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Manche nächtigen am Flughafen, andere kommen nur tagsüber zum Flaschensammeln.
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Manche nächtigen am Flughafen, andere kommen nur tagsüber zum Flaschensammeln.

Obdachlosigkeit in Frankfurt

Nachtlager am Flughafen

  • Marie-Sophie Adeoso
    VonMarie-Sophie Adeoso
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Eine Sozialarbeiterin hilft Wohnungslosen, die sich in den Airport-Terminals aufenthalten, dort Flaschen sammeln oder auch übernachten.

Sie sammeln die Pfandflaschen, die Flugpassagiere vor der Sicherheitskontrolle zurücklassen, trocknen im Sommer ihre Wäsche auf Grünflächen neben dem Terminal oder schlafen nachts in weniger einsehbaren Winkeln des Frankfurter Flughafens, sitzend oder liegend, auf Bänken oder auf dem Boden. Bis zu 200 wohnungslose Menschen nutzen laut Diakonie den Flughafen zu unterschiedlichen Zeiten als Arbeits-, Aufenthalts- oder Übernachtungsort. Etwa 20 bis 40 von ihnen trifft Kristina Wessel pro Rundgang durch die Terminals, etwa 50 bis 60 nächtigen der Sozialarbeiterin zufolge regelmäßig am Airport.

Seit vergangenem September ist Wessel für das neue Diakonie-Projekt aufsuchender Sozialarbeit am Flughafen unterwegs. „Ich führe Beratungsgespräche und versuche, die Menschen in die Hilfssysteme der Stadt zu vermitteln“, erzählt sie am Montag bei einem ersten Pressegespräch zum Projekt. Sechs Personen habe sie bereits davon überzeugen können, den Flughafen zu verlassen und beispielsweise einen Übernachtungsplatz in einem Wohnheim in Anspruch zu nehmen.

Dass Wohnungslose sich am Flughafen aufhalten, sei schon seit Jahren bekannt, ergänzt Karin Kühn, Arbeitsbereichsleiterin Diakonische Dienste bei der Diakonie. Von der Wohnungslosenhilfe, etwa im Diakoniezentrum Weser 5, an das auch Wessels Stelle angedockt ist, hätten die Menschen am Flughafen aber bislang schon aufgrund der räumlichen Entfernung „nur punktuell“ mitbetreut werden können. Erst im vergangenen Jahr sei es gelungen, eine dreijährige Projektfinanzierung über die Stadt und den Landeswohlfahrtsverband zu sichern. Auch Flughafenbetreiberin Fraport unterstützt das Projekt, indem es ein Büro für Wessel zur Verfügung stellt.

Vertrauen gewinnen kostet Zeit

Wie auch in der sonstigen Stadt, kommen viele der Obdachlosen am Flughafen aus ost- und südosteuropäischen Ländern wie Bulgarien, Rumänien und Polen, aber auch Deutsche seien unter ihren Klienten, sagt Wessel. Bei ihren Beratungsgesprächen behelfe sie sich „mit einigen Brocken“ der jeweiligen Herkunftssprachen – oder nehme auch die Übersetzungshilfe der Multinationalen Informations- und Anlaufstelle für EU-Bürgerinnen und -Bürger (MIA) in Anspruch. Oft gehe es dabei um medizinische oder psychologische Hilfe, um die Klärung rechtlicher Fragen oder Unterstützungsansprüche. Ausländische Wohnungslose vermittle sie auch in die kostenlosen Deutschkurse der Teachers on the Road, um ihre Perspektiven bei der Arbeitssuche zu verbessern.

Sind laut Karin Kühn im Schnitt ein Viertel der Wohnungslosen weiblich, sei der Frauenanteil am Flughafen eher höher, sagt Wessel. Das habe damit zu tun, dass der Flughafen ihnen mehr Sicherheit biete, als das Leben auf der Straße oder in vornehmlich von Männern genutzten Wohnheimen. Zudem wählten sie den Flughafen zum täglichen oder nächtlichen Aufenthalt, weil sie hier sanitäre Anlagen nutzen könnten und zudem unter den ständig wechselnden Reisenden nicht so sehr auffielen.

Es erfordere viel Zeit, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Mittlerweile sei sie aber sowohl unter den Beschäftigten am Flughafen, etwa jenen des Sicherheitsdienstes oder des kirchlichen Sozialdienstes für Passagiere, als auch unter den Wohnungslosen so bekannt, dass die Menschen von selbst zu ihr kämen, sagt Wessel. Während sie im November und Dezember noch mehr als 100 Klientenkontakte monatlich hatte, würden es nun deutlich weniger, weil die Betreuungsverhältnisse intensiver würden. So begleitet sie die Menschen etwa zum Jobcenter oder fährt mit ihnen in die Stadt, um ihnen die Anlaufstellen der Wohnungslosenhilfe zu zeigen.

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