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Mutige Frauen auf der Leinwand

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FR-Chefredakteur Thomas Kaspar begrüßte die Zuschauerinnen zur exklusiven Premiere von „She Said“.
FR-Chefredakteur Thomas Kaspar begrüßte die Zuschauerinnen zur exklusiven Premiere von „She Said“. © Renate Hoyer

200 Leser und Leserinnen der FR sehen Preview von Maria Schraders „She Said“ im Cinema

Fast nur Frauen sind unter den 200 Gästen, die am Mittwochabend bei der exklusiven Preview der Frankfurter Rundschau im Kinosaal des Cinema in der Innenstadt sitzen, einen Tag bevor der Film „She Said“ über den Weinstein-Skandal offiziell ins deutsche Kino kam.

Vielleicht sind es so viele Zuschauerinnen, weil die Regisseurin Maria Schrader in dem Hollywoodfilm über die Arbeit der Investigativjournalistinnen Jodi Kantor (Zoe Kazan) und Megan Twohey (Carey Mulligan) Frauen dezidiert eine Stimme gibt. Die Reporterinnen der „New York Times“ überzeugten 2017 ehemalige Mitarbeiterinnen des Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein, mit ihren Erfahrungen von sexualisierter Gewalt an die Öffentlichkeit zu gehen, was dazu führte, dass dieser nun zum zweiten Mal vor Gericht steht. Unter #metoo erzählten weltweit Frauen zudem ihre Geschichten von Sexismus oder sexuellen Übergriffen.

Um diese Strukturen ins Wanken zu bringen, brauchte es mutige Frauen, die als Betroffene und als Journalistinnen bereit waren, die Geschichten, die mit allen Mitteln unterdrückt werden sollten, publik zu machen. Wie viele Gespräche und wie viel Mut das kostete, konnten die FR-Gewinnerinnen auf der Leinwand mitverfolgen. FR-Chefredakteur Thomas Kaspar erzählt vorab, wie stark ihn das persönliche Kennenlernen der im Rahmen der Veröffentlichungen 2017 von der „New York Times“ initiierten Kampagne „The Truth“ in seiner journalistischen Arbeit geprägt habe. Zurück zum Film: Bei den Protagonistinnen klingelt ständig das Telefon: ob beim Picknick mit der Familie oder tief in der Nacht. Sie nehmen weite Reisen auf sich, um auf gut Glück Informantinnen zu treffen, und meistern, manchmal auch unter Tränen, die Herausforderungen ihres Privatlebens. Genau dieses selten beleuchtete Verhältnis zwischen Alltag und den unvorhersehbaren Entwicklungen, die ein fordernder Beruf mit sich bringt, sprach die Zuschauerinnen besonders an.

„Man wurde aus seiner eigenen Normalität in das Thema reingeholt, das fand ich toll. Ich bin noch ziemlich angespannt, die Emotionen der beiden Journalistinnen haben sich auf mich übertragen“, sagt FR-Leserin Gabi Schulte-Lünzum. Dass der Film eine wahre Geschichte erzählt, macht ihn für die meisten umso bewegender. Schauspielerin Laura O’Connor spielt im Film ihre eigene Erfahrung. „Als ich sie auf der Leinwand gesehen habe, blieb mir die Luft weg“, sagt Andrea Simon, „Da hat man gemerkt, sie spielt das nicht, das ist echt. Sie ist sehr mutig“, ergänzt sie.

Doris Schmitt ist mit einer Freundin gekommen und sagt, es habe sie traurig gemacht zu sehen, dass so viele der tollen Frauen, die man sonst selbstbewusst vor der Kamera sehe, so eingeschüchtert werden konnten. „Ich frage mich, wie die Situation mit den Gesetzen hier in Deutschland ist.“

Schulte-Lüzum hat der Film bestärkt: „Es wurde gezeigt, dass das Thema sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz kein Tabuthema ist, es kann jede treffen. Wer weiß, wie viele es erlebt haben und es nicht sagen? Mir hat der Film Mut gemacht, auch wenn er mich sehr aufgewühlt hat.“

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