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Magnus Kaminiarz, Architekt teurer Wohntürme, stirbt mit 54 Jahren.

Nachruf

Magnus Kaminiarz: Freund der Verdichtung

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Magnus Kaminiarz, Architekt teurer Wohntürme, stirbt mit 54 Jahren.

Er war ehrgeizig und verlangte viel von sich selbst und anderen. Magnus Kaminiarz hat als Architekt in relativ kurzer Zeit reüssiert. Er galt als Spezialist für Wohnhochhäuser mit teurem Eigentum. Von ihm stammt der Entwurf für den „Grand Tower“, Deutschlands höchstes Wohnhochhaus, das gerade am Güterplatz in Frankfurt der Vollendung entgegengeht. Erst jetzt wird bekannt, dass der gebürtige Bremer bereits am 5. April gestorben ist. Er wurde nur 54 Jahre alt.

1998 war Kaminiarz in das Büro des renommierten Frankfurter Architekten Jo. Franzke als Partner eingetreten. Eines der ersten Projekte, mit denen der junge Mann von sich reden machte, war „Bab Tarablus“, ein Stadtquartier am Rande der libyschen Hauptstadt Tripolis. Libyen wurde damals noch vom Diktator Gaddafi regiert. Im Interview mit der FR betonte der Architekt 2008, es handele sich um ein Projekt für die neue „Mittelschicht“, das die „Aufbruchstimmung“ im Land symbolisiere.

Anfang 2011 gründete Kaminiarz sein eigenes Büro in Frankfurt. Sein erstes großes Projekt in der Stadt waren Wohnhäuser für das exklusive Holbeinviertel.

Sein städtebauliches Credo war die Verdichtung. Im Interview mit der FR bekannte er 2017: „Ich bin absoluter Befürworter der Verdichtung in den Städten.“

Nur so könnten die rasch wachsenden Kommunen wie Frankfurt das Problem des Wohnraumes lösen. An vielen Stellen in der Stadt sei noch eine Nachverdichtung möglich, urteilte er damals.

Allerdings standen die Wohnhochhäuser, die Kaminiarz konzipierte, für absolut teuren und luxuriösen Wohnraum. 2015 gewann der Architekt den Wettbewerb für den „Grand Tower“, mit 172 Metern Höhe das höchste Wohngebäude Deutschlands.

Ein Jahr später erhielt er gemeinsam mit dem deutschstämmigen US-Architekten Helmut Jahr den Zuschlag für das „Eden“-Hochhaus, ebenfalls ein Wohnturm, der am Güterplatz entsteht und eine Höhe von 98 Metern haben wird. Kaminiarz konzipierte eine begrünte Fassade für diesen Turm, auf die er sehr stolz war.

Im FR-Interview bekannte er sein Interesse, auch den seit langem angekündigten „Millennium-Tower“ nahe der Frankfurter Messe mit einer Höhe von 370 Metern zu verwirklichen. „Ein 370-Meter-Hochhaus sparsam und ökologisch zu entwickeln, wäre eine große Herausforderung.“

Dass seine Wohnhochhäuser Anlageprodukte für Begüterte waren, fand er „gut so“. 2017 sagte er der FR, dass sein Büro an Entwürfen für zwölf Wohnhochhäuser arbeite. Doch im Februar 2019 gab es Zeitungsberichte über die Einleitung eines Insolvenzverfahrens für das Architektenbüro. Die Vollendung seiner beiden bekanntesten Bauten wird er nun nicht mehr erleben.

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