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Wem diese kompostierbaren Bücher nicht zusagen, der kann sie der Natur zurückgeben.

Müll

Nachhaltigkeit auf der Frankfurter Buchmesse

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Becher und Besteck sind aus pflanzlichen Rohstoffen, Buchseiten aus Gras – es weiß nur keiner, ob er seinen Müll trennen sollte und wie er entsorgt wird.

Gabeln und Stäbchen aus Holz liegen am Foodtruck auf der Agora der Messe bereit. Das Thai-Essen wird in Pappschälchen gereicht – aber halt, neben Holzgabeln und -stäbchen finden sich auch Plastiklöffel. „Nein, das ist kein Plastik“, sagt Mitarbeiterin Fai. „Das sieht nur so aus. Die Löffel sind aus Rohrzucker.“ Man handele ökologisch und nachhaltig im Foodtruck, nur noch die Mülltüten seien aus Plastik. Nur, wie das überhaupt mit dem Müll abläuft, darüber wissen Fai und Ono nicht so recht Bescheid. „Wir haben auch pfandfreie Getränkedosen, die sammeln wir erst einmal im Lager“, sagt Ono. „Aber ob die auch getrennt entsorgt werden können, weiß ich nicht.“

Der Besucher kann seinen Müll auf der Buchmesse jedenfalls nur schwer trennen. Viele Mülleimer sind einfache Mülleimer, in denen alles zusammengeworfen wird. Plastik, Papier, Essenreste. Buchmessen-Direktor Juergen Boos sprach vor der Eröffnung von einer guten Ökobilanz der Messe. Man nutze Ökostrom, forciere die Müllvermeidung und biete essbare Trinkhalme an.

Die essbaren Halme gibt es jedenfalls. Etwa beim Foodtruck von Accente. Sehen aus wie Makkaroni und schmecken, nun, sie sind einfach nudelhart. Der Kaffee wird in Pappbechern gereicht, es steht eine Glaskaraffe mit Milch auf dem Tresen. Und Schälchen und Teller für die Snacks sind aus kompostierbarem Material. Auch am Pommesstand ist alles plastikfrei. Bier, Softdrinks und Wasser werden in durchsichtigen Bechern gereicht. Sehen auch wieder nach Plastik aus, aber ein Schild neben der Zapfanlage zeigt an: Sie sind aus pflanzlichen Rohstoffen und kompostierbar.

An den Ständen in der Halle 3.0 sitzen die Fachbesucher zu Gesprächen zusammen. Bei einer Porzellantasse Kaffee. Oder einem Wasser im Glas. Am Stand des Beltz-Verlags auch, der Müll wird während der Messe aber nicht getrennt. „Die Bereitschaft ist da“, sagt Ines Heinrich, Vertriebsleiterin bei Beltz und Campus. „Aber die Infrastruktur nicht.“ Abends werfe die Standreinigung das sowieso in einen Container. Und der Müll während der Messe halte sich ohnehin in Grenzen. „Beim Auf- und Abbau dagegen …“, sagt Heinrich.

Da fällt massenweise Pappe und Plastik bei allen Verlagen an. Beltz hatte für die Müllentsorgung einen Container bestellt, doch in dem konnte nicht getrennt werden. „Wir hätten einen zweiten bestellen müssen, aber das sind uferlose Kosten“, sagt Heinrich. „Es wäre gut, wenn es einen gäbe, der zwei Bereiche hätte.“ Denn man achte unbedingt auf Nachhaltigkeit. Der Stand sei 15 Jahre alt, der Teppich vier, und die Pflanzen würden nach der Messe in die Gärtnerei zurückgebracht.

Um Nachhaltigkeit und Klimaschutz geht es auch in Büchern von Beltz. Gerade ist eines für Kinder zum Klimawandel erschienen: „Wie viel wärmer ist 1 Grad?“ Der Bestseller unter den Kinder-Sachbüchern: „Müll – Alles über die lästigste Sache der Welt“.

Mülltrennung ist am Stand der Michael-Neugebauer-Edition gar nicht so das Thema. Der gesamte Stand besteht aus Pappe. Regale, Hocker, Tresen, Tische. „Könnte man danach alles ins Altpapier werfen“, sagt Werner Thuswaldner vom Verlag. Stabil seien die Pappmöbel, aber der Aufbau sei kompliziert. „Dagegen ist Ikea was für Kindergartenkinder.“

Nachhaltigkeit ist quasi das Konzept von Matabooks aus Dresden. Die Bücher aus Graspapier sind komplett kompostierbar. Die bräunlich-grünen Seiten riechen nach: Gras. „Wir gebrauchen Dinge der Natur, statt sie zu verbrauchen“, sagt Kay Hedrich, Gründer des Start-up-Unternehmens. „Und später geben wir sie der Natur zurück.“ Auch seien es vegane Bücher, denn es würden keinerlei tierische Komponenten verwendet. „Das Interesse anderer Verlage ist vorhanden“, sagt Hedrich. Aber das Papier sei teurer. „Und was der Bauer nicht kennt, kommt auch nicht auf den Tisch.“

Bei einer großen Buchhandelsgruppe kommen die Notizbücher aus Gras inzwischen gut an. „Wir kommen mit der Lieferung nicht nach.“ Ein Notizbuch ist im Umschlag mit Samen versehen. Wenn der große Roman, den man selbst darin niedergeschrieben hat, doch nichts taugt, kann man das Buch verbuddeln und gießen – und dann wächst aus dem Werk eine Blumenwiese.

Besucher des Stands der Initiative Inform von Bundesgesundheits- und -ernährungsministerium können sich auf einem Rad einen Smoothie erstrampeln. Den gibt es in den kompostierbaren Bechern, die nach Plastik aussehen. „Die Leute fragen schon nach, Plastik kann man einfach nicht mehr anbieten“, sagt Thomas Kollritsch von der PR-Agentur m&p, die für den Messeauftritt verantwortlich ist. Am Stand werden die kompostierbaren Becher getrennt von anderen Sachen gesammelt. Auch Plastik und Pappe wird separat gelagert. „Wir müssen schauen, dass das dann auch vernünftig entsorgt wird“, sagt Kollritsch. Wie, weiß er auch nicht.

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