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Das Werbeplakat mit einer Fechterin mit Hijab ist auch in der Ausstellung zu sehen.

"Contemporary Muslim Fashions"

Muslime in der Mode mitdenken

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Ob Feminismus oder Nachhaltigkeit: Die Ausstellung im MAK berührt viele Themen. In Frankfurt haben am Wochenende vor allem Frauen diskutiert.

Viele Diskussionen hat es um die „Contemporary Muslim Fashions“ gegeben. Es ist die weltweit erste umfassende Museumsausstellung, die sich zeitgenössischer muslimischer Mode widmet. Nach dem Auftakt in San Francisco macht sie derzeit im Museum Angewandte Kunst Station. „Modest Fashion“ ist dabei das Schlagwort – „bescheidene“ Mode, die weniger körperbetont ist und locker sitzt. Während die einen es als Freiheit sehen, sich zu kleiden, wie man will, ist es für andere eine Reaktion auf von Männern gemachte Bekleidungsvorschriften.

Zu der Ausstellung gab es am Wochenende ein Begleitprogramm von Museum und städtischem Frauenreferat. Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Bloggerinnen und Influencerinnen diskutierten über kulturelle Identität, Gender, Nachhaltigkeit, Politik und Gleichberechtigung.

So wurde etwa am Samstag bei der Diskussion „Die Auswirkung von Fast Fashion auf die Gesellschaft – Ethische - und Halal Mode als Gegenpol“ schnell klar: Begriffe sind nötig, um über das Thema sprechen zu können – aber nicht alle kursierenden Begriffe sind passend. Designerin Naomi Afia, die zwei Stücke im Museum ausstellt, fand „Fair Fashion“ zum Beispiel einen problematischen Begriff. „Fair steht ursprünglich für hellhäutig – deshalb rede ich lieber von ethischer oder gerecht hergestellter Mode.“

Lässt sich der Begriff "halal" sinnvoll auf Mode anwenden?

Afia achtet darauf, wo und wie die Stoffe produziert werden, die sie verwendet. Doch da stößt sie schnell an Grenzen. Der Stoff für einen ihrer Anzüge in der Ausstellung wurde in Österreich hergestellt. Meterpreis: 65 Euro. Vier bis fünf Meter hat sie gebraucht. „Vielen ist das zu teuer. Aber bei einem Shirt für drei Euro geht es auf Kosten von Kindern und von Menschenleben – das passt eigentlich nicht zum Selbstverständnis der Muslime.“ Asmaa El Maaroufi, Doktorandin im Fach Islamische Theologie an der Uni Münster, sah das auch so. Schließlich sei Gerechtigkeit ein wichtiger Aspekt im Koran. Gerecht hergestellte Kleidung finde auch immer mehr Gehör in der muslimischen Community. „Aber die Muslime in Deutschland müssen noch Diskussionen über ihre Daseinsberechtigung führen“, sagt El Maaroufi. Da spielten Themen wie Nachhaltigkeit eine kleinere Rolle.

Contemporary Muslim Fashions: Ein Symposium kommt ganz ohne Hysterie aus

Den Begriff "halal" auf Mode anzuwenden hält El Maaroufi für schwierig. Was aus muslimischen Verständnis her erlaubt ist oder nicht, sollte auf das ethische Konzept der Kleidung angewandt werden, nicht auf das Aussehen. Begriffe wie halal seien aber für die deutsche Mehrheitsgesellschaft werbewirksam interessant, sagte El Maaroufi. Kommunikationsberaterin Aisha Camara stimmte zu und sagte, dass „über den Begriff halal bestimmte Zielgruppen angesprochen werden. Halal kann ein Kaufkriterium für Musliminnen sein“. Das hätten auch große Marken inzwischen erkannt. „Toblerone ist jetzt halal – Marken machen solche Dinge nicht zufällig.“

Aus dem Publikum mit mehr als 80 Leuten kam die Frage auf, warum überhaupt Mode für eine muslimische Zielgruppe nötig sei. Modest Fashion unterscheide sich doch nicht sehr von anderer Mode. Da gebe es schließlich auch locker sitzende Kleidung. Doch für Camera ist das schon nötig. „Jahrhundertelang wurden in der Modewelt Nicht-Weiße und Muslime nicht mitgedacht. Nun sollten wir den Raum dafür schaffen."

Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) unterstützt, dass Frauen „selbst zu Wort kommen, ihr Blick auf Körper, Mode, Tradition und Emanzipation gewürdigt und das Spannungsfeld zwischen restriktiven Bekleidungsvorschriften und selbstbestimmtem Leben besprechbar wird“.

„Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung“ lautet der Titel einer ganztägigen Konferenz am Mittwoch, 8. Mai. Das Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam lädt dazu von 10 bis 17.30 Uhr in das Forschungszentrum, Max-Horkheimer-Straße 2, Campus Westend. Der Eintritt ist frei; eine kurze Anmeldung per E-Mail jedoch unter folgender Adresse erforderlich: ffgi@normativeorders.net

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