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Nachtcafé für Junkies soll Polizei entlasten

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Von: Oliver Teutsch, Steven Micksch

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Ein Drogensüchtiger in der B-Ebene des Frankfurter Hauptbahnhofs.
Ein Drogensüchtiger in der B-Ebene des Frankfurter Hauptbahnhofs. © Peter Jülich

Seit einem Monat gibt es im Frankfurter Bahnhofsviertel ein Nachtcafé für Junkies. Die Einrichtung ist die Antwort der Stadt auf eine monatelang geäußerte Bitte der Polizei nach Unterstützung.

Der Mann an der Tür ist höflich, aber bestimmt: „Zutritt nur für Drogensüchtige“, sagt er. Auch Fragen will er nicht beantworten und überreicht stattdessen einen kleinen Flyer. „Nachtcafé m47“ steht darauf, und weiter heißt es: „Das Nachtcafé bietet Ruhe und Ansprache, dazu alkoholfreie Getränke, Snack und TV.“

Ein Fernseher ist an diesem Abend gegen 23 Uhr beim Blick durch die Eingangstür in der Moselstraße nicht zu sehen. Stattdessen ein recht nüchternes Ambiente wie im Warteraum einer Behörde. Etwa ein Dutzend Personen sitzen an den Tischen, zwei löffeln aus ihren Terrinen, neben einer Frau steht ein kleiner Rollkoffer. Wie kaum zu bändigende Cracksüchtige sehen die Menschen nicht aus, aber die Nacht ist ja auch noch jung.

Das Nachtcafé ist die Antwort der Stadt auf die monatelang geäußerte Bitte der Polizei nach Unterstützung im Bahnhofsviertel. Während der Bemühungen im Kampf gegen die Drogenkriminalität im Bahnhofsviertel sah sich die Polizei in der Nacht auch häufig mit Menschen konfrontiert, die nicht kriminell waren, sondern nur äußerst nervig: Cracksüchtige auf einem Trip oder auf der Suche nach dem nächsten Trip. Die Polizei fühlte sich mit dem Problem alleingelassen und forderte einen betreuten Aufenthaltsraum für die Personen, die nachts auf der Straße lärmten und lagerten.

Bis zu 80 Personen nachts im Nachtcafé

Seit dem 2. Mai nun gibt es einen solchen Aufenthaltsraum – das Nachtcafé in der Moselstraße 47. Betrieben wird es vom Frankfurter Verein im Auftrag des Drogenreferats der Stadt. Im Sozial- und Gesundheitsausschuss der Stadtverordneten hat Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) am Donnerstag eine erste positive Bilanz zu der neuen Anlaufstelle gezogen. Seit Projektstart Anfang Mai dieses Jahres seien pro Nacht zwischen 13 und 103 Suchtkranke in die Einrichtung gekommen. Der Träger „Frankfurter Verein für Soziale Heimstätten“ zählte 438 verschiedene Gäste. Inzwischen kämen im Durchschnitt konstant 40 bis 60 Personen in den Nachtstunden zwischen 22.30 und 6 Uhr. 25 Menschen würden dabei in der Moselstraße 47 verweilen, bis die Einrichtung schließe, andere kämen mehrmals in der Nacht wieder.

Knapp die Hälfte der Gäste habe die deutsche Staatsangehörigkeit, die übrigen verteilten sich auf 37 Nationalitäten. 81,2 Prozent seien Männer. Die Problemlagen der Suchtkranken seien komplex, so Majer. „Wir sehen bei den Gästen eine große Zahl an Wohnsitzlosen, Menschen, die regelrecht verelenden oder die schwer psychisch erkrankt sind.“ Jeder Besucher müsse daher individuell vom Team behandelt werden. 

„Das Angebot wird rege angenommen“, bestätigt auch Polizeisprecher Andrew McCormack. Der Bedarf sei hoch.  Die Anzahl der auf der Straße lagernden Personen sei geringer geworden. „Die Lage entspannt sich, es wird weniger Lärm und Müll verursacht“, so McCormack, der aber relativiert: „Es ist noch zu früh, von einem Erfolg zu sprechen.“ Bislang gelte die Entspannung aber nur unter der Woche. An den Wochenenden gebe es bislang noch keine Veränderungen, weil dann wohl generell mehr Menschen im Bahnhofsviertel unterwegs seien.

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