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Norbert Leppert war 30 Jahre lang Gerichtsreporter der Frankfurter Rundschau.

Nachruf

FR trauert um langjährigen Gerichtsreporter

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Norbert Leppert stirbt mit 75 Jahren. Er galt als sattelfester Kritiker der Justiz. Für den gebürtigen Lübecker galten Grundsätze, die heute leider im Journalismus nicht mehr selbstverständlich sind.

Er war ein besonnener Realist. Norbert Leppert wusste nur zu gut um die Arbeitsbedingungen und Grenzen seines Berufsstands. Der Gerichtsreporter hegte keine großen Erwartungen hinsichtlich des Nachruhms. Im Jahre 2009, als er schon nicht mehr als Redakteur der Frankfurter Rundschau arbeitete, zog er in einer juristischen Fachzeitschrift eine kritische (Zwischen-)Bilanz der Gerichtsreportage in Deutschland. Er schrieb: „Doch Journalisten, die von der Aktualität leben, dürfen zufrieden sein, wenn ihre Beiträge nicht in den unendlichen Sphären des Vergessens verlorengehen, sondern Öffentlichkeit mobilisieren und Veränderungen bewirken.“

Das ist Norbert Leppert ohne Zweifel in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit für die FR gelungen. Er hat die Gerichtsberichterstattung in Deutschland, er hat aber auch seine Zeitung mitgeprägt. Jetzt ist der Journalist viel zu früh im Alter von nur 75 Jahren in Frankfurt gestorben.

Für den gebürtigen Lübecker galten Grundsätze, die heute leider im Journalismus nicht mehr selbstverständlich sind. Kritik setzt Kenntnis voraus: Das war ein Motiv, dem er folgte. Seinen Berichten, seinen Analysen war anzumerken, dass er sich mit der Materie, dem Fall, der juristischen Problemstellung beschäftigt hatte. „Je mehr du die Justiz kritisierst, desto mehr musst du sattelfest sein“, sagte er einmal. Also belegte er zwei Jahre lang Juravorlesungen parallel zu seiner journalistischen Arbeit. Leppert wirkte als Person auf den ersten Blick stets unaufgeregt und gelassen und genauso schrieb er auch. Doch hinter dieser Kulisse steckte verdammt viel harte Arbeit. Die Balance, die gerade für den Gerichtsreporter wichtig ist, sich vom Fall, seiner Härte, seiner Tragik nicht vereinnahmen zu lassen, gelang ihm ein ums andere Mal. Er verfügte über einen verschmitzten, manchmal grummeligen Humor, das schützte ihn.

Eine Journalistenfamilie

Leppert stammte aus einer Journalistenfamilie. Sein Großvater arbeitete als „Hafenreporter“ beim „Fremdenblatt“ in Hamburg, sein Vater schrieb für die „Westfälische Rundschau“. Leppert selbst stieg in den Beruf ein als Feuilletonredakteur bei der „Glocke“ im westfälischen Oelde. Doch die 68er-Revolte ließ den jungen Journalisten gegen den „erzkonservativen Verleger“ aufbegehren. Die einzige Zeitung, die in seinen Augen für die Überwindung der verkrusteten gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland eintrat, war die Frankfurter Rundschau. Der junge Mann schrieb 1969 hoffnungsvoll an FR-Verleger Karl Gerold. Und der gab ihm eine Chance.

1971, im Alter von gerade einmal 26 Jahren, kam Leppert in die Redaktion der Frankfurter Rundschau. Er verließ sie 2003. Die drei Jahrzehnte, die dazwischen lagen, waren in der Bundesrepublik eine Zeit großer gesellschaftlicher Verwerfungen. Leppert reflektierte und beschrieb sie kritisch in seinen Reportagen. Der politische Hintergrund der Prozesse wird stets deutlich. Der Reporter schrieb über die Prozesse, in denen der Terror des nationalsozialistischen Gewaltregimes aufgearbeitet wurde. Er berichtete aus den Verfahren gegen Mitglieder der Rote Armee Fraktion (RAF). Einer seiner letzten großen Prozesse war der gegen den Milliardenbetrüger Jürgen Schneider, dessen erschwindeltes Immobilienreich in den 90er Jahren krachend zusammengestürzt war.

Engagiert kämpfte der Gerichtsberichterstatter dafür, den Kindesmissbrauch konsequenter zu verfolgen und härter zu bestrafen. Zugleich forderte er eine Reform der Psychiatrie und versuchte stets auch, die Persönlichkeit eines Täters zu verstehen. Nicht zuletzt deshalb besuchte er viele Gefängnisse.

Die FR-Redaktion trauert nicht nur um einen wichtigen Autor, sondern auch um einen Kollegen und Freund.

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