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Frankfurter Fans grüßen beim Spiel in Hannover den beim Polizeieinsatz verletzten Fan.

Polizeieinsatz

Solidarität mit Eintracht-Ultras

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Fans anderer Vereine stimmen in die harsche Kritik am Polizeieinsatz vor dem Europacupspiel von Eintracht Frankfurt ein.

Die Wortwahl war derb, die Botschaft eindeutig. Fans mehrerer Fußballvereine haben sich am Wochenende auf Transparenten mit den Ultras von Eintracht Frankfurt solidarisch gezeigt und auf ihren Bannern gegen den Polizeieinsatz vor dem Europacup-Spiel am vergangenen Donnerstag protestiert. Im Zentrum der Kritik stand der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU). Auf Transparenten der Fans von VfL Bochum, Union Berlin und Dynamo Dresden wurde Beuth beleidigt, die Anhänger des FC Bayern schrieben „Beuth: Zurücktreten!“, in der Fankurve des SV Babelsberg hieß es: „Kümmere dich mal um deine Nazibullen, du Windbeuthel“.

Vor der Partie der Eintracht gegen Schachtjor Donezk hatte die Polizei beim Amtsgericht Frankfurt einen Durchsuchungsbeschluss erwirkt. Am Nachmittag kontrollierten Beamte die Fankurve, die Toiletten hinter der Kurve und einen Raum, in dem die Ultras ihre Fanutensilien lagerten. Dabei waren sie auf der Suche nach Pyrotechnik. Anlass war laut Beuth ein Interview von Eintracht-Präsident Peter Fischer, der zu einem Fernsehteam gesagt hatte: „Das Stadion muss brennen. Und wenn ich sage, dass das Stadion morgen brennt, dann brennt das morgen. Und zwar so, dass ihr kaputtgeht, weil ihr viel zu viel Licht habt, und deshalb wird das Spiel vielleicht ein bisschen neblig für euch.“

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Gefunden wurde bei der Durchsuchung nichts, doch die Empörung bei den Ultras war groß. So groß, dass sie Beuth auf einem Transparent hart angingen. Dieses beschlagnahmte die Polizei in einem heftigen Einsatz, bei dem es nach FR-Informationen mindestens zwei Verletzte gab. Das Vorgehen der Beamten werde nun intensiv nachbereitet, sagte Polizeisprecher Andrew McCormack – auch mithilfe eines Videos, auf dem unter anderem zu sehen ist, wie ein Polizist gegen einen Fan derart hart vorgeht, dass er über die Werbebande fällt. Dabei zog sich der Mann eine Fraktur zu.

Die Opposition im hessischen Landtag erwartet, dass Beuth in seiner Regierungserklärung zur Polizeiarbeit am Dienstag auf die Vorgänge zu sprechen kommt. Die hessische FDP erklärte: „Der Innenminister wäre gut beraten, beim sensiblen Thema der Fan-Gewalt moderierend und nicht eskalierend aufzutreten.“

Scharfe Kritik am Polizeieinsatz übte der Sportkreis Frankfurt und das Frankfurter Fanprojekt. „Mit den Durchsuchungen hat Innenminister Peter Beuth vollkommen unnötig Ausschreitungen zwischen der Polizei und den Fans provoziert“, sagte der Stadtverordnete Roland Frischkorn (SPD), der Vorsitzender von Sportkreis und Fanprojekt ist. Die Durchsuchungen stünden im Widerspruch zum „Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“, das auf einen Dialog zwischen Fans und Polizei setze.

Polizeipräsident Gerhard Bereswill verteidigt Einsatz

Die Frankfurter Jusos gingen noch einen Schritt weiter: „Nach der geschmacklosen Büttenrede gegen minderjährige Flüchtlinge, Vertuschungen im polizeilichen NSU 2.0 Skandal mit Drohbriefen an eine Frankfurter Anwältin und dem absolut unverhältnismäßigen Polizeieinsatz, bei dem die Polizei als staatlich finanzierter Personenservice des Innenministers gegen Fans von Eintracht Frankfurt vorging, muss Peter Beuth zurücktreten.“

Polizeipräsident Gerhard Bereswill verteidigte den Einsatz hingegen in einem Interview mit der „Frankfurter Neuen Presse“. Die Polizei habe Peter Fischers Aussage so verstehen müssen, „dass Besucher sich aufgefordert sehen könnten, besonders viel Pyrotechnik abzubrennen“. Das hätten die Beamten verhindern müssen, der Ermessensspielraum in dieser Frage sei sehr gering.

Ähnlich äußerte sich auf Facebook der sicherheitspolitische Sprecher der CDU im Römer. Christoph Schmitt. Fischer habe mit seiner Äußerung „maßgeblich dazu beigetragen, dass Staatsanwaltschaft, Gericht und Polizei Straftaten erwarten mussten“. Der Grünen-Stadtverordnete Wolfgang Siefert hatte hingegen direkt nach dem Spiel geschrieben: „Peter Beuth hat offenkundig jedes Maß verloren. So löst man keine Schwierigkeiten.“

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