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Menschenrettung will gelernt sein. Am besten geht das mit Kunstnebel und einer menschengroßen Puppe.

Aktionstag

Nachwuchs werben mit Feuerball und Rauchzelt

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Die Frankfurter Jugendfeuerwehren stellen sich und ihr Können  am Mainufer vor.

Es ist ein nasskalter Samstagnachmittag am Mainufer, doch plötzlich wird es ganz warm: Auf Höhe des Eisernen Steges steigt ein meterhoher Feuerball empor. Das passiert also, wenn man auf die schlechte Idee kommt, brennendes Fett mit Wasser zu löschen. Damit nichts schiefgeht, müssen die Besucherinnen und Besucher während der geplanten Fettexplosion ein paar Meter zurücktreten.

Ansonsten aber lädt der Aktionstag der Frankfurter Jugendfeuerwehr zum Mitmachen ein. Die Geschwister Justus und Johanna sind mit Vater Johannes Nitzsche aus Hanau angereist. „Wir waren da in dem Rauchzelt“, beginnen beide im selben Moment zu erzählen. „Da hat man nichts gesehen“, fährt der achtjährige Justus fort. Dank des Aktionstages konnte er „mehr über die Feuerwehrarbeit erfahren“. Und Spaß gemacht hat es auch noch.

Das dürfte Denis Rasch von der Stadtjugendfeuerwehr gerne hören. Er ist für deren Öffentlichkeitsarbeit zuständig und sagt, dass „so gut wie keiner“ die 28 Jugendfeuerwehren Frankfurts kenne. Deshalb der Aktionstag, an dem sich neben den Jugendfeuerwehren auch die Minifeuerwehren, das Technische Hilfswerk (THW) und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) präsentieren – in diesem Jahr schon zum 24. Mal.

In den Jugendfeuerwehren können Zehn- bis 18-Jährige aktiv werden, die Lust auf Feuerwehrtechnik haben und wissen wollen, wie man einen Brand löscht. Minifeuerwehren setzen hingegen schon ab einem Alter von vier Jahren an – mit der sogenannten „Brandschutzerziehung“. Beide werden von Freiwilligen Feuerwehren angeboten, wie es sie vor allem in den äußeren Stadtteilen wie Schwanheim, Höchst oder Fechenheim gibt.

Große Nachwuchsprobleme sieht Rasch nicht: In Frankfurt ist die Zahl von 500 aktiven Jugendfeuerwehrlern zuletzt konstant geblieben. Schwierig sei es aber, an ältere Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren „ranzukommen“. Auch der Aktionstag richtet sich eher an potenzielle Minifeuerwehrmänner und -frauen unter zehn Jahren, was das Spielangebot angeht: Rollenrutsche, Heißer Draht und Hüpfburg – und ein Boot der Berufsfeuerwehr, das begutachtet werden darf.

Viele kämen über Familie oder Freunde zur Jugendfeuerwehr, sagt Rasch. Die 17-jährige Nicole Rühmkorf ist ein gutes Beispiel: Als sie 2010 bei der Jugendfeuerwehr Sindlingen anfing, war ihr Bruder schon als Feuerwehrmann aktiv. Ihre Eltern engagierten sich zudem im Förderverein. Heute ist Rühmkorf Gruppensprecherin der Sindlinger Jugendfeuerwehr – und damit Teil des stadtweiten Jugendforums, indem die einzelnen Jugendfeuerwehren zusammenkommen und sich austauschen. Gemeinsam mit Lucas Kümmel bietet sie am Stand des Jugendforums T-Shirts an. Kümmel ist 16 Jahre alt und der Ginnheimer Sprecher. Wenn er volljährig ist, will er „auf jeden Fall“ bei der Feuerwehr bleiben – sei es in Frankfurt oder in Hamburg, wo er hinzuziehen überlegt. Damit liegt er im Trend: „90 Prozent der Jugendlichen treten in die Einsatzabteilung über“, sagt Rasch. Für Rühmkorf kommt auch eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin in Betracht. Beide sind sich einig, was ihnen an der Jugendfeuerwehr am besten gefällt: der Teamgeist, „dass man sich aufeinander verlassen kann“, wie Kümmel es formuliert.

Kein Verlass ist an diesem Samstag jedoch auf das Wetter. Zwei Stunden früher als geplant beginnt deshalb der Abbau. Die Höhenrettung vom Eisernen Steg fällt komplett aus. Familienvater Johannes Nitzsche ist trotzdem zufrieden mit dem, was geboten ist: deutlich mehr als auf anderen Feuerwehrfesten, wo es seiner Meinung nach häufig nur ein Karussell und ein bisschen „Ausrüstung gucken“ gebe.

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