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Nabelschau zum Geburtstag

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Ruth Moufang (1905-1977), erste deutsche Mathematikprofessorin, wird bald Frankfurter Busse zieren.
Ruth Moufang (1905-1977), erste deutsche Mathematikprofessorin, wird bald Frankfurter Busse zieren. © Sascha Rheker

Die Frankfurter Goethe-Universität feiert bald ihr 100-jähriges Jubiläum. Konkreten Pläne stellte Universitätspräsident Werner Müller-Esterl am Dienstag vor. Der Sommer wird im Zeichen der Literatur stehen - aber auch an "dunkle Punkte" soll erinnert werden.

Von Judith Kessler

Es gebe bislang nur eine Stadt in Deutschland, in der „in ganz großem Maßstab Mäzenatentum geübt worden ist für Zwecke der Wissenschaft ohne Staatseinmischung in einer Art, wie sie etwa in Amerika üblich ist, das ist Frankfurt am Main“. Das sagte Max Weber auf dem Soziologentag 1910 in Frankfurt und Oberbürgermeister Franz Adickes war gerade dabei rund 40 Millionen Goldmark einzusammeln, um vier Jahre später am 18. Oktober 1914 die Frankfurter Goethe-Universität zu gründen. So beschreibt es Rudolf Steinberg, ehemaliger Präsident der Goethe-Universität, in seinem Buch „Die neue Universität Frankfurt“ über den Weg der Goethe-Uni zur Stiftungsuniversität. Im kommenden Jahr feiert die Frankfurter Universität ihren 100. Geburtstag und auch hier spielt das von Weber gelobte Mäzenatentum eine nicht unwesentliche Rolle. So werden die Jubiläumsfeierlichkeiten nicht nur von Gönnern der Stiftungsuniversität finanziell unterstützt, sondern sollen auch dafür genutzt werden, weiteres Geld für die Universität einzuwerben. Schließlich will man irgendwann über die Hälfte des Etats aus Eigenmitteln stemmen und so tatsächlich unabhängig vom Land Hessen agieren können.

Auftakt im Römer

Die konkreten Pläne für die Jubiläumsfeierlichkeiten stellte Universitätspräsident Werner Müller-Esterl am Dienstag vor: Geplant sei eine „Nabelschau“, die Goethe-Universität stelle sich drei Fragen: „Was sind wir? Wer sind wir? Wo wollen wir hin?“. Die Frage nach dem „Was“ ist schnell beantwortet: Die Goethe-Universität ist bekanntlich stolz auf ihre Wurzeln als Stiftungsuniversität, die von Bürgern der Stadt Frankfurt gegründet wurde. Und so wird auch der Auftakt des Jubiläumsjahr mitten in der Stadt, im Römer gefeiert. Beim Neujahrsempfang von Oberbürgermeister Peter Feldmann werden Stellvertreter der Universität als Ehrengäste anwesend sein. Im Februar gehen die Feierlichkeiten in der Alten Oper weiter. Dann gibt Stardirigent Zubin Mehta ein Benefiz-Konzert, gestiftet von einem Frankfurter Bürger, der auch ein großer Förderer der Goethe-Universität ist.

Literatur-Sommer

Mit den Stiftern der ersten Generation beschäftigt sich die Ausstellung „36 Stifter und eine Idee“, die im April eröffnet wird. Studierende beschäftigen sich dort mit der Geschichte jener jüdischen Stifterfamilien, die die Gründung der Universität 1914 erst möglich gemacht haben. Der Sommer steht ganz im Zeichen der Literatur. Vom 3. Juni bis 2. Juli wird der Schriftsteller Daniel Kehlmann die Poetikvorlesung im Jubiläumsjahr halten. Ebenfalls im Juni soll der Schauspieler Klaus Maria Brandauer auf dem Campus Westend Goethes Faust rezitieren. Geplant sind außerdem eine Lange Nacht der Literaturen. Höhepunkt des Jubiläumsjahr wird der Festakt zum 100. Geburtstag am 18. Oktober 2014 in der Paulskirche sein. Erwartet werden internationale Gäste und Bundespräsident Joachim Gauck, der eine bildungspolitische Grundsatzrede halten wird. Hochschulpräsident Werner Müller-Esterl betonte, man wolle im Jubiläumsjahr auch „dunkle Punkte“ nicht auslassen wie die Geschichte des IG-Farben-Gebäudes und die Vertreibung jüdischer Wissenschaftler. In Kooperation mit dem HR soll in der Hörfunkreihe „Verlorene Denker“ ihr Schicksal erzählt werden.

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