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Ein Mythos vergeht

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Noch nicht auf der sicheren Seite: Der Zweitausendeins-Laden lebt weiter - mit Problemen.
Noch nicht auf der sicheren Seite: Der Zweitausendeins-Laden lebt weiter - mit Problemen. © Christoph Boeckheler

Der alternative Versandhandel Zweitausendeins war in den 70er Jahren Kult. Jetzt kämpft er ums Überleben. In Frankfurt führen seit einem Jahr zwei mutige Männer das Stammhaus auf eigene Rechnung weiter. Doch die Lage bleibt schwierig.

„Wir feiern!“ ist groß auf den Schaufensterscheiben zu lesen. Und tatsächlich gäbe es hier, im Laden am Kornmarkt, gleich dreifach Anlass dafür. Vor 45 Jahren wurde in Frankfurt der alternative Versandhandel Zweitausendeins gegründet. Vor 40 Jahren öffnete das Geschäft Kornmarkt 14. Und vor einem Jahr machten sich zwei mutige Männer daran, dieses Stammhaus auf eigene Rechnung weiterzuführen: Konrad „Konny“ Künkel und Robert Egelhofer, „Zweitausendeinser“ der ersten Stunde.

Doch tatsächlich ist Egelhofer gar nicht in festlicher Stimmung. „Wir hatten keine besonders gute Entwicklung.“ So fasst der 55-Jährige die zwölf Monate der Selbstständigkeit zusammen. Und immer wieder im Gespräch fallen Sätze wie „Es ist ruhiger geworden“ oder „Manchmal denken wir, die Leute haben das Einkaufen eingestellt.“ So ist es, wenn ein Mythos vergeht. Zweitausendeins: Das war Kult für Generationen. Namentlich die kritischen Bücher, aber auch die alternativen Filme und die Musik prägten das Lebensgefühl vieler Menschen seit den 70er Jahren.

Im Schaufenster heute ist es, als sei die Zeit stehengeblieben: Da stapelt sich doch tatsächlich noch die ruhmreiche Trilogie „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams. Und da stehen die Editionen deutscher und internationaler Filme, die bis heute ihresgleichen suchen. Man holte sich damals die Gedichte von Jim Morrison („The Doors“) nach Hause oder gar den vielbändigen Reprint der Kulturzeitschrift Akzente. Satiriker wie Eckhard Henscheid erlebten unzählige Auflagen eben bei Zweitausendeins.

Nur vier Läden übrig

Doch von den 14 eigenen Läden in ganz Deutschland seien heute nur noch vier übrig, so die Sprecherin der Unternehmenszentrale in Leipzig: zwei in Berlin, einer in Hannover und einer in Mannheim. Bis 2016 sollen sie alle abgewickelt sein – bis eben auf den Laden in Frankfurt, der von Egelhofer und Künkel geführt wird. Es bleibt das Versandhaus.

Aber das ist eines der Probleme: Viele wissen gar nicht, dass es Zweitausendeins noch gibt. „Ich dachte, ihr habt zugemacht“, das bekommen die beiden und ihre vier Helferinnen und Helfer öfter zu hören.

Aber natürlich ist es vor allem der wirtschaftliche und kulturelle Wandel, der ihnen zu schaffen macht: der Riese Amazon zum Beispiel, der die Versandwege zunehmend monopolisiert. Und das kritisch-anspruchsvolle Zweitausendeins-Publikum „ist kleiner geworden“, so Egelhofer. Er und sein Partner versuchen gegenzuhalten: nicht nur mit dem Programm des Zweitausendeins-Versands, sondern mit Musik-CDs von Bands aus dem Rhein-Main-Gebiet (von den Double Dylans bis Manfred Häder). Und außerdem sind sie mittlerweile auch eine ganz normale Buchhandlung geworden: „Wir bestellen jedes lieferbare Buch.“

All das funktioniert nur mit großer Selbstausbeutung bei „kleinen Gehältern“. Und viel Enthusiasmus. „Wir wollen durchhalten“, kündigt der Inhaber an. Und brummt zugleich, man müsse sich die wirtschaftlichen Zahlen des zurückliegenden Jahres noch mal genau anschauen. „Das Risiko muss beherrschbar sein.“

Am Samstag, 5. Juli, wird erst einmal gefeiert, vor dem und im Laden, von 11 bis 17 Uhr, mit Bands wie Harvest Moon und den Double Dylans und natürlich dem Blues-Star Manfred Häder.

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