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Torsten Hammann war von 2016 bis Ende Mai 2019 Generalbevollmächtigter der AWO Hessen-Süd.
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Torsten Hammann war von 2016 bis Ende Mai 2019 Generalbevollmächtigter der AWO Hessen-Süd.

Lukrative Geschäfte

Nach Protest gegen umstrittenen Ex-AWO-Chef spricht Anwalt von „Pogromstimmung“

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Mitarbeitende empören sich über lukrative Geschäfte von Torsten Hammann, dem früheren Generalbevollmächtigten der AWO Hessen-Süd. Bundesverband will Vorgänge „rückhaltlos aufklären“.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Hessen kommt nicht zur Ruhe. Nach Hausdurchsuchungen bei früheren Funktionären der Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden Anfang der Woche rückt nun der übergeordnete Bezirksverband Hessen-Süd wieder in den Blickpunkt des Interesses.

Nach Berichten des Hessischen Rundfunks soll Torsten Hammann, der von Anfang 2016 bis Ende Mai 2019 als Generalbevollmächtigter für die Geschäftsführung des Bezirksverbands zuständig war, lukrativen Geschäften mit Immobilien nachgegangen sein – angeblich auf Kosten der AWO.

Es geht dabei vor allem um Hammanns Beteiligung an zwei Vermietungsgesellschaften für Altenheime der AWO Hessen-Süd in Bruchköbel im Main-Kinzig-Kreis und im mittelhessischen Langgöns im Landkreis Gießen. Den Berichten zufolge soll der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bereits vor etwa anderthalb Jahrzehnten damit begonnen haben, den Bezirksverband zu beraten. Innerhalb von sechs Jahren habe er „mehr als 1,8 Millionen Euro kassiert“.

Dieser Betrag ergebe sich aus Honoraren, Zinsen eines Privatkredits und dem Gewinn eines Privatunternehmens für Immobilien. Insgesamt soll Hammann die Privatisierung der Altenheime empfohlen und über mehrere Firmen, in die auch entsprechend potente Freunde und Bekannte investiert hätten, Geschäfte mit der AWO gemacht haben.

Die jeweiligen Verkäufe, so teilte Hammann am Freitag auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit, seien in den Jahren 2015 und 2016 nach entsprechenden Vorstandsbeschlüssen durch den früheren Geschäftsführer beziehungsweise den Vorstand des Bezirksverbands erfolgt. Dabei habe er „nie auf zwei Seiten gehandelt“, versicherte er. Rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AWO, die einer Tarifabsenkung zustimmen sollen, demonstrierten Anfang der Woche mit Unterstützung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in der Odenwald-Kurstadt Bad König vor Hammanns Büro, um sich lautstark über ihn zu empören. Auf Protestplakaten waren die Slogans „Gier statt Selbstlosigkeit“ und „Hammann, rück unsere Kohle raus“ zu lesen.

Ingo Endrick Lankau, der Anwalt des früheren AWO-Chefs, wirft nun in einem Schreiben an den Landesbezirk Hessen der Gewerkschaft Verdi vor, unter den Mitgliedern eine „Pogromstimmung“ gegen Hammann zu erzeugen sowie „falsche und ungeprüfte Behauptungen“ zu verbreiten. Der AWO-Bundesverband teilte am Freitag mit, die Vorgänge um die Immobiliengeschäfte des ehemaligen Generalbevollmächtigten beschäftigten den Verband bereits seit Anfang 2018. Nach intensiven Prüfungen durch externe Fachleuten habe dies dazu geführt, dass im Dezember 2018 bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Strafanzeige gegen die früheren handelnden Personen erstattet worden sei.

Auch der frühere Vorstandsvorsitzende Willy Jost sei bereits seines Amtes enthoben, Verträge mit den ehemals handelnden Personen gekündigt und ein neuer Bezirksvorstand gewählt worden. Zudem sei dem ehemaligen Vorstand mit sehr großer Mehrheit der Stimmen die Entlastung verweigert worden.

Gemeinsam mit der neuen Führungsspitze will der Bundesverband die Vorgänge „weiter rückhaltlos aufklären und die vormals handelnden Personen zur Verantwortung ziehen“.

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