Paketlieferung

Nach der Gütertram kommt in Frankfurt die U-Bahn dran

  • schließen

Pakete mit der Straßenbahn statt mit dem Lieferwagen befördern: Die Fachhochschule in Frankfurt wertet ein Pilotprojekt als Erfolg und will es auf U-Bahnen ausweiten.

Eine Straßenbahn hat im Winter 2018 Pakete in die Innenstadt befördert und dabei Fahrten mit dem Lieferwagen ersetzt. Die University of Applied Sciences in Frankfurt begleitete das Projekt wissenschaftlich und spricht in technischer Hinsicht von einem Erfolg. „Wir sind überzeugt, dass sich auch im Praxisbetrieb der Pakettransport mit der Tram bewähren würde“, sagte Fachhochschulprofessor Kai-Oliver Schocke.

Beim Pilotversuch brachte der Paketdienstleister Hermes die Pakete zunächst mit Elektrotransportern in ein Depot der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), wo die Gütertram über Rampen beladen wurde. Dafür wurde eigens eine Transportbox entwickelt, die gleichzeitig als Fahrradanhänger diente. In der Innenstadt übernahmen Fahrradkuriere die Anhänger und lieferten die Pakete aus.

Weil die Pakete erst aus dem Depot von Hermes ins Depot der VGF und von dort in die City transportiert wurden, spricht die Wissenschaft von einem dreistufigen Zustellverfahren. Das hat auch Nachteile. So kostet die Zustellung mit der Tram im Schnitt 1,93 Euro pro Paket. Die Belieferung mit einem Transporter ohne Umwege kostet 1,65 Euro.

Den höheren Kosten steht der größere Nutzen entgegen. Die Gütertram verursacht keine Umweltverschmutzung, parkt nicht in zweiter Reihe, produziert keine Staus. Pakete mit der Tram zu liefern, spart den Angaben zufolge 57 Prozent an CO2-Emissionen. Würde die Tram 89-mal am Tag eingesetzt, ließe sich übers Jahr verteilt der Ausstoß von 77 Autos verhindern, sagte Schocke. Das käme Mensch und Umwelt zugute.

Allerdings kamen noch weitere Nachteile zum Vorschein. So war das Platzangebot für Pakete trotz der Mehrzweckabteile beschränkt. Die Paketkisten mussten umständlich mit Halterungen gesichert werden. Fahrgäste durften in der Gütertram nicht mitfahren.

Diese Tram fiel damit für den regulären Verkehr aus. Das ist insoweit ein Problem, als der VGF schon jetzt nicht ausreichend Niederflurstraßenbahnen zur Verfügung stehen. Deshalb fahren seit längerem auf einigen Linien historische Straßenbahnen, die nicht barrierefrei sein.

Außerdem war die Gütertram nicht an zentralen Stationen einsetzbar und auch nicht zur Hauptverkehrszeit. Dann ist das Frankfurter Straßenbahnnetz nämlich so belastet, dass die Gütertram für Verspätungen sorgen würde. Also durfte sie nur auf Linien mit geringer Taktdichte fahren. Die Jungfernfahrt führte sie vom Betriebshof im Gutleutviertel zur Frankfurter Messe.

Solche Probleme machen der Wissenschaft aber eher Mut. „Die Anforderungen an Tram, Stationen, Container und Nutzer müssen noch genauer analysiert werden. Die Transportboxen, die kompatibel mit Tram, Lastenrad und Station sind, müssen weiterentwickelt werden“, sagte Schocke.

Ein Folgeprojekt, gefördert vom Land Hessen, sei bereits beantragt worden. Darin sollen unter anderem auch weitere Schienennetze, zum Beispiel die U-Bahnen, betrachtet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare