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Letzte Probe des Freilichttheaterstücks ?Der Schelm von Bergen?, das vom 24. bis 27. August in Bergen zu sehen sein wird. Regie führt Andrea Zanaboni.

Bergen-Enkheim

Nach dem ersten Akt geht die Sonne unter

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Alle vier Jahre lassen die Bergen-Enkheimer die Geschichte vom Schelm von Bergen wieder auferstehen. In diesem Jahr wirken mehr als 100 Kinder, Frauen und Männer mit. Premiere ist am Donnerstag, 20 Uhr, vor dem Wasserschlösschen an der Berger Stadthalle.

Bei der letzten Probe zum Schelm von Bergen ist Regisseurin Andrea Zanaboni immer noch nicht ganz zufrieden. Sie findet es nicht gut, dass die Eierverkäuferin in der Tuchhändler-Szene nicht zu sehen ist. Deshalb ruft sie durch den großen Saal: „Freeze“ – und alle Akteure müssen in ihrer Position verharren. „Spielt euch bitte frei, große Menschen nicht bei der Eierfrau“, bittet sie die rund zwei dutzend Kinder, Frauen und Männer, die in mittelalterlicher Kleidung auf der Bühne der Stadthalle Bergen stehen. Nach dieser Ansage setzen die Darsteller das mittelalterliche Marktgeschehen szenisch weiter fort.

Seit 1953 wird das Heimatspiel alle vier Jahre an der Schelmenburg präsentiert. Der engagierte Bergen-Enkheimer Conrad Weil hatte das Stück damals für den Verkehrsverein geschrieben. Seit 25 Jahren trägt ein Förderverein die Verantwortung für das Schelmenspiel. Im Mittelpunkt des Dreiakters, der im 12. Jahrhundert spielt, steht der Henker von Bergen, der sein Leben riskiert, um bei einem Maskenball mit der Kaiserin zu tanzen.

Schriftführer Hubert Heinemann hofft, dass das Wetter mitspielt. Dann kann die Inszenierung vor dem beleuchteten Wasserschlösschen gezeigt werden. „Das ist einfach eine einmalige Atmosphäre, wenn nach dem ersten Akt die Sonne untergegangen ist“, sagt er. Draußen stehen bereits rund 700 aufgereihte Stühle für die Zuschauer. In der Halle wurden die Stuhl-Türme noch nicht in Reihen sortiert. „Jeden Tag wird die Regisseurin gegen 13, 14 Uhr entscheiden, ob draußen oder drinnen gespielt wird“, berichtet Heinemann. Rund 100 Ehrenamtliche wirken bei dem Stück mit, etwa die Hälfte auf der Bühne, die andere dahinter. Heinz Stiege gibt bereits zum zweiten Mal den Kaiser Barbarossa, der mit seiner „Hohen Frau“ und dem Hofnarren auf echten Pferden einreiten wird. Seit 1989 hat der kräftige Mann mit dem langen, weißen Bart schon in diversen Rollen gespielt, darunter als Scharführer und Tuchhändler. Ähnlich wie in anderen Familien konnte er seine Enkelinnen, die Tochter (ehemalige Kaiserin) und den Schwager (ehemaliger Henker) schon für das Schauspiel gewinnen. Einen „echten Quantensprung“ habe er erlebt, als Andrea Zanaboni die Regie vor vier Jahren übernommen hat. „Sie zwingt uns auf der Bühne zu denken, dass wir der Tuchhändler oder Kaiser sind“, lobt der 65-Jährige. Für Zanaboni ist es wichtig, dass die „Leute zusammen finden“, wie sie sagt. Seit Februar haben sie sich jeden Montag zu Proben getroffen.

Die jüngsten Darsteller sind acht, der älteste 80 Jahre alt. Die elfjährige Ella, die ein Bauernkind spielt, hebt hervor, dass sie auf diese Weise mehr über vergangene Zeiten erfahren könne. „Früher waren die Kinder wohl nicht so viel wert“, sagt sie und zeigt auf ihr viel zu großes, olivfarbenes Kleid, das eher einem Kartoffelsack ähnelt. Gemeinsam mit ihrer Freundin wurde sie vor vier Jahren Schelmenspielerin. Bereits damals habe ihr die Rolle viel Spaß gemacht.

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