+
Frankfurter Hauptbahnhof.

Polizeigewalt

Polizisten sollen Mann in Gewahrsamszelle am Frankfurter Hauptbahnhof genötigt haben

  • schließen

Der 21-Jährige hatte im Laufe der Festnahme einen Rippenbruch und eine Lungenverletzung erlitten und hätte dringende medizinischer Hilfe bedurft.

Wegen gemeinschaftlicher Nötigung und unterlassener Hilfeleistung müssen sich seit Donnerstag sieben aktive und ein ehemaliger Bundespolizist vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Den Männern im Alter zwischen 29 und 58 Jahren wird vorgeworfen, am 6. Dezember 2017 einem jungen Mann die Hilfe verweigert zu haben, als dieser schwer verletzt in einer Gewahrsamszelle der Bundespolizei im Hauptbahnhof eingesperrt war. Laut Anklage sollen drei der Beschuldigten den 21-Jährigen am Tattag gegen 20.15 Uhr in der B-Ebene des Hauptbahnhofs kontrolliert und dann gewaltsam mit auf das Revier der Bundespolizei genommen haben.

Der 21-Jährige hatte im Laufe der Festnahme einen Rippenbruch und eine Lungenverletzung erlitten und hätte der dringenden medizinischen Hilfe bedurft. Doch die angeklagten Bundespolizisten sollen diese Hilfe über Stunden verweigert haben. Stattdessen musste der Mann zwei Stunden nackt in der Zelle ausharren. Auf Videoaufnahmen aus der Gewahrsamszelle ist laut Anklage zu sehen, wie der 21-Jährige sich mehrfach krümmt und Schmerzen hat. Die Angeklagten schauten in unterschiedlicher Zusammensetzung in die Zelle rein, auch dies ist auf dem Video festgehalten.

Unterdessen hat sich im Frankfurter Stadtteil Bornheim eine Gewalttat ereignet: Eine junge Frau ist durch mehrere Messerstiche getötet worden. 

Frankfurt Hauptbahnhof: Rippenbruch nicht als Körperverletzung angeklagt

Am ersten Verhandlungstag vor der 17. Strafkammer wurde aus organisatorischen Gründen nur die Anklage verlesen. Die Verteidiger kündigten allerdings Aussagen ihrer Mandanten für den nächsten Verhandlungstag in der übernächsten Woche an. Die Kammer kündigte ihrerseits an, in der kommenden Woche auch das dreistündige Video in Augenschein nehmen zu wollen, das über das Geschehen in der Gewahrsamszelle zwischen etwa 20.30 und 23.30 Uhr Aufschluss gibt. Kontrolle und Festnahme hingegen sind nicht auf Video dokumentiert, da sie laut Polizei in einem Bereich der B-Ebene erfolgten, in dem es keine Videoüberwachung gibt.

Dies ist auch der Grund dafür, warum der Rippenbruch des Opfers selbst nicht als Körperverletzung angeklagt ist. Der Rippenbruch sei „ungeklärter Herkunft“, sagte Staatsanwalt Johannes Jacobi von Wangelin. Es ist demnach unklar, wann genau das Opfer den Rippenbruch erlitt und welcher der Beamten dafür verantwortlich ist.

Lesen Sie auch:  Mann brennt auf S-Bahn - Polizei wertet Videomaterial aus

Der 21-Jährige selbst tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf, und soll am 28. Oktober gehört werden. Ansonsten werde er der Verhandlung fernbleiben, kündigte seine Nebenklagevertreterin an.

Frankfurt: Rechtsanwalt verteidigt Handeln der Polizisten

Die Verteidigung hingegen war am Rande des Prozesses darum bemüht, das Opfer in ein schlechtes Licht zu rücken. Der 21-Jährige ziehe „eine perfide Nummer“ ab, sagte Rechtsanwalt Christoph Arnold. Der Fachanwalt für Verwaltungsrecht und Strafrecht aus Bonn hat sich darauf spezialisiert, angeklagte Polizisten vor Gericht zu vertreten. Im Frankfurter Prozess kümmert er sich um einen jener drei Beamten, die schon bei der Festnahme dabei waren. Der junge Mann sei an jenem 6. Dezember 2017 kontrolliert worden, weil er stark nach Marihuana gerochen habe. Er habe sich der Kontrolle widersetzt und ein Messer gezückt, berichtete der Verteidiger, der gleichwohl einräumte, dass die Festnahme „nicht ganz friedlich“ erfolgt sei. In der Zelle habe der Mann aber mehrfach ärztliche Hilfe angeboten bekommen, diese aber abgelehnt. Nackt sei der wegen Drogendelikten polizeibekannte Mann „aus Eigensicherung“ der Beamten geblieben. Dass er so lange auf eine Identitätsfeststellung und seine Kleider habe warten müssen, hänge damit zusammen, dass an diesem Abend im Revierbereich sehr viel los gewesen sei.

Lesen Sie auch: Geplanter Fernbahntunnel: Nicht alle ICEs halten unterirdisch

Rechtsanwalt Arnold räumte ein, dass in den vergangenen Jahren die Anzeigen gegen Polizisten wegen körperlicher Gewalt zugenommen hätten. Grund dafür sei aber das geänderte Anzeigeverhalten. So würden Opfer oder vermeintliche Opfer mittlerweile viel schneller Anzeige erstatten, da sie sich davon einen eigenen Vorteil erhoffen. So sei auch das Verfahren gegen den 21-Jährigen wegen Drogenbesitzes vorläufig eingestellt worden. Der Prozess wurde am 22. Oktober fortgesetzt. Dabei belastete ein Bundespolizist seine angeklagten Kollegen.

Von Oliver Teutsch

Auch der Prozess um Alexander Falk beschäftigt das Gericht in Frankfurt. Der Unternehmer ist dort wegen versuchten Auftragsmords angeklagt. Doch ein wichtiger Zeuge verweigert die Aussage. 

Ebenfalls in Frankfurt will ein Mann einem anderen helfen, der von mehreren Unbekannten belästigt wird. Doch dann wird er selbst angegriffen und schwer verletzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare