. Auf der B-Ebene der U-Bahn-Station hat immerhin der Bäcker geöffnet, auch wenn er um 8.30 Uhr fast noch sein gesamtes Sortiment vorrätig hat. Der Kiosk nebenan hat mangels Kundschaft heute gar nicht aufgemacht.

Warnstreik im Nahverkehr: Manche Frankfurter Reisende reagieren mit Verständnis

Aus Richtung der U-Bahnen kommt eine Frau angelaufen. „Ich wollte zum Flughafen zur Arbeit, aber vom Streik habe ich nichts gewusst“, sagt die 48 Jahre alte Frankfurterin. Jetzt werde sie wohl zum Hauptbahnhof müssen. Sie nimmt das Ganze sportlich: „Etwas laufen tut auch mal gut.“

Sie habe auch durchaus Verständnis für den Warnstreik im Nahverkehr. Oftmals seien es eben Menschen, die nicht so viel verdienten und zu Recht mehr Lohn für ihre Arbeit verlangten. „Bei manchen Fahrgästen tun mir die Fahrer wirklich leid“, sagt sie. Allerdings sei der Zeitpunkt des Streiks ungünstig, weil momentan keiner Geld habe.

Noch ein Stückchen weiter an der Hauptwache herrscht mehr Betrieb. An der Station fahren immer noch die S-Bahnen, jedoch weiter unten, wo sonst unter anderem die U-Bahn-Linien U1 bis U3 verkehren, ist es deutlich leerer. Trotzdem stehen auch dort wieder rund zehn Menschen und warten. „In der App steht, dass eine Bahn fährt“, sagt ein Mann aus Mainz. Der 24-Jährige muss zur Uni und hat vom Streiktag nichts gewusst. „Ich kriege so was nicht mit.“

Wenig später kommt eine Mitarbeiterin des RMV und klärt die Wartenden auf, dass heute keine U-Bahn fahren wird. Schnell bildet sich eine Schlange, weil jeder wissen will, wie er jetzt am besten an sein Ziel kommt.

Ein Mann, bei dem die Nachrichten der ausfallenden U-Bahnen gar nicht gut ankommt, sagt: „Das darf nicht wahr sein. Frankfurt ist am Arsch.“ Dann schultert er seinen Rucksack und zieht von dannen. Am Mittwoch sollen die Bahnen wieder regulär verkehren. (Von Steven Micksch)

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