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Vandana Shiva, Physikerin und Globalisierungskritikerin.
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Vandana Shiva, Physikerin und Globalisierungskritikerin.

Konferenz zur Nachhaltigkeit

„Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have“

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Die viertägige Online-Konferenz „Zukunftsfragen“ beginnt mit unangenehmen Wahrheiten: Es muss sich vieles ändern. Und manches klingt so logisch, dass man den Kopf schütteln muss.

Die Erde gehört allen – das müssen wir im Kopf behalten und danach handeln. Mit diesem Appell hat die viertägige Nachhaltigkeitskonferenz „Zukunftsfragen“ am Montagabend begonnen. Mehr als 800 Teilnehmer:innen verfolgten zum Auftakt die Beiträge live im Internet.

Einer der Gastgeber, der evangelische Kirchenpräsident Volker Jung, zitierte aus einem Impulspapier von 2018: „Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben“. Nachhaltigkeit sei ein kirchliches Thema, sagte er: „Wenn wir es als Kirche nicht schaffen, nachhaltig zu leben, geht das auf Kosten unserer Glaubwürdigkeit.“

Die Evangelische Kirche veranstaltet die Konferenz gemeinsam mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Deren Generaldirektor Volker Mosbrugger mahnte: „Das Thema Nachhaltigkeit ist das Zukunftsthema schlechthin.“ Den Menschen gehe es so gut wie nie zuvor, sagte er – und der Natur so schlecht wie nie. „Wir haben die Natur übernutzt.“ Die Folgen: Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Schadstoffe, Vermüllung, Pandemie. Effekte der Klimakonferenzen von Kyoto, Rio oder Paris? Auf der Kurve der weltweiten CO2-Emissionen sei davon nichts zu sehen, sie steige geradewegs. „Wir brauchen eine Systemlösung, und die kann nur Nachhaltigkeit heißen“, sagte Mosbrugger. Es gelte, den eigenen Lebensstil umzugestalten: „Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have.“

Der Soziologe Harald Welzer beschrieb, wie die am weitesten entwickelten Gesellschaften den schwersten Klimaschaden anrichten: „Die größten Errungenschaften haben wir auf der Grundlage der Naturzerstörung erkauft. Wir existieren in einer Lebenslüge.“ Unser Überleben sei nur mit einem anderen Naturverständnis möglich. Aber: „Selbst wenn wir tatsächlich irgendwann CO2-frei werden, haben wir immer noch einen zu hohen Stoffumsatz.“ Es helfe auch nicht, den schlechten Zustand der Welt beklagen. „Das Katastrophending bringt nix.“ Der Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ (1972) werde oft als Weckruf bezeichnet, sagte Welzer: „Aber wo war der Weckruf?“ Fast 50 Jahre habe die Menschheit seither Zeit gehabt, Autos und Wohnfläche zu reduzieren, Mobilität zu verändern. Nichts davon sei passiert. „Wir leben weiter in einer Wirtschaft, die darauf beruht, dass immer mehr Autos und immer größere Autos produziert werden.“ Nachhaltigkeit orientiere sich nicht an Wettbewerb und Effizienz und „angreifen“ – sondern an Langsamkeit, an Einander-nicht-ständig-übertreffen-wollen.

„Wir müssen eine nachhaltige Gesellschaft als attraktives Projekt entwerfen.“, forderte Welzer. Die nächste Moderne müssten wir gemeinsam erfinden. Die Fähigkeit zu träumen sei die wichtigste Produktivkraft zur Veränderung der Welt. „Das muss man sich mal vorstellen“, sagte er, „eine Stadt, in der Kinder frei herumlaufen können. Wir bekloppt ist das eigentlich - warum müssen nicht die Autofahrer auf einen Knopf an der Ampel drücken und warten, bis die Fußgänger durch sind?“

Die indische Wissenschaftlerin und Aktivistin Vandana Shiva redete der Weltgemeinschaft ins Gewissen. „Wir sind eine Erde, ein Boden, ein Wasser, ein Ernährungskreislauf“, sagte sie, „und wir sind darauf angewiesen, all das zu bewahren.“ Je mehr wir das ignorierten, desto mehr Probleme bekämen wir. „Braucht Deutschland wirklich mehr Autobahnen? Gibt es nicht schon genug?“, fragte die Globalisierungskritikerin und rief dazu auf, „die Leute zu unterstützen, die den Wald beschützen“. Wir müssten langsamer werden. „Die Erde ist für alle, weil wir diesen schönen Planeten mit anderen Spezies teilen, mit allen Menschen und mit künftigen Generationen.“

Nötig sei eine „Welt-Demokratie“ mit mehr Beteiligung, mehr Barmherzigkeit und weniger Repräsentation. Es sei höchste Zeit, rief Vandana Shiva auf, die Ungerechtigkeit zu beenden.

Am heutigen Dienstagabend wird die Konferenz fortgesetzt. Programm unter: zukunftsfragen.online. Dort ist während der gesamten vier Tage auch der Film „One World“ online zu sehen.

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