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Kröten wollen schließlich auch sicher von A nach B.
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Kröten wollen schließlich auch sicher von A nach B.

Naturschutz

Nabu streikt bei der Krötenhilfe im Frankfurter Stadtwald

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Naturschützer ärgern sich über die Situation am Restaurant Oberschweinstiege und wollen sich aus der Arbeit zurückziehen. Die Untere Naturschutzbehörde gibt ein Versprechen ab.

Die Zeiten sind hart für die Gastronomie, aber auch für die Erdkröte. Während die eine sehnlich auf Gäste wartet, ist die andere im Stress: Es muss gewandert werden, der Fortpflanzung wegen. Und da kommen sich beide regelmäßig ins Gehege. Im Frankfurter Stadtwald.

„Für uns ist die Situation nicht mehr tragbar“, sagt Volker Bannert, Vorsitzender des Frankfurter Nabu. Normalerweise, so erklärt er, sei die Naturschutzorganisation gerade vollauf mit dem Schutz der Kröten beschäftigt, die an der Oberschweinstiege den Laichgründen entgegenstreben und beim Überqueren der Straßen nicht nach links und rechts schauen. „Wir haben aber diese Woche im Vorstand beschlossen, uns komplett aus dieser Arbeit zurückzuziehen.“

Seit das Restaurant 2015 neue Inhaber bekam, sei aus dem beschaulichen Ausflugsziel am Jacobiweiher etwas ganz anderes, viel Größeres geworden, beklagt der Nabu. Neue Bauten seien entstanden, vor allem aber locke die Oberschweinstiege seither viel mehr Gäste an. Bevor Corona kam, hätten zuletzt bis zu 150 Autos auf dem Parkplatz gestanden. Betrieb herrsche nicht nur tagsüber. „Bis tief in die Nacht dauerten die Feiern manchmal“, sagt Bannert.

Bei Dunkelheit sind aber die Kröten unterwegs. Um sie zu schützen, postierten sich jedes Jahr Nabu-Leute an den Zufahrtsstraßen und machten die Menschen in den Autos auf das Zehn-Kilometer-pro-Stunde-Gebot aufmerksam. Mitunter bis 2 oder 3 Uhr nachts, wegen der späten Gäste. „Es kann nicht sein, dass wir unzählige Arbeitsstunden investieren“ – Bannert spricht von 1000 Stunden pro Jahr – „und dabei völlig alleingelassen werden.“ Der Vorwurf, so der Nabu-Vorsitzende, richte sich nicht gegen das Paar, das die Gaststätte betreibe. „Die Leute sind geschäftstüchtig, mit ihnen haben wir auch eine ganz gute Gesprächsebene.“ Bannert ärgert sich vielmehr darüber, dass er keine Unterstützung seitens der Stadt erhalte. „Wir reden hier über einen Wald und über ein FFH-Gebiet.“

Das bedeutet: Flora-Fauna-Habitat, dort gelten Naturschutzbestimmungen nach europäischen Richtlinien. „Es sollte selbstverständlich sein, dass das Restaurant an solch einem Ort abends schließt.“ Auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hatte sich bereits über die Ausmaße beklagt, die die Gaststätte und der Parkplatz angenommen haben.

„An der Beschwerde ist viel dran“, sagt Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, die sich voriges Jahr ein Bild von der Situation gemacht habe. „Da wurden Flächen neu gepflastert, es gibt neue Spielflächen, große Unterstände, eine Grillhütte.“ Neue Bauwerke seien in diesem Bereich genehmigungspflichtig. Die Sache sei jedoch nicht so einfach: Die Behörde müsse die Lage rechtlich prüfen, das brauche Zeit. „Hier ist das gesamte Spektrum des Naturschutzes zu berücksichtigen“, sagt Rothenburger. „Welche Arten kommen vor? Welche Argumente gibt es beispielsweise für eine Sperrung der Straßen zu bestimmten Zeiten?“ Und gibt es womöglich Zusagen von anderer Stelle für die Zufahrt zum Gaststättengelände? „Wir werden uns in diesem Jahr damit beschäftigen“, verspricht er. „Ad hoc haben wir dafür nicht die Kapazitäten, aber es ist uns wichtig.“

Geschäftsführerin Viola Federau kann im Restaurant Oberschweinstiege wegen Corona zurzeit nur Selbstabholer mit Speisen versorgen. „Wir freuen uns, wenn wir wieder aufmachen können“, sagt sie. Und zur Lage bei den Kröten: „Wir weisen unsere Gäste darauf hin, vorsichtig zu fahren, wir haben Zettel ausgelegt, Schilder aufgestellt und bitten auch über soziale Medien um Verständnis.“

Insgesamt aber sagt sie: „Wir sind ein Restaurant, es gehört dazu, dass Gäste um 22 Uhr, manchmal auch später, nach Hause fahren.“ Mit den Gebäuden habe im Übrigen alles seine Ordnung: „Wir haben einiges ausgebessert und saniert. Es sieht vielleicht anders aus als vorher, geht aber nicht über die frühere Bausubstanz hinaus.“

Ob das zutrifft, müssen die Behörden entscheiden. Nabu-Chef Bannert wünscht sich jedenfalls eine Sperrung der Zufahrtsstraßen in Zeiten der Krötenwanderung ab 19 oder 20 Uhr – und eine generelle Regelung für den Parkplatz, der auch von Spaziergängern stark frequentiert werde, die gar nicht ins Restaurant wollten. „Ein Ticketsystem wäre gut“, sagt er, „oder noch besser: ein E-Shuttle-Service – andere Städte sind da schon viel weiter.“

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