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Der erste Auftritt von Selina I. und Pascal I. am Sonntag im Nordwestzentrum: er noch etwas zaghaft, sie in ihrem Element.

Fastnacht in Frankfurt

Nachhaltige Royals

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Das Prinzenpaar eröffnet in Frankfurt die neue Kampagne und setzt bei seinem Auftritt auf recycelte Gewänder. Pascal I. arbeitet als Betriebswirt, Selina Landwehr in einem Tochterunternehmen der FES.

Unter der großen Kuppel des Nordwestzentrums spielt am Sonntagmorgen die Musik. 600 bis 800 Menschen in närrischer Tracht oder in Zivil sind zusammengekommen, um den Auftakt der fünften Jahreszeit zu feiern und das aktuelle Prinzenpaar, „Seine Tollität“ Pascal I. und „Ihre Lieblichkeit“ Selina I. in Augenschein zu nehmen.

Es herrscht Volksfeststimmung: Ein Mettbrötchen und ein Bier gibt es heute für 3,50 Euro beim Metzger. Wer lieber Süßes mag, zahlt 1,99 für fünf Kreppel. Auf der Bühne beginnt der Countdown: Narren sind pünktliche Menschen. Um 11.11 Uhr wird das Prinzenpaar die Rolltreppe hinunterschweben – so, als wäre es ein roter Teppich.

Alle sind schon da: Die Fidelen Bockemer, eine Delegation des Karneval-Clubs Schöne Müllerin und die „Eulen“, ganz in Grün. Das Fanfaren-Corps Bonames legt sich ins Zeug. Es wird geschunkelt und geklatscht – so als hätte die Kampagne 2018/2019 bereits ihren Höhepunkt erreicht, bevor sie offiziell begonnen hat. Dann stehen alle auf, denn da oben tut sich was. Die blaugekleidete Prinzengarde der Heddemer Käwwern marschiert vorneweg, gefolgt von den Rotmänteln des Großen Rats. Junge Frauen, grell geschminkt und leicht bekleidet, vertreten die Tanzgarden verschiedener Vereine, und schließlich erscheinen auch sie: „Seine Tollität“ Pascal I. und „Ihre Lieblichkeit“ Selina I. Sie tun das, was alle Royals gerne tun: Sie lächeln. Drei Mal dröhnt es laut und deutlich durch den Saal: „Frankfurt Helau!“ Jetzt ist die Kampagne 2018/2019 endgültig eröffnet.

So prächtig, wie das Prinzenpaar an diesem Sonntag gekleidet ist, wird es in Zukunft kaum mehr auftreten: Nicht gerade in Lumpen werden die beiden das närrische Volk immer wieder neu auf unzähligen Veranstaltungen begrüßen, aber doch in Outfits, die aus recycelter Kleidung gefertigt wurden. Überhaupt wollen sie für Nachhaltigkeit werben.

Der Hauptsponsor, vom Großen Rat gern als das „prinzliche Haus“ bezeichnet, ist heuer die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH, kurz FES genannt. Deren Geschäftsführer Benjamin Scheffler führte auf einer Pressekonferenz am Sonntagmorgen im Nordwestzentrum aus, dass er die Kampagne dazu nutzen wolle, für Altkleidersammlungen zu werben. Derzeit würden 2,7 Kilo an ausrangierten Klamotten pro Einwohner in die Altkleidercontainer wandern. Scheffler möchte diese Menge verdoppeln, denn schließlich würden sich im sogenannten Restmüll noch immer sieben Kilo finden.

Die FES sei dem Frankfurter Karneval seit Jahren verbunden, betonte Scheffler. Beim großen Umzug durch die Frankfurter Innenstadt sei sie mit einem eigenen Motivwagen vertreten. Außerdem sorgten die Kehrmaschinen und die Straßenreiniger der FES dafür, dass wenig später die Innenstadt wieder sauber sei. Zum Schutz der Bevölkerung vor Terroranschlägen werden außerdem 20 Müllwagen als mobile Bollwerke im Einsatz sein.

Die FES wird aber nicht nur Geld – die Rede war von 60 000 Euro – in die Hand nehmen –, sie stellt auch das Prinzenpaar: Pascal I. arbeitet als Betriebswirt in dem Unternehmen, Selina Landwehr in einem Tochterunternehmen.

Sie ist schon seit ihrer Kindheit der Fastnacht verbunden und hat seit 2007 keinen Umzug verpasst – weder den großen in Frankfurt noch den in Klaa Paris.

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